05.08.2012
Spaniens verzweifelte Jugend
Nehmt mich wenigstens als Regalauffüller
Junge Menschen im Madrider Arbeitsamt: Von der Krise hart getroffen
Kein Job und derzeit wenig Hoffnung: Junge Spanier sind eine der Gruppen, die am meisten unter der tiefen Wirtschaftskrise leiden. Rund die Hälfte der Jugendlichen unter 25 Jahren ist arbeitslos, etwa 920.000 junge Menschen finden keinen Platz auf dem Arbeitsmarkt. Ein historischer Negativrekord, sowohl in Spanien als auch in der Europäischen Union. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) warnte kürzlich vor der Gefahr einer verlorenen Generation. Für viele junge Spanier ist diese Gefahr bereits Realität.
Eduardo Mediero, 27, ist schon seit drei Jahren arbeitslos und hat keine Hoffnung, kurzfristig einen Job zu finden: "Es gibt nichts. Du wirst kaum noch als Regalauffüller in einem Supermarkt eingestellt. Höchstens gibt es Gelegenheitsjobs, Zeitverträge, das ist alles."
Auch für die 23-jährige Nuria Flores ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt bisher mit Enttäuschungen verknüpft. Die Spanierin spricht drei Sprachen und hat ihre Ausbildung als Laborantin mit Bestnoten absolviert. Trotzdem konnte sie nach mehreren Monaten immer noch keinen Job finden.
Daraufhin entschied sie sich für eine teure Ausbildung zur Flugbegleiterin. 2300 Euro zahlten ihre Eltern für den Halbjahreskurs in Madrid. Erneut gehörte sie zu den Besten. Als sie sich dann bei der Fluggesellschaft Iberia um eine Stelle bewerben wollte, sagte man ihr, dass sie nicht die erforderliche Mindestkörpergröße von 1,65 Metern habe. Es fehlten zwei Zentimeter, darauf hatten sie die Anbieter der Ausbildung nicht hingewiesen.
"Da kann man nichts machen"
Seit einiger Zeit versuchen gut ausgebildete spanische Jugendliche angesichts der schwierigen Lage auf dem heimischen Arbeitsmarkt ihr Glück im Ausland versuchen, wenn möglich mit finanzieller Unterstützung der EU. Nach Angaben des Portals für berufliche Mobilität, Eures, hat sich die Zahl der Spanier, die im Ausland Arbeit suchen, seit 2008 verdreifacht.
Ein beliebtes Ziel ist Deutschland. Die Regierung in Berlin hatte mehrfach signalisiert, dass gut ausgebildete spanische Fachkräfte wie Ingenieure, Informatiker oder Chemiker in Deutschland gern gesehen seien. Die meisten Spanier müssen jedoch ein schwieriges Hindernis überwinden: die Sprachbarriere. Der Fremdsprachenunterricht ist ein Schwachpunkt des spanischen Bildungssystems, weshalb sich viele in privaten Sprachkursen abmühen.
Wer im eigenen Land Arbeit findet, bekommt oft einen schlecht bezahlten Zeitvertrag. So fällt es den meisten Jugendlichen schwer, unabhängig zu werden. Einem Bericht der Sparkasse La Caixa zufolge wohnen 70 Prozent der spanischen Jugendlichen zwischen 20 und 29 Jahren bei ihren Eltern. Die Preise für Eigentumswohnungen sind in Spanien extrem hoch, und die Miete für eine 80 Quadratmeter Wohnung in Madrid liegt bei mindestens 900 Euro.
Die schwierige Lage vieler spanischer Jugendlicher hat sich durch die rigorose Sparpolitik der Regierung weiter verschlechtert: Die Mietbeihilfe für junge Spanier wurde gestrichen und für diejenigen, die diesen Zuschuss zurzeit erhalten, wurde er von 210 auf 147 Euro im Monat gekürzt.
Die spanische Regierung hatte im Februar zwar eine Arbeitsmarktreform beschlossen, die Steuervergünstigungen für kleine und mittlere Unternehmen vorsieht, die jugendliche Arbeitslose unter 30 Jahren einstellen. Der Vertrag enthält allerdings eine Probezeit von einem Jahr, in der die jungen Arbeitnehmer für die Firmen problemlos wieder entlassen werden können.
Eduardo Mediero sieht schwarz für seine Zukunft und fühlt sich machtlos. "Das Einzige, was du tun kannst, ist weiter studieren, um dich zu spezialisieren, aber auch das bringt kaum etwas. Es gibt keine Arbeit. Die Leute habe kein Geld. Da kann man nichts machen."
Von Theo Peters/dpa/son