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RIBA International List 2018

Weltverbesserungsarchitektur

Die Kandidaten für den internationalen Architekturpreis des Royal Institutes of British Architects zeigen, dass gute Baukunst mehr ist als Überwältigungsarchitektur - sie verbessert das Leben von Menschen. Eine Auswahl.

Amit Geron
Donnerstag, 14.12.2017   19:34 Uhr

Das Royal Institute of British Architects (RIBA) hat die Liste der Kandidaten für seinen internationalen Preis veröffentlicht. Zweimal im Jahr stellt die königliche Architektenkammer mit dieser Sammlung einige der besten neuen oder kürzlich fertiggestellten Gebäude weltweit vor. In diesem Jahr stehen 62 Gebäude aus 29 Ländern in der engeren Auswahl, mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Vier der Projekte werden schließlich mit dem RIBA International Prize geehrt.

Zu den preisverdächtigen Bauwerken gehören hauptsächlich spektakuläre Konstruktionen wie die im September fertiggestellte Andachtshalle auf dem Herzlberg in Israel. Der zum Himmel geöffnete Raum wurde aus Ziegelsteinen gebaut, die mit den Namen gefallener Soldaten beschriftet sind. Die Idee dazu stammt von den Architekturbüros Kimmel Eshkolot und Kalush Chechik.

Andere preisverdächtige Kandidaten zeichnen sich aus, weil sie durch ihre Form und die verwendeten Baustoffe mit ihrer Umgebung harmonieren. Sie sind gut genug entworfen, um aufzufallen, aber ohne die Landschaft oder Nachbargebäude zu überstrahlen. In diese Kategorie fallen die Zentrale der Bremer Landesbank mit einer dunklen Ziegelfassade, wie sie im historischen Stadtzentrum der Hansestadt üblich ist - oder das Wattenmeerzentrum im dänischen Ribe nach dem Vorbild von Wikinger-Hütten.

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RIBA International List 2018: Die beste Architektur des Jahres

Unter den Architekten, die heuer um den 2016 erstmals international vergebenen Preis konkurrieren, ist auch der Däne Bjarke Ingels, derzeit einer der gefragtesten Baumeister weltweit. Ingels geht mit seinem Neubau für das Tirpitz Museum ins Rennen. Für das "unsichtbare Museum" ließ er eine Düne in Blåvand, Dänemark aufschneiden und die Ausstellungsräume unter die Erde legen.

Neben den Museumsbauten gibt es acht weitere Kategorien: Privathäuser, Hotels, Bürogebäude, Bildungseinrichtungen, öffentliche Gebäude, Gebetshäuser, Sportstätten sowie architektonische Gesamtkonzepte, die Landschaften prägen. Ein weitere Gruppe bilden Gebäude, die in Konflikt- oder Katastrophengebieten errichtet wurden.

Eines der Projekte aus einem Katastrophengebiet steht in dem chinesischen Dorf Guangming, das 2014 von einem Erdbeben zerstört worden war. An einem Musterhaus demonstrierten Forscher der Universität Hongkong, wie die traditionelle Bauweise der Dorfbewohner erdbebensicher gemacht werden kann. Dafür verstärkten sie die Wände aus gestampfter Erde mit Stahl- und Betonpfeilern.

Das Gebäude ist vielleicht nicht so schön wie die meisten anderen im Wettbewerb. Doch es hat großen Einfluss auf das Leben der Menschen vor Ort, die sich keine Mauersteine leisten können. Dank des mit Seismologen aus Cambridge entwickelten Verfahrens können sie nun weiterhin mit vor Ort verfügbaren Materialien bauen. Für diesen Ansatz gab es bereits beim World Architecture Festival in Berlin den Titel "Gebäude des Jahres". Die Technik könne das Leben von bis zu einhundert Millionen Menschen weltweit verbessern, hieß es zur Begründung.

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Bauvorhaben wie diese sind es, die beweisen, dass Baukunst mehr ist als Überwältigungsarchitektur aus Stahl, Glas und Beton. "Diese Liste beleuchtet die besten neuen Bauwerke der Welt und beeindruckende Architekturtalente", sagte der RIBA-Präsident Ben Derbyshire zu seiner Auswahl. Noch wichtiger sei aber, dass sie zeige, was gut entworfene Gebäude für die Gesellschaft leisten könnten. Zusammen mit seinen Jury-Kollegen steht er nun vor der Herausforderung, aus den 62 Bauwerken die vier besten auszuwählen.

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