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High Glass - Die Weinkolumne

Diesen Sekt würde James Bond trinken

Der Elsässer Mathieu Kauffmann ist einer der bekanntesten Champagner-Macher Frankreichs. Nun hat er sich vorgenommen, in der Pfalz den besten Rieslingsekt Deutschlands herzustellen.

Getty Images

Sekt

Von
Sonntag, 01.10.2017   09:50 Uhr

Vor vier Jahren kam der Elsässer Mathieu Kauffmann zurück in das Tal, das er seine Heimat nennt: das Rheintal. Seitdem verfolgt er als Kellermeister des traditionsreichen Pfälzer Weinguts Reichsrat von Buhl in Deidesheim das Ziel, aus Spitzenlagen trockene Rieslinge und Spätburgunder von Weltklasse zu erzeugen. Dazu Sekte, die mit den besten Champagnern mithalten sollen.

"Die Voraussetzungen in der Pfalz sind ideal", sagt Kauffmann. "Zwar gibt es keine Kreideböden wie in der Champagne, dafür aber Riesling in Toplagen." Vom "Forster Pechstein" und vom "Kirchenstück" keltert er bereits fulminante Rieslinge, doch für die Sekte nimmt sich Kauffmann Zeit. "Die größten Champagner sind sorgfältig komponierte Verschnitte aus Reserveweinen von zehn und mehr Jahrgängen."

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Zwölf Jahre lang war er Kellermeister von Bollinger, einem der renommiertesten Häuser der Champagne - und der Lieblingsmarke von James Bond. Sein neuer Arbeitgeber war bereit, in das Produkt zu investieren. Man baute Kauffmann eine Halle für Sekt, erneuerte Rebanlagen, schaffte neue Pressen und Fässer an sowie Tausende von Gitterboxen, in denen die Sekte über Jahre auf der Hefe reifen. Diese Hefe sorgt für die zweite Gärung und das große Prickeln, aber auch für den unverwechselbaren Brot- und Brioche-Geschmack großer Champagner.

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Schon Kauffmanns erste Sekte zählen zu den feinsten in Deutschland: Riesling, Rosé und Reserve Brut. Am 11. November kommt, nach 40 Monaten Hefelager, die erste Prestige-Cuvée (2013er RVB Rosé Prestige, 49 Euro) auf den Markt. Erst für 2025, also nach mehr als zehn Jahren Hefelager, ist der 2013er Pechstein Riesling geplant. Spätestens dann dürfte die deutsche Antwort auf Bollinger kommen.

Stephan Reinhardt, 49, bewertet etwa 4000 Weine jährlich für Robert Parkers "Wine Advocate".

Aus dem S-Magazin

insgesamt 8 Beiträge
dirk.resuehr 01.10.2017
1. Schallgrenze
mal offen, Champagner ist zu teuer. Deutsche Sekte gibts schon lange, nur Verschnitt klingt halt nicht so elegant wie Cuvee. Unter 15 Euro noch akzeptabel, darüber bezweifle ich die Fähigkeiten von Gaumen, Zunge und Nase. Mein [...]
mal offen, Champagner ist zu teuer. Deutsche Sekte gibts schon lange, nur Verschnitt klingt halt nicht so elegant wie Cuvee. Unter 15 Euro noch akzeptabel, darüber bezweifle ich die Fähigkeiten von Gaumen, Zunge und Nase. Mein Lieblinsschampagner ist übrigens Laurent Perrier Rose`, aber bei 70 Euro pro Flasche hört der Genuß auf. Sogar der Freixenet für 3,98 beim Lidl schmeckt dann besser.Nichts gegen Sekt, nur die Preisgestaltung a la Francaise ist unsinnig.
geotie 01.10.2017
2.
Eine fiktive Gestalt in derrealen Welt für ein teures Produkt zieht nicht bei mir.
Eine fiktive Gestalt in derrealen Welt für ein teures Produkt zieht nicht bei mir.
TS_Alien 01.10.2017
3.
Ich kenne ein Produkt, das jedem Erzeugnis aus Weintrauben überlegen ist: ein gutes Bier.
Ich kenne ein Produkt, das jedem Erzeugnis aus Weintrauben überlegen ist: ein gutes Bier.
j.e.r. 01.10.2017
4. Die besten Champagner
sind für mich - und da bin ich nicht allein - Jahrgangsweine, "millésimés" die immer seltener und vor allem teurer geworden sind. Nicht "..... sorgfältig komponierte Verschnitte aus Reserveweinen von zehn und [...]
sind für mich - und da bin ich nicht allein - Jahrgangsweine, "millésimés" die immer seltener und vor allem teurer geworden sind. Nicht "..... sorgfältig komponierte Verschnitte aus Reserveweinen von zehn und mehr Jahrgängen." Schon gar nicht die "Verlegenheits-Verschnitte" aus 2, 3, 4 Jahren um die Ernte eines gegebenenfalls sehr schwachen Jahrgangs doch noch irgendwie bis zum Maximum der erlaubten Menge verkaufen zu können. Auch gibt es genug interessante Varianten, ich bin eher für einen sehr guten "blanc de blancs" (nur Chardonnay), neuerdings habe ich auch ein paar wirklich gute "blanc de noirs" gefunden. Dass Champagner viel zu teuer sind - sowohl die qualitativ schlechten als auch die wirklich guten - konnte man in der Region die letzten Jahrzehnte sehen: die vor 30, 40 Jahren ungepflegten Häuser in vielen der halbverlassenen Dörfern der Champagne sind wieder super herausgeputzt, renoviert. Oder einfach die Most-Preise vergleichen. Es gibt sehr gute Alternativen die nicht aus der Champagne kommen, aber eben - keiner schlägt die Dachgesellschaft der Champagner-Hersteller wenn es darum geht die Marke "Champagner" nicht nur zu schützen sondern auf den Märkten durchzusetzen.
schadland 01.10.2017
5. Es gibt in der gesamten großen und heterogenen Champagne
zahlreiche kleine und mittlere Hersteller, die wundervolle, ihren regionalen Besonderheiten und Trauben entsprechende Champagner produzieren und vermarkten jenseits der Kaufhausnamen, der Edelbrausen und der Massenplörren für 40 [...]
zahlreiche kleine und mittlere Hersteller, die wundervolle, ihren regionalen Besonderheiten und Trauben entsprechende Champagner produzieren und vermarkten jenseits der Kaufhausnamen, der Edelbrausen und der Massenplörren für 40 Euro in chicen Verpackungen. Es lohnt sich, sich mit den Online- und Direktvertrieben zu beschäftigen und mal was zu probieren. Zwischen 20 und 30 Euro bekommt man handwerkliche und aufwändig hergestellte Getränke mit Charakter und Geschichte/n. Was nicht heißt, dass Anderes nicht trinkbar ist.

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