26.09.2011
Wohnortwahl
Bei Mama leben Studenten gesünder
"Was, bei Mutti?": Frauen ziehen eher weiter weg
Frischgebackene Abiturienten wollen frei sein, das Kinderzimmer weit hinter sich lassen, die Welt kennenlernen - sollte man zumindest denken. Nun beweist eine Untersuchung der Kultusministerkonferenz (KMK), dass der hochschulreife Mensch von heute vor allem eines möchte: seiner Heimat treu bleiben.
Zwei Drittel aller Studienanfänger seien "territorial sesshaft", heißt es in der KMK-Veröffentlichung. Sie nähmen im gleichen Bundesland ein Studium auf, in dem sie auch ihr Abitur gemacht haben. Nur 13,5 Prozent der Studienanfänger wählen eine Universitätsstadt, die weiter entfernt liegt als die Grenze des Nachbarlandes.
Besonders hoch ist die sogenannte Sesshaftigkeitsquote in Bayern (79,4 Prozent), Nordrhein-Westfalen (79 Prozent) und Baden-Württemberg (74 Prozent). Nicht einmal die Hälfte der Abiturienten aus Brandenburg oder dem Saarland hingegen studiert im jeweiligen Heimatland - was freilich auch daran liegt, dass es in beiden Ländern nur wenige Hochschulen gibt.
Frauen sind territorial weniger beschränkt als ihre männlichen Kommilitonen. Überdurchschnittlich häufig ziehen Studienanfänger in den weiblich dominierten Fächern Veterinärmedizin, Ernährungswissenschaften sowie Kunst und Kunstwissenschaft zum Studium in ein anderes Bundesland.
Wer allein wohnt, feiert härter - und macht öfter blau
Bei den von Männern favorisierten Ingenieurwissenschaften hingegen ist der Anteil der Auswanderer am geringsten. Ein Grund könnte sein, dass es sich in der Nähe von Mamas gedecktem Tisch besonders komfortabel lernen lässt.
Streng medizinisch betrachtet muss vor dem Auszug aus dem Hotel Mama abgeraten werden. Die Umfrage der französischen Krankenversicherung Usem unter mehr als 8500 Studierenden legt nämlich den Verdacht nahe, dass der Abschied vom Elternhaus erheblich zu einem ungesunden Lebenswandel beiträgt.
So fiel zum Beispiel jeder dritte WG-Bewohner durch übermäßigen Alkoholkonsum auf. Der beginnt laut Usem zum Beispiel dann, wenn man sich mehr als zweimal die Woche mindestens drei Gläser oder einmal im Monat mehr als sieben Gläser Bier oder Wein einverleibt. Derlei Trinkgewohnheiten räumte unter den Studierenden, die noch bei den Eltern wohnen, nur jeder Sechste ein.
In Wohngemeinschaften wird aber nicht nur mehr gepichelt, sondern auch regelmäßiger gekifft, Ecstasy eingeschmissen oder die Sexdroge Poppers genommen. Vielleicht nehmen WG-Bewohner Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen deswegen auch aus purer Gewohnheit nicht besonders ernst: Wenn sie sich krank fühlen, warten mehr als die Hälfte von ihnen ab, ob sie in den nächsten Tagen von allein gesund werden, anstatt direkt zum Arzt zu rennen. Bei denen, die noch der elterlichen Kontrolle unterworfen sind, tut das nur jeder Dritte.