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Stil

Britischer Stararchitekt

Will Alsop ist tot

Mit bunter Architektur wollte Will Alsop das Leben der Menschen verschönern. Sein Markenzeichen waren Stelzenhäuser, sein Motto: "Spaß sollte man ernst nehmen." Im Alter von 70 Jahren ist er nun gestorben.

Getty Images/ Toronto Star
Montag, 14.05.2018   18:08 Uhr

"Der Boden sollte Menschen und Gärten vorbehalten sein, nicht Gebäuden", sagte Will Alsop einmal in einem Interview. Damit spielte der britische Architekt auf sein Markenzeichen an: Häuser auf Stelzen, wie die Londoner Peckham Library. Ein auf der Seite liegendes L mit bunter Glasfassade, dessen langer Strich als Vordach auf dünnen Stahlträgern ruht. 2000 wurde Alsop dafür mit dem Stirling-Preis ausgezeichnet, der vom Royal Institute of British Architects (RIBA) jährlich für das Gebäude verliehen wird, "welches den größten Beitrag zur britischen Architektur des Vorjahres darstellt".

Die außergewöhnliche Bibliothek gewann aber nicht nur Preise, sondern auch Leser. Seit ihrer Eröffnung verzeichnet sie pro Jahr dreimal mehr jugendliche Besucher als in dem Südlondoner Stadtbezirk Southwark Durchschnitt sind. Der gefeierte Entwurf ist ein Musterbeispiel für Alsops kühnen Baustil - und dafür, wie Gebäude heruntergekommene Quartiere neu beleben können.

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Weltverbesserer am Zeichentisch: Architektur von Will Alsop

"Architekt ist der einzige Beruf, der Spaß und Freude bringt. Alle anderen haben mit Düsternis und Untergang zu tun", lautete eine weitere von Alsops Baumeister-Weisheiten. Schon als Kind hatte er diesen Berufswunsch. Mit 16 bricht er die Schule ab und beginnt für einen Architekten zu arbeiten. Später holt er sein Abitur nach und schafft es in die Architectural Association, Londons älteste unabhängige Architekturschule. Noch als Student landet er hinter Richard Rogers und Renzo Pianoauf dem zweiten Platz bei einem Architekturwettbewerb für das Centre Pompidou in Paris.

Nach seinem Abschluss arbeitet er kurz für Maxwell Fry und Jane Drew, zwei der damals führenden Architekten der Moderne in London. Seinen Stil prägen wird aber vor allem die Zusammenarbeit mit Cedric Price, bekannt für nicht allzu ernste Architektur und flexible Raumgestaltung. Nach dieser Anstellung gründet Alsop die erste von insgesamt sechs Architekturfirmen. Mit Alsop & Lyall - sowie den Hamburger Architekten Jentz, Popp, Wiesner aus dem Büro me di um - baut er 1993 das Fährterminal in Hamburg-Altona.

Alsop baute auch Luftschlösser

Doch nicht alle von Alsops Unternehmungen werden ein Erfolg. 2004 beerdigt Liverpools Stadtverwaltung seine "Fourth Grace" getauften Pläne für eine auf Stelzen stehende Glaswolke. Im selben Jahr braucht seine Firma einen Konkursverwalter, und der 350-Millionen-Pfund-Auftrag für den Hauptbahnhof in Birmingham wird ihm entzogen. Ein von Alsop in West Bromwich konzipiertes Kunstzentrum wird nur fünf Jahre nach seiner Eröffnung in eine Schule umgewidmet. Das Gebäude sei laut einem Gutachten "für den Zweck ungeeignet", schreibt der britische Guardian in seinem Nachruf auf Alsop.

Zuletzt baute Alsop, der auch ein leidenschaftlicher Maler war, vor allem in China, wo Gelder, Genehmigungen und Baugründe für gewagte Projekte leichter zu bekommen sind als in Europa. Zu seinen letzten Projekten gehörte ein Freizeitpark 20 Kilometer nördlich von Chongqing. Dort soll es Baumhäuser geben, ein Hotel in Form einer Blume und einen See, der von einer LED-Leinwand überdacht wird, damit die Besucher sich auch bei Smog an einem blauen Himmel erfreuen können. Will Alsop wird die Fertigstellung nicht mehr erleben. Wie sein Büro bereits am Sonntag mitteilte, starb er nach kurzer Krankheit im Alter von 70 Jahren. Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

löw

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