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Stil

Streetstyle in Berlin

Lieber cool als madamig

Die Berliner mögen es unordentlich, heißt es. "S", das Stilmagazin des SPIEGEL, hat Hauptstädter getroffen, die sich gekonnt in Schale werfen. Zu perfekt darf es allerdings nicht aussehen.

Lottermann and Fuentes
Von Antje Wewer
Dienstag, 13.03.2018   12:09 Uhr

Die Behauptung, in der Hauptstadt gehe man in Jeans ins Theater und zelebriere generell einen Antichic, hält sich hartnäckig. Doch Stichproben belegen eher, dass das Gegenteil zutrifft: Bei Ausstellungseröffnungen oder auf Premierenpartys werfen sich die Gäste durchaus gekonnt in Schale.

Allerdings wird dabei auf einen kleinen Bruch Wert gelegt. When too perfect (man spricht mittlerweile gern Englisch in der Hauptstadt), dann ist es dem Berliner zu langweilig. "Was in anderen deutschen Städten als 'zu artsy' bezeichnet wird, verkauft sich bei uns prima", sagt Herbert Hofmann, Verkaufsleiter im Kreuzberger Szeneladen "VooStore".

Gemeint sind: übergroße Blusen von Jil Sander, Puristisches von Acne Studios oder MM6 by Maison Margiela. Designermode soll in Berlin nicht zeigen, dass man Geld hat, sondern dass man weiß, was angesagt ist. Der scheinbar nachlässige Streetstyle wird in dieser Stadt mit einer gewissen Kennerschaft präsentiert, Marken wie Adidas by Raf Simons, NikeLab oder Y-3 begegnen einem an vielen Ecken.

Aus dem S-Magazin

Man unterwirft sich keinen Trends wie die Pariser oder New Yorker, die beim Stichwort Subkultur reflexartig zur Anti-Mode von Labels wie Vetements greifen. In Berlin ist die Subkultur auf der Straße zu entdecken, und niemand muss 1000 Euro für ein Paar Jeans ausgeben.

Individualität ist wichtig, um im Großstadtdschungel erkannt zu werden. Beliebte Accessoires: Vintage-Hut, exzentrische Brille, Remembrance-Poppy-Anstecker (Mohnblüten, die ursprünglich zum Gedenken an Kriegsopfer getragen wurden).

Die Frauen in Berlin gehen gerne in Hose aus, was nicht nur an der rauen Witterung liegt: Sie verstehen sich als "working girls" - lieber zu cool als zu madamig! Hohe Schuhe kommen oft zum Einsatz (bevorzugt Stiefel und Plateausohlen, denn das Kopfsteinpflaster ist eine Herausforderung).

Dazu werden Blazer, Mantel oder Pullover mit einem Hauch Exzentrik kombiniert (Knallfarben oder Animalprint), am liebsten von lokalen Designern wie Belize oder Lala Berlin. "Unsere Bestseller waren zuletzt ein gelber Teddymantel, der Palästinenserschal in Mintgrün und auffällige Leo-Stiefeletten", sagt Leyla Piedayesh, Gründerin von Lala Berlin. "Monatelang dominiert grauer Himmel die Stadt - da hilft nur Farbe!"

