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21.11.2012
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Suche nach Spitzenforschern

Wir wollen mehr zahlen dürfen

Von Alexandra Straush
Corbis

Geldscheine: Wie viel hätten Sie denn gern?

Wer Spitzenforscher will, muss mit Spitzengehältern locken. Bei weniger als 200.000 Euro pro Jahr lehnen manche Koryphäen ab. Doch die meisten Unis und Wissenschaftseinrichtungen dürfen gar nicht so viel zahlen. Noch. Denn bald gibt es ein neues Gesetz, berichtet das Hochschulmagazin "duz".

Wenn die Max-Planck-Gesellschaft Berufungsverhandlungen mit Spitzenforschern aus den USA oder der Schweiz führt, geht es immer häufiger um Jahresgehälter rund um die 200.000 Euro. Die kann die Forschungseinrichtung aber nicht zahlen. Denn auch mit Zulagen und beantragter Sondergenehmigung des Ministeriums, sagt Generalsekretär Dr. Ludwig Kronthaler, sei bei 150.000 Euro das Ende der Fahnenstange erreicht. "Ich erlebe es deshalb drei- bis viermal im Jahr, dass wir auch unter Ausschöpfung all unserer Möglichkeiten Forscher nicht gewinnen können." Bei anderen Spitzenkräften sei das Problem ähnlich, etwa bei Einkäufern oder IT-Experten.

Das soll sich in Zukunft ändern. Dann sollen Forschungseinrichtungen allein entscheiden, welches Personal sie sich leisten können und wollen, um im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben. Der Schlüssel zu dieser neuen Entscheidungsfreiheit ist das Wissenschaftsfreiheitsgesetz, das Ende Oktober vom Bundestag verabschiedet wurde (siehe Infokasten). Es erlaubt den Forschungseinrichtungen künftig, Gehaltszulagen aus privat erwirtschafteten Einnahmen wie Spenden oder Industriemitteln zu zahlen.

Bei den Forschungseinrichtungen wird die Reform als wichtiger Meilenstein bewertet. Schließlich haben sie nun die Möglichkeit, Spitzenkräfte auf breiter Front mit zusätzlichen Bonbons zu locken. Zuvor waren bereits der Deutsche Akademische Austauschdienst und die Alexander-von-Humboldt-Stiftung in den Geltungsbereich des Gesetzes einbezogen worden.

Die Hochschulen, die von den Neuerungen ausgeschlossen sind, reagieren entspannt. "Wenn die Forschungseinrichtungen etwas erreichen, um das auch wir kämpfen, freuen wir uns", sagt Albert Berger, Kanzler der TU München. Er liegt damit ganz auf Linie. Ziel sei von Anfang an gewesen, den Durchbruch auf Bundesebene langfristig auch in die Ländergesetze zu übertragen, sagt Dorothee Dzwonnek, Generalsekretärin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). So würden nicht nur Forschungseinrichtungen, sondern auch die Hochschulen von der Reform profitieren. Genau daran wird nun gearbeitet. So forderte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Dr. Horst Hippler, denn auch prompt die gleichen Rechte für die Hochschulen: "Das Wissenschaftsfreiheitsgesetz weist den Weg."

Bundsrechnungshof kritisiert drittmittelfinanzierte Gehaltszuschüsse

In manchen Hochschulen ist allerdings landesgesetzlich längst erlaubt, was der Bund den außeruniversitären Forschungsorganisationen erst jetzt eröffnet: So gibt es zum Beispiel an der Technischen Universität Aachen schon seit sechs Jahren die Forschungszulagen der W-Besoldung. Sie darf aus Industriemitteln Zuschüsse bis zur Höhe eines Jahresgrundgehalts bezahlen.

Ähnliche Grenzen vermisst der Bundesrechnungshof im nunmehr verabschiedeten Wissenschaftsfreiheitsgesetz genauso wie sachgerechte Vergabekriterien. Prüfungen zum Jahresbericht 2011 hätten zum Beispiel ergeben, dass allein die Behauptung eines Wissenschaftlers, er wolle sich beruflich anders orientieren, zu VerhandlungEN über Bleibezulagen geführt habe. Drittmittelfinanzierte Gehaltszuschüsse in der Forschung würden zudem falsche Anreize setzen, kritisiert der Bundesrechnungshof.

Eine weitere Befürchtung äußert Bernd Klöver, Kanzler der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg und Sprecher der Fachhochschul-Kanzler: Die ohnehin schon gut finanzierten Forschungsinstitute könnten sich zur Konkurrenz für die Fachhochschulen in der angewandten Forschung entwickeln, wenn sie nun um Mittel aus der Industrie werben. Ein Szenario, das Ludwig Kronthaler für weit hergeholt hält: "Die Max-Planck-Gesellschaft ist ihrer Mission, der Grundlagenforschung, treu. Ich sehe keine Industriekooperationen, nur weil es dadurch Zulagen gibt".

Von Alexandra Straush für das Hochschulmagazin "duz"

Forum

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insgesamt 44 Beiträge
1. Science
Louis_tick 21.11.2012
Vielleicht könnte man einmal mit Uli Hoeneß reden, wie man Sponsoren finden könnte ? Im Ernst, natürlich läßt sich nicht so viel Geld verdienen mit Wissenschaft, aber der Wert für die Gesellschaft ist außerordentlich im [...]
Vielleicht könnte man einmal mit Uli Hoeneß reden, wie man Sponsoren finden könnte ? Im Ernst, natürlich läßt sich nicht so viel Geld verdienen mit Wissenschaft, aber der Wert für die Gesellschaft ist außerordentlich im Bereich Medizin und technologischer Fortschritt im Mittelstand, was wiederum Wohlstand für alle bedeutet.
2.
Plasmabruzzler 21.11.2012
Seltsam, ich ging davon aus, dass die W3-Professur am höchsten besoldet wird - und das sind höchstens ca. 83.000 Euro pro Jahr. Wie wird die Differenz zu den im Text angegebenen 150.000 Euro finanziert? Und was erhalten [...]
Zitat von sysopCorbisWer Spitzenforscher will, muss mit Spitzengehältern locken. Bei weniger als 200.000 Euro pro Jahr lehnen manche Koryphäen ab. Doch die meisten Unis und Wissenschaftseinrichtungen dürfen gar nicht so viel zahlen. Noch. Denn bald gibt es ein neues Gesetz, berichtet das Hochschulmagazin "duz". http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/wissenschaftsfreiheitsgesetz-erlaubt-hoehere-gehaelter-fuer-spitzenforscher-a-868021.html
Seltsam, ich ging davon aus, dass die W3-Professur am höchsten besoldet wird - und das sind höchstens ca. 83.000 Euro pro Jahr. Wie wird die Differenz zu den im Text angegebenen 150.000 Euro finanziert? Und was erhalten Wissenschaftler aus dem Ausland? Eine W3-Besoldung setzt eine Verbeamtung voraus, die nur Deutsche erhalten können. Ich bin zwar der Meinung, dass die W3-Besoldung für einen Spitzenforscher Peanuts sind, aber mich würde interessieren, wo sonst Geld hergenommen wird. Dieses Geld müsste folgerichtig woanders eingespart werden. Denn mit ca. 70.000 Euro kann man ca. 1 1/2 E13-Stellen (inkl. Overhead) finanzieren.
3. Das Geld ist einfach nicht da!
strixaluco 21.11.2012
Für Luxusgehälter ist in der Wissenschaft einfach kein Geld da. Und wer nicht aus Überzeugung für die Sache forscht, sollte es in meinen Augen ohnehin lieber bleiben lassen. Wir brauchen keine vergoldeten Denkmäler, sondern, [...]
Für Luxusgehälter ist in der Wissenschaft einfach kein Geld da. Und wer nicht aus Überzeugung für die Sache forscht, sollte es in meinen Augen ohnehin lieber bleiben lassen. Wir brauchen keine vergoldeten Denkmäler, sondern, erst einmal, eine solide Grundfinanzierung. Die ist nicht gegeben. In vielen Bereichen reicht es nicht einmal mehr, um grundlegende Lehraufgaben angemessen zu erfüllen oder die Bausubstanz in einem erträglichen Zustand zu halten. Und nach welchen Maßstädben will man messen, wer die Spitzengehälter bekommt? Höher-schneller-weiter? - Dafür bekommt man sicher einen gewaltigen Berg Daten, aber großartige Erkenntnisse stecken eben nicht immer dahinter...
4.
flame81 21.11.2012
Interessant. Es ist also dem Bund und den diversen Gremien wichtiger "3-4" mehr "führende Wissenschaftler" im Jahr für je 200.000 EUR einzukaufen, als sich mal um den Nachwuchs im eigenen Land zu bemühen. [...]
Interessant. Es ist also dem Bund und den diversen Gremien wichtiger "3-4" mehr "führende Wissenschaftler" im Jahr für je 200.000 EUR einzukaufen, als sich mal um den Nachwuchs im eigenen Land zu bemühen. Wie wäre es mal mit einem Programm die ewigen Befristigen zumindest perspektibisch einzudämmen? Wie sollen so junge Wissenschaftler(innen) Familien gründen, wenn sie selten länger als ein Jahr in Lohn und Brot stehen? Elternzeit kann man gleich vergessen, die läuft nämlich mit dem Vertrag aus und entsprechend auch die Perspektiven auf eine Weiterbeschäftigung nach Geburt des Kindes. Und immer mehr sehr gut ausgebildete Nachwuchskräfte wählen nun die Flucht aus dem System: ins Ausland, in die Industrie oder gleich ganz Umschulen auf was "vernünftiges". Wieviele Taxi-fahrende Biologen gibt es wohl gerade? Aber natürlich, die Gehälter der Chefs sind erstmal wichtiger als die Arbeitsbedingungen der Untergebenen...
5. Ein Spitzenforscher...
Dumme Fragen 21.11.2012
macht aber keine Spitzenforschung mehr - jedenfalls keine, für die es mal einen Nobelpreis geben wird... Die meisten Nobelpreisträger bekommen den Preis nämlich für Arbeiten, die sie in "jungen Jahren" publiziert [...]
macht aber keine Spitzenforschung mehr - jedenfalls keine, für die es mal einen Nobelpreis geben wird... Die meisten Nobelpreisträger bekommen den Preis nämlich für Arbeiten, die sie in "jungen Jahren" publiziert haben... Und mir sind drei engagierte junge unbekannte Assistenzprofessoren allemal lieber als eine sogenannte Koryphäe... Von denen hab ich nämlich mittlerweile die Nase voll. Die ich kenne, haben (nicht immer, aber oft) schon irgendwelche Persönlichkeitsmerkmale, die eine Zusammenarbeit mit ihnen nicht ganz leicht macht. Aber das ist vermutlich der Grund, warum sie es so weit in der Wissenschaft geschafft haben. Ähnlich wie in der Politik - man muss über Leichen gehen können. Wenn es wirklich gewollt ist, in Deutschland Spitzenforschung zu betreiben: schafft einfach gaaaanz viele Stellen im sogenannten Mittelbau und schafft die 12-Jahre-Regelung ab!

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