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Vokuhila-Festival in Australien

Sie haben die Haare schön

Der Vokuhila steht für die Achtzigerjahre, doch im australischen Hinterland hält sich die Frisur wacker. Beim Mulletfest in der Kleinstadt Kurri Kurri wurden nun die prächtigsten Exemplare prämiert.

AFP
Samstag, 24.02.2018   17:01 Uhr

Gewiss, gewiss: Das Comeback des Vokuhila-Haarschnitts wurde schon oft ausgerufen, hier zum Beispiel ein Artikel aus der Frühzeit von SPIEGEL ONLINE. Aber so richtig erfolgreich waren diese Kampagnen nie. In der westlichen Welt ist der Vokuhila weithin als grobe stilistische Entgleisung der Achtzigerjahre verpönt.

Im australischen Hinterland aber hat sich die Frisur gehalten - und die Australier feiern sie nun als Teil ihres kulturellen Erbes. Jeder, der sich an John Farnham erinnert, den australischen Popstar aus den Achtzigern ("You're the Voice") und prägnanten Vokuhila-Träger, weiß: völlig zurecht.

imago stock&people

John Farnham, 1988

Mehr als 150 Vokuhila-Träger kamen nun am Samstag in der Kleinstadt Kurri Kurri zum ersten Vokuhila-Festival zusammen und ließen sich von Schaulustigen für ihre charakteristische Haartracht bejubeln.

Nirgendwo sonst habe sich der Vokuhila so lange gehalten wie in Kurri Kurri, sagte Festivalorganisatorin Laura Johnson zu AFP. "Wir haben hier Leute, die ihren Vokuhila seit 60 Jahren tragen."

"Es ist kein Haarschnitt, es ist ein Lebensstil"

Der deutsche Name Vokuhila steht für "Vorne kurz, hinten lang" - und beschreibt damit ziemlich genau, um was es bei dieser als etwas prollig geltenden Haartracht geht. Die Australier bezeichnen den Schnitt mit dem englischen Ausdruck "Mullet".

Vokuhila-Träger Lloyd Martin kam eigens nach Kurri Kurri, um am Wettbewerb um den schönsten Schnitt teilzunehmen. "Das ist eine der ur-australischsten Frisuren, die man haben kann", sagte Martin. "Mindestens einmal im Leben muss man sich einen Vokuhila wachsen lassen. Es ist kein Haarschnitt, sondern ein Lebensstil."

Fotostrecke

Vokuhila-Feier: Best of Mulletfest

Laurie Manurele berichtete am Rande des Wettbewerbs, dass er seinen Vokuhila seit 46 Jahren trägt. "Die Qualität der Vokuhilas hier ist wirklich unglaublich", staunte er. "Australien ist die Welthauptstadt der Vokuhilas."

Die Frisuren wurden in fünf Kategorien prämiert: "Everyday Mullet" (Alltags-Vokuhila), "Grubby Mullet" (Schmuddel-Vokuhila), "Ranga Mullet" (Rothaar-Vokuhila), "Ladies Mullet" (die Damenkategorie) und "Junior Mullet" (Nachwuchspreis). In letzterer Kategorie gewann der gerade mal zwölf Jahre alte Alex Keavy. "Es ist ein bisschen altmodisch, aber ich mag es trotzdem so", sagte er. "Meine Freunde sagen, dass sie auch so einen Schnitt wollen. Aber ich glaube nicht, dass viele Leute ihn richtig tragen können."

feb/AFP

insgesamt 15 Beiträge
Hirn gefragt? 24.02.2018
1. schaurig-schön
Das weckt Erinnerungen (zum Glück nicht persönliche...). Das erste Bild ist für mich der Inbegriff der Vokuhila-Frisur. Der gute Mann zieht es in Verbindung mit dem Oberlippenbart konsequent durch. Allerdings sind die an der [...]
Das weckt Erinnerungen (zum Glück nicht persönliche...). Das erste Bild ist für mich der Inbegriff der Vokuhila-Frisur. Der gute Mann zieht es in Verbindung mit dem Oberlippenbart konsequent durch. Allerdings sind die an der Seite ausrasierten Frisuren für mich keine Vokuhilas. Ich kannte Punks in den 80ern, die so etwas getragen haben - hätte man deren Haarpracht Vokuhila genannt, wäre man bei denen unten durch gewesen... ;) Die klassische Vokuhila bedeutet für mich auch, dass es oben herum und überhaupt schaurig-schön gepflegt ist (Fön, Haarspray oder -lack).
dasfred 24.02.2018
2. An mir ist der Trend damals vorüber gegangen
Im Nachhinein bin ich immer noch froh, dass ich es nie ertragen konnte, wenn die Haare an den Ohren oder im Nacken kitzelten. So gibt es von mir wenigstens keines dieser peinlichen Jugendfotos. Mir reichte es, mich mit Klamotten [...]
Im Nachhinein bin ich immer noch froh, dass ich es nie ertragen konnte, wenn die Haare an den Ohren oder im Nacken kitzelten. So gibt es von mir wenigstens keines dieser peinlichen Jugendfotos. Mir reichte es, mich mit Klamotten zu verunstalten. Und dann die stolzen Vokuhila Träger, die von hinten gern mal mit junges Fräulein angesprochen wurden. Nein, Vokuhila, extrabreite Schulter Polster und Ballonröcke waren Verirrungen, die bitte zu meinen Lebzeiten nicht mehr aufgewärmt werden.
Fräulein P. 24.02.2018
3. Das Leben kann so schön sein!
Habe gerade meine ganze Wohnung geputzt, mir zur Belohnung ein Bier eingeschenkt und nun die Vokuhilafotos angesehen... Manchmal ist das Leben einfach schön!
Habe gerade meine ganze Wohnung geputzt, mir zur Belohnung ein Bier eingeschenkt und nun die Vokuhilafotos angesehen... Manchmal ist das Leben einfach schön!
Hirn gefragt? 24.02.2018
4. Oh ja...
Oft genug zwängten sich die Vokuhilaträger in den 80ern in überenge Jeans. Von hinten gesehen war das manchmal für mich als Hetero durchaus knackig und wohlproportioniert anzusehen - bis beim Umdrehen die Rotzbremse oder [...]
Zitat von dasfredIm Nachhinein bin ich immer noch froh, dass ich es nie ertragen konnte, wenn die Haare an den Ohren oder im Nacken kitzelten. So gibt es von mir wenigstens keines dieser peinlichen Jugendfotos. Mir reichte es, mich mit Klamotten zu verunstalten. Und dann die stolzen Vokuhila Träger, die von hinten gern mal mit junges Fräulein angesprochen wurden. Nein, Vokuhila, extrabreite Schulter Polster und Ballonröcke waren Verirrungen, die bitte zu meinen Lebzeiten nicht mehr aufgewärmt werden.
Oft genug zwängten sich die Vokuhilaträger in den 80ern in überenge Jeans. Von hinten gesehen war das manchmal für mich als Hetero durchaus knackig und wohlproportioniert anzusehen - bis beim Umdrehen die Rotzbremse oder ein Dreitagebart zum Vorschein kamen. Dann wurde es mir doch etwas blümerant... :)
Sibylle1969 24.02.2018
5.
Ein 31-jährige trägt dieselbe Frisur seit 1986? Dann ist er wohl schon mit dem Vokuhila auf die Welt gekommen?
Ein 31-jährige trägt dieselbe Frisur seit 1986? Dann ist er wohl schon mit dem Vokuhila auf die Welt gekommen?

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