insgesamt 6 Beiträge
hegri 13.03.2018
1. Timmi Nina und Valeska
Fehlen noch der Tom, der Josch, der Vince und die Merle. Boah, wie diese Berlin-Nummer ödet. Diese Hipsterei nervt. Und sind die gezeigten Klamotten denn nun wirklich sooo überwältigend? Man könnte glauben, dass in B nur noch [...]
Fehlen noch der Tom, der Josch, der Vince und die Merle. Boah, wie diese Berlin-Nummer ödet. Diese Hipsterei nervt. Und sind die gezeigten Klamotten denn nun wirklich sooo überwältigend? Man könnte glauben, dass in B nur noch irgendwelche Kreativ-Fuzzis rumrennen. Aber wer weiß, es mag ja auch Maschinenbauingenieure, Softwareentwickler und sonstige Normalos dort geben.
gourmet?gourmand? 15.03.2018
2. Ehrlich?
Zunächst gebe ich meiner/m VorrednerIn recht. Und dann möchte ich die essentielle Erkenntnis aus dem Artikel benennen: Diese Berliner Menschen kaufen Klamotten! Und kombinieren sie! Das ist wahrhaft neu. Interessant Ist, dass [...]
Zunächst gebe ich meiner/m VorrednerIn recht. Und dann möchte ich die essentielle Erkenntnis aus dem Artikel benennen: Diese Berliner Menschen kaufen Klamotten! Und kombinieren sie! Das ist wahrhaft neu. Interessant Ist, dass im Text von lokalen Labels und Subkultur die Rede ist. In der Bildserie werden dann jedoch Marken wie Prada, Zegna und Boss in zwar bunten, aber doch biederen Kombinationen präsentiert. Und dieser Querstreifen Pulli ist für Prada ja extrem brav und (jetzt kommt das NoGo-Wort für Berlin!) ANGEPASST. MAN bedenke: Wenn sich alle bunt kleiden ist das auch nicht mehr individuell. Oder herrscht in Berlin immer noch der kollektive Zwangsindividualismus der vergangenen 20 Jahre?
mag-the-one 16.03.2018
3. Yes...
"ANGEPASST" und "kollektiver Zwangsindividualismus"... You made my day :-D Genauso kommt das rüber. Das Bedenkliche jenseits alles Modischen ist jedoch: das trifft leider auch oft für das Denken zu.
Zitat von gourmet?gourmand?Zunächst gebe ich meiner/m VorrednerIn recht. Und dann möchte ich die essentielle Erkenntnis aus dem Artikel benennen: Diese Berliner Menschen kaufen Klamotten! Und kombinieren sie! Das ist wahrhaft neu. Interessant Ist, dass im Text von lokalen Labels und Subkultur die Rede ist. In der Bildserie werden dann jedoch Marken wie Prada, Zegna und Boss in zwar bunten, aber doch biederen Kombinationen präsentiert. Und dieser Querstreifen Pulli ist für Prada ja extrem brav und (jetzt kommt das NoGo-Wort für Berlin!) ANGEPASST. MAN bedenke: Wenn sich alle bunt kleiden ist das auch nicht mehr individuell. Oder herrscht in Berlin immer noch der kollektive Zwangsindividualismus der vergangenen 20 Jahre?
"ANGEPASST" und "kollektiver Zwangsindividualismus"... You made my day :-D Genauso kommt das rüber. Das Bedenkliche jenseits alles Modischen ist jedoch: das trifft leider auch oft für das Denken zu.
ach 16.03.2018
4.
Für Hipsterei ist das Durchschnittsalter aber zu hoch.
Zitat von hegriFehlen noch der Tom, der Josch, der Vince und die Merle. Boah, wie diese Berlin-Nummer ödet. Diese Hipsterei nervt. Und sind die gezeigten Klamotten denn nun wirklich sooo überwältigend? Man könnte glauben, dass in B nur noch irgendwelche Kreativ-Fuzzis rumrennen. Aber wer weiß, es mag ja auch Maschinenbauingenieure, Softwareentwickler und sonstige Normalos dort geben.
Für Hipsterei ist das Durchschnittsalter aber zu hoch.
pansenhans75 17.03.2018
5. Berlin ist tot, lang lebe Berlin
Nach zwanzig Jahren kann ich sagen, Berlin pulsiert, die Stadt meiner Jugend ist es nicht mehr, aber es bleibt nichts so wie es ist...... an alle Neider: Berlin ist und bleibt die einzige Metropole in Deutschland, mit allen [...]
Nach zwanzig Jahren kann ich sagen, Berlin pulsiert, die Stadt meiner Jugend ist es nicht mehr, aber es bleibt nichts so wie es ist...... an alle Neider: Berlin ist und bleibt die einzige Metropole in Deutschland, mit allen Vorteilen und leider auch vielen Nachteilen, also liebt Berlin oder hasst es! Ich kann nicht ohne

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