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17.12.2012
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Streit um Verdienst von Professoren

Belohnt die Fleißigen, nicht die Alten

Von Karl-Dieter Grüske
DPA

Professor vor Studenten (Archiv): Wie viel Euro sind angemessen?

Mehr Jahre, mehr Geld: Viele Bundesländer bezahlen ihre Hochschullehrer ab kommendem Jahr wieder nach Alter, die Leistungszulagen schrumpfen. Ein fataler Fehler, findet Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske. Im Hochschulmagazin "duz" skizziert er, welcher Schaden durch die Reformen droht. Ein Szenario.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 14. Februar 2012 schlägt hohe Wellen. Seitdem das BVerfG einem Klage führenden Chemieprofessor aus Hessen Recht gab, muss nicht nur Hessen das Grundgehalt von W2-Professoren und - in der Folge auch - von W3-Professoren erhöhen: Auch in anderen Bundesländern wurde - aufgrund der vergleichbaren Rechtsgrundlagen - "Reformbedarf" identifiziert. In Windeseile erarbeiteten die Landesregierungen Novellen mit dem Ziel, sie zum 1. Januar 2013 in Kraft treten zu lassen.

In Bayern ist der Gesetzesentwurf bereits vom Landtag verabschiedet worden. Zum 1. Januar 2013 treten die Neuerungen in Kraft. Sie laufen faktisch auf die Abkehr von einem Prinzip hinaus, das im Jahr 2005 eingeführt wurde: In Zeiten des internationalen Wettbewerbs um die besten Köpfe sollte Alter nicht mehr automatisch als Verdienst gelten. Die dienstalterabhängige C-Besoldung wurde also abgeschafft. Zählen sollte stattdessen Leistung in Lehre und Forschung - ein Prinzip mit Folgen, die nicht allen gefallen. An seiner Richtigkeit ändert das nichts.

Doch mit Jahresbeginn wird nun das Grundgehalt von W2- und W3-Professoren erhöht, während die Leistungszulagen im Gegenzug gekürzt beziehungsweise verrechnet werden. Jene Zulagen also, die Universitäten einem Professor im Rahmen der Berufungsverhandlungen oder über Zielvereinbarungen zusagen können und die eben an besondere Leistungen oder an die Exzellenz des zu berufenden Wissenschaftlers geknüpft sein können. Mit der Neuregelung ändert sich für die meisten bereits im Amt befindlichen Wissenschaftler zunächst also nur die Gewichtung der Anteile - nicht das Gesamtgehalt. Monetäre Leistungsanreize für Neuberufene fallen kleiner aus, denn der Vergaberahmen für die Professorenbesoldung, den eine Universität zur Verfügung hat, ändert sich kaum.

Zwar erhalten die bayerischen Universitäten zum Januar für jede besetzte Stelle rund 3500 Euro mehr per annum - doch das ist ein Tropfen auf einen heißen Stein, denn die Kompensation dient vor allem den partiellen Erhöhungen von Gehältern von Professoren, die bisher nur geringe Leistungszulagen hatten. Zugleich hat Bayern, wie auch einige andere Länder, beschlossen, ein System von "Erfahrungsstufen" einzuführen - wieder einzuführen, muss man eigentlich sagen. Im Grunde handelt es sich um eine Rolle rückwärts, denn die altersabhängige Vergütung wird über die Erfahrungsstufen wieder etabliert.

In den USA, der Schweiz und in Großbritannien verdienen Professoren mehr

Dass die Spielräume für Leistungszulagen mit der Einführung von Altersstufen bei gegebenem Vergaberahmen eingeschränkt werden, ist vor allem mit Blick auf die Berufung neuer Professoren fatal. Der ursprüngliche Wechsel von einem altersabhängigen zu einem leistungsorientierten Besoldungssystem hatte und hat Gründe: Um unseren Studierenden bestmögliche Zukunftschancen zu eröffnen, müssen wir ihnen exzellente Professoren bieten, die in Lehre und Forschung zu den Besten des Landes gehören - oder besser noch: zur internationalen Elite.

Die Grundidee bleibt richtig. War deren Umsetzung wegen der begrenzten Mittel schon in der Vergangenheit schwierig, erscheint das künftig schier unmöglich. Top-Wissenschaftler verdienen im Ausland, vornehmlich an den renommierten Universitäten in den USA, in Großbritannien oder der Schweiz, häufig ein Vielfaches von dem, was sie an einer deutschen Universität erwartet. Was also sollte einen internationalen Star nach Deutschland locken? Dabei geht es nicht darum, einen Minderwertigkeitskomplex zu befördern, sondern darum, einen realistischen Blick auf eine Universitätslandschaft zu behalten, wie sie sich in der Außenperspektive darstellt.

