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07.01.2013
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Titelsammlung von Wissenschaftlern

Wer hat den Längsten?

Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. - manche Titelketten lesen sich, als hätte der Besitzer einen Sprung in dr-dr-der Schallplatte. UniSPIEGEL-Kolumnistin Anna Kistner fragt sich: Sammeln Wissenschaftler vielleicht präventiv, weil sie wissen, wie schnell man heutzutage einen Doktortitel wieder los ist?

Auf der Homepage der Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Mainz lächelt uns etwa ein wissenschaftlicher Mitarbeiter als Dr. med. Dr. med. dent Dr. rer. nat. entgegen. Ob es damit nun gut ist oder der junge Arzt weitermacht mit der Titeljagd, ist nicht überliefert. Klar ist, dass er im Wettbewerb der Titelketten noch nicht vorn liegt, da gibt es zum Beispiel noch einen Prof. Dr. iur. Dr. rer. pol. Dr. h.c. LLM (Havard) an der Humboldt Universität Berlin, einen Professor Dr. iur. Dr. phil. MA, LLM (Cambridge) an der European Business School Wiesbaden oder einen Prof. Dr. Dr. Dr. med. habil. an der Ruhr Universität Bochum.

Zudem schmückt sich manch einer noch zusätzlich mit Ehrendoktorgraden und Honorarprofessuren aus Turkmenistan, Rumänien oder einem anderen Land, wo es den Titel auch schon mal nach einem Kurzbesuch an der dortigen Uni als Mitbringsel gibt. Man könnte das Angeberitis oder akademischen Schwanzvergleich nennen, aber vielleicht handelt es sich ja auch um eine Art Selbstschutz. Man weiß ja nach den Fällen Guttenberg, Koch-Mehrin oder der Stoiber-Tochter Veronica, wie schnell man heutzutage einen Titel wieder los ist. Da ist es gut, mehrere zu haben, man will ja im Falle eines nachgewiesenen Plagiatversuchs nicht ganz nackig dastehen.

Präventiv betrachtet ist es auch egal, dass ein Dr. Dr. Dr. vor dem Namen so klingt, als habe der Besitzer einen Sprung in dr dr der Schallplatte. Zumal entsprechende Studien belegen, dass ein Doktortitel den Aufstieg in Führungspositionen erleichtert und das spätere Gehalt um bis zu 25 Prozent vergrößert. Ob ein dreifacher Doktortitel mit einem Plus von 75 Prozent zu Buche schlägt, muss noch evaluiert werden.

