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Stil

Streetstyle in der Bankerstadt

Frankfurter Schuhe

Frankfurt Bankenstadt: Anzug oder Kostüm ist hier für viele Pflicht, auch im Klub. Doch erst durch die Kombination mit Vintageteilen wird aus der Bankeruniform ein Partyoutfit, wie unsere Bilderstrecke zeigt.

Lottermann and Fuentes
Donnerstag, 31.05.2018   12:14 Uhr

Frankfurt ist die deutsche Hauptstadt der Selbstverständlichkeit. Hier muss man nicht zeigen, was man hat, wie in München, oder so tun, als ob man nichts hat, wie in Berlin. Tagsüber dominieren im Straßenbild Banker, was im Idealfall ein wenig nach London aussieht. Die Geldelite aus dem Vordertaunus bringt immer einen Hauch vom exklusiven Klassenstil Hamburgs mit. Die Tradition der alten Handelsstadt mit aufgeklärtem Bürgertum sorgt am mäzenatisch gepflegten Museumsufer für konkurrenzlose Kulturblüte, was sich auch im Kleidungsstil der Stadt widerspiegelt.

Das Modebewusstsein ist so eklektisch wie individuell und greift gerne auf Vintage-Teile zurück. Die Bandbreite reicht von Dior bis Doc Martens, von Vans bis Muji. Auch vor Farbakzenten hat keiner Angst, was Ausdruck allgemeiner Lebensfreude ist. Kein Wunder in einer Stadt, deren Uferpromenade am Main den sprechenden Namen Nizza trägt.

Aus dem S-Magazin

Modedesigner René Storck, der seine Damenmode vom Stadtteil Bornheim aus in die Welt entsendet, fasst es wie folgt: "In Frankfurt schaut man wie in der Mode nur in eine Richtung - nach vorne. Eine bessere Aussicht kann ich mir nicht vorstellen." Hier wird Mode selbstbewusst, munter und stilsicher kombiniert: Hochkultur und Subkultur friedlich vereint. Wie beim Nationalgetränk Ebbelwoi, dessen gemeinsamer Genuss an den langen Tischbänken der Apfelwein-Wirtschaften wie dem "Gemalten Haus" gelebte Demokratie bedeutet. Da nehmen, wie jeden Mittag in "Wacker's Kaffee Geschäft" am Kornmarkt, die Werber und Banker neben Studenten und Arbeitern Platz und prosten sich mit den gerippten Gläsern voller Stöffsche zu. Dünkel ist anderswo.

Man sieht, nicht nur was die Arbeit anbelangt, gerne mal von sich ab. Auch das Ich ist nicht so wichtig, deswegen hat Individualität auch selten etwas Pfauenhaftes (obwohl der Pfau ja ein schönes Tier ist und im Frankfurter Zoo Hof hält). Selbst die Gentrifizierung greift nicht überall, was man am Ausgehviertel um den Hauptbahnhof herum sehr gut beobachten kann. Das Rotlichtmilieu koexistiert problemlos mit dem Nachtleben bei allabendlichen Drinks im "Plank" - wo gerne der lokale Klassiker zitiert wird: "Es will mer nett in de Kopp enei, wie kann en Mensch net von Frankfort sei." Auf Hochdeutsch: Kann man woanders herkommen als von hier?

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