Wie locken wir Spitzenforscher an unsere Hochschulen?

Fest steht: Hohe Gehälter können es nicht sein, die internationale Spitzenkräfte an unsere Universitäten ziehen. Wenn also schon nicht auf dem internationalen Parkett - wo sonst wäre wohl ein geeignetes Terrain, um exzellentes Personal für unsere Universitäten zu rekrutieren? Der Blick fällt auf die Wirtschaft: Gezieltes Headhunting scheint unumgänglich, und das in Konkurrenz zu professionellen Personalberatern, die mit der nächsten hochdotierten Manager-Position winken.

Jede Führungskraft aus der Industrie kann nur ungläubig staunen, wenn sie einen Blick auf eine universitäre Besoldungstabelle wirft - und sofern ein Kandidat nicht besondere oder persönliche Gründe hat, den Schritt aus der Industrie an eine Universität zu machen, ist unser Werben in der Regel vergeblich. Dieses Missverhältnis schien sich seinerzeit mit Einführung der W-Besoldung zumindest ein wenig abzumildern. Den Universitäten blieb bei einem, zugegeben (zu) geringen Grundgehalt ein gewisser Spielraum, einem Wunschkandidaten entgegenzukommen. Das ist nicht nur rein finanziell von Bedeutung, sondern vermittelt auch eine individuelle Wertschätzung, die einem Kandidaten zeigt: Hier bin ich erwünscht.

Genau das ist weitgehend vorbei. Mit der neuen Regelung stehen wir, genau genommen, beinahe wieder da, wo wir vor 2005 schon einmal waren. Alter geht vor Leistung. Das kleine Plus beim Grundgehalt fließt von der rechten in die linke Tasche.

Kein Wunder also, dass der Senat der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) die Gesetzentwürfe bereits kurz nach Beschluss scharf kritisierte: Ein Vergaberahmen, wie er in etlichen Landesgesetzen immer noch existiert, sei nicht mehr zu rechtfertigen, weil damit die Spielräume für eine flexible Personalpolitik an den Hochschulen praktisch verstellt würden, erklärte die HRK Ende Oktober. Dies ist nur zu unterstreichen.

Mehr noch: Da in der Folge des Februar-Urteils verschiedene Bundesländer ganz unterschiedliche Wege beschritten haben, um den "Reformbedarf" umzusetzen, ist hier ein gesetzlicher Flickenteppich entstanden, der selbst innerhalb Deutschlands die Mobilität von Wissenschaftlern erheblich erschwert: Wem steht wann in welchem Bundesland welches Gehalt, welche Zulage, welche Erfahrungsstufe zu? Eine Frage, die angesichts des neuen heterogenen Systems in Berufungsverfahren unzulässig viel Raum einnehmen wird - von komplizierten Sonderfällen ganz abgesehen, die erheblichen bürokratischen Aufwand verursachen dürften.

Dabei sind die Universitäten bereits jetzt mit den regulären Fällen vollauf ausgelastet. Was sind die Konsequenzen? Wir bleiben die Verlierer im internationalen Wettbewerb. Die besten Köpfe bleiben im Ausland oder ziehen weiter in Richtung Industrie. Und an den Universitäten öffnet sich die Gehaltsschere in der Professorenschaft weiter, weil jede von ihnen den letzten Cent aufbieten wird, um zumindest die eine Kandidatin oder den einen Kandidaten zu holen, die oder der ganz oben auf der Wunschliste steht - notgedrungen zu Lasten von Leistungszulagen, die ansonsten für andere Professoren zur Verfügung gestanden hätten. Was das bedeutet, dürfte klar sein: Wir werden, vielleicht (!), einige Leuchttürme da und dort finanzieren können - aber die Qualität in der Breite leidet.

In Zeiten des internationalen Wettbewerbs sollte Leistung zählen

Besonders hart trifft die neue Regelung unsere Chancen, geeignete Kandidaten aus der Wirtschaft abzuwerben. Die Eingruppierung in eine bestimmte Erfahrungsstufe setzt nicht etwa Berufserfahrung generell voraus, sondern berücksichtigt nur Professorenzeiten, immerhin auch an ausländischen Hochschulen - aber eben nicht außerhalb des "Systems". Man stelle sich vor, wie wir in einem Berufungsverfahren einem Top-Manager aus der Wirtschaft mit 15 Berufsjahren erklären wollen, dass er an der Universität wie ein Berufsanfänger mit Erfahrungsstufe eins eingruppiert wird.

Und so bleibt nur zu hoffen, dass sich hier die Windrichtung noch einmal ändert, wenn man etwa das jüngste Rechtsgutachten der beiden Professoren Dr. Ulrich Battis und Dr. Klaus Joachim Grigoleit zugrunde legt, nach dem einzelne Regelungen in den Gesetzesentwürfen der Länder verfassungswidrig sind. Dies gilt vor allem für die vorgesehene Kürzung der Leistungsbezüge, die die betroffenen Professuren ohne hinreichende Rechtfertigung benachteiligt, aber auch für die Erfahrungsstufen, die den Anforderungen des BVerfG an die Systemgerechtigkeit der Ausgestaltung verfassungsrechtlicher Leistungsansprüche widerspricht.

Dazu kommt die mittelbare Altersdiskriminierung, da nach dem Gutachten der Gesetzgeber letztlich nicht auf die Honorierung von Leistungszuwachs, sondern auf die Absenkung der Besoldung jüngerer Hochschullehrer abzielt. Das eigentliche Problem der unzureichenden Besoldung von W1-Professuren wird im Übrigen vom Gesetzgeber völlig ignoriert.

Eines ist aus meiner Sicht nicht verhandelbar: Das Leistungsprinzip darf nicht ausgehebelt werden. Und es muss - zumindest bis zu einem gewissen Grad - im eigenen Ermessen jeder Universität liegen, wie sie Exzellenz in Forschung und Lehre oder in der Einwerbung von Drittmitteln besonders honoriert, um Anreize zu setzen. Nur so können wir im internationalen Wettbewerb der Spitzenforschung mithalten und nur so können wir unseren Studierenden bieten, was sie zu Recht von uns erwarten: international wettbewerbsfähige Universitäten, die aus ihnen international wettbewerbsfähige Akademiker machen.

Von Karl-Dieter Grüske für das Hochschulmagazin "duz"

Bundesweit schaffen Ministerien und Landtage Fakten. Eine Kurzübersicht zu den geplanten und bereits beschlossenen Reformen bei der W-Besoldung, recherchiert und zusammengestellt von "duz"-Redakteur Benjamin Haerdle:

Wie Professoren bezahlt werden

Bundesland Grundgehalt
bisher (in Euro)
Grundgehalt
neu (in Euro)
Geplante Änderungen**
Baden-Württemberg W1: 3988,35
W2: 4650,68
W3: 5612,29
W1: 3988,35 W2- und W3-Grundgehälter sollen angehoben werden. Die genauen Eckpunkte sind offen. Das Gesetz soll rückwirkend zum 1. Januar in Kraft treten.
Bayern W1: 3889,20
W2: 4500,60
W3: 5366,75
W1: 3947,54
W2: 4900,00*
W3: 5800,00*
Bayern führt drei Erfahrungsstufen für W2- und W3-Professoren ein. Leistungszulagen bleiben erhalten, werden aber verrechnet. Das Gesetz gilt ab dem 1. Januar.
Berlin W1: 3596,06
W2: 4107,90
W3: 4988,16
Auf Fachebene gibt es einen Gesetzentwurf, der derzeit zwischen den Senatsressorts abgestimmt wird. Federführend ist der Senator für Inneres.
Brandenburg W1: 3764,92
W2: 4295,30
W3: 5207,46
W1: 3764,92
W2: 4295,30
W3: 5207,46
Der Gesetzentwurf liegt vor und ist in der Ressortabstimmung. W2- und W3-Professoren sollen künftig gesicherte Mindestleistungszulagen von 644,30 Euro erhalten.
Bremen W1: 3816,31
W2: 4354,02
W3: 5278,75
W1: 3816,31
W2: 4354,02
W3: 5278,75
W2- und W3-Professoren sollen feste Leistungsbezüge von voraussichtlich 600 Euro bekommen. Das Gesetz soll rückwirkend zum 1. Januar in Kraft treten.
Hamburg W1: 3869,08
W2: 4401,56
W3: 5317,32
W1:3869,08 Ein Modellentwurf liegt vor. Danach wird sich die Höhe des W2-Gehalts an A15 (Erfahrungsstufe 4) ausrichten. Das sind 4993,93 Euro. W3 soll entsprechend angepasst werden.
Hessen W1: 3807,40
W2: 4349,32
W3: 5281,32
W1: 3807,40
W2: 4780,00*
W3: 5300,00*
Hessen will jeweils fünfjährige Erfahrungsstufen für W2 und W3 einführen und flexible Leistungszulagen beibehalten. Gelten soll die Novelle ab dem 1. Januar.
Mecklenburg-