Forum

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insgesamt 80 Beiträge
1.
doitwithsed 06.01.2013
Es gibt auch solche und solche. Selbst der Wissenschaftsrat sieht mittlerweile in einem Dr. med. oder Dr. dent. nur einen Diplomgrad, keinen "echten" Doktorgrad. Im Ausland wird der Dr. med. auch nicht äquivalent mit [...]
Es gibt auch solche und solche. Selbst der Wissenschaftsrat sieht mittlerweile in einem Dr. med. oder Dr. dent. nur einen Diplomgrad, keinen "echten" Doktorgrad. Im Ausland wird der Dr. med. auch nicht äquivalent mit einem dem Ph.D., dem "richtigen" angelsächsischen Doktorgrad, gesehen, sonden entspricht eher den M.D. (Medical Doctor), der nach Studienabschluß quasi automatisch vergeben wird. Bleibt noch hinzufügen, das ein mehrfacher Doktorgrad eigentlich mit Dr. mult. angebeben wird und nicht mit einer Dr.-Stotterkaskade. Charme hat auch die Methode unseres südlichen Nachbarn, die in diesem Fall pro Grad jeweils ein D anhängen. DDr. ist daher nicht unbedingt eine ehemaliger Staat und wer es arg dolle treibt, kommt vielleicht dort sogar auf einen DDDDr.
2.
malox 06.01.2013
"Sammeln Wissenschaftler vielleicht präventiv, weil sie wissen, wie schnell man heutzutage einen Doktortitel wieder los ist?" Was soll denn diese alberne (wenn auch rhetorische) Frage? Natürlich klingen diese [...]
"Sammeln Wissenschaftler vielleicht präventiv, weil sie wissen, wie schnell man heutzutage einen Doktortitel wieder los ist?" Was soll denn diese alberne (wenn auch rhetorische) Frage? Natürlich klingen diese Prof.-Dr.-irgendwas-Ketten etwas überzogen, aber deswegen Leuten, die offenbar etwas geschafft haben, Betrug zu unterstellen, ist schlicht Frechheit. Ich habe großen Respekt vor Leuten, die überhaupt einen Titel dieser Art geschafft haben - ein Freund (Bereich Mathematik/Informatik) hat sich dafür jahrelang sehr intensiv mit einer Thematik auseinandergesetzt und extrem viel gearbeitet. Ich dagegen habe überhaupt nur grob verstanden, um was es überhaupt geht. Die allermeisten dieser Leute haben sich den Titel hart erarbeitet. Was soll dieses Bashing? Ist das Neid?
3. Wenig Ahnung
norwood1969 06.01.2013
Der Autor hat wenig Ahnung vom Wissenschaftsbetrieb. Wenn ein Dr. habilitiert, sich also für eine Universitätsprofessur qualifiziert, darf/durfte er entsprechend der Habilitationsordnungen bzw. der Landeshochschulgesetze zB den [...]
Der Autor hat wenig Ahnung vom Wissenschaftsbetrieb. Wenn ein Dr. habilitiert, sich also für eine Universitätsprofessur qualifiziert, darf/durfte er entsprechend der Habilitationsordnungen bzw. der Landeshochschulgesetze zB den akademischen Grad Dr. med. habil tragen. So kommt man dann schonmal auf zwei Doktor-"Titel". Dr. med. Dr. med. habil. Manchmal wird das "habil." auch an den ersten Doktorgrad angehängt. Ein Ehrendoktor einer renommierten Universität (Dr. h.c.) ist eine hohe Auszeichnung im akademischen Betrieb. Sie werden von deutschen Hochschulen eher selten vergeben. Meist an verdiente Wissenschaftler, die in ihrem Fachgebiet ein hohes Ansehen (und meist ein hohes Alter) haben und sich jahrzehnte lang durch Publikationen einen Namen gemacht haben. So kommt es dann zu einem dritten Doktorgrad, dem Dr. h.c. oder Dr. e.h. Dann waren es schon drei: Dr. med. Dr. med. habil Dr. med h.c. Nun können sehr anerkannte Wissenschaftler auch mehrere Ehrendoktorate erhalten haben und damit ihre Titelsammlung anreichern. Oftmals schreibt man dann aber Dres. h.c. oder Dr. h.c. mult. Dies sind alles Konventionen in der Wissenschaft und zeigen Anerkennung für die Leistung eines Wissenschaftlers. Das hat nicht mit "Schwanzvergleich " zu tun (wie ich finde ist ein solcher Gossenjargon bei SPON eigentlich überflüssig). Wer den Verdinstorden der Bundesrepubil Deutschland erhalten hat, trägt ja auch oft die Miniatur ständig am Revers. Warum sollte ein Wissenschaftler seine Doktorate verschweigen? Es gibt natürlich auch Wissenschaftler die zweimal promoviert haben oder sogar dreimal. Vielleicht kann man denen auch einfach Freude am wissenschaftlichen Arbeiten unterstellen oder ein besonderes Interesse in mehreren Gebieten. Natürlich gibt es auch solche Doktoren, die Titel zweifelhafter Universitäten führen oder sich von diesen Ehrendoktorate erteilen lassen. Dies ist durch die EU-weite Anerkennung von Abschlüssen und Graden deutlich einfacher geworden als früher, als solche Titel noch nostrifiziert werden mussten. Nun können sich doch einige Titelträger mit zweifelhaften Doktoraten vornehmlich aus dem osteuropäischen Raum schmücken. Dies ist aber ein EU-Problem. Insgesamt könnte man vor der Lebensleistung eines Professors mit mehreren Ehrendoktoraten ebenso Respekt haben, wie vor einem Handwerks-Meister, der die goldene Ehrennadel der IHK erhalten hat.
4. Nicht besser
ditor 06.01.2013
Was soll denn diese alberne (wenn auch rhetorische) Frage?
Zitat von malox"Sammeln Wissenschaftler vielleicht präventiv, weil sie wissen, wie schnell man heutzutage einen Doktortitel wieder los ist?" Was soll denn diese alberne (wenn auch rhetorische) Frage? [...] Ist das Neid?
Was soll denn diese alberne (wenn auch rhetorische) Frage?
5. Leben außerhalb des Wissenschaftsbetriebes
catcargerry 06.01.2013
Der Handwerksmeister wird die Ehrennadel nicht von von der IHK (Industrie- und Handelskammer) sondern von der HWK (Handwerkskammer) erhalten. Außerdem finde ich den Artikel für SPON-Verhältnisse sehr ordentlich recherchiert [...]
Zitat von norwood1969... Insgesamt könnte man vor der Lebensleistung eines Professors mit mehreren Ehrendoktoraten ebenso Respekt haben, wie vor einem Handwerks-Meister, der die goldene Ehrennadel der IHK erhalten hat.
Der Handwerksmeister wird die Ehrennadel nicht von von der IHK (Industrie- und Handelskammer) sondern von der HWK (Handwerkskammer) erhalten. Außerdem finde ich den Artikel für SPON-Verhältnisse sehr ordentlich recherchiert und redigiert. Dass das Forum so sachlich bleibt, wenn die übliche Klientel den Hintern aus dem Bett bekommen hat, bezweifele ich aber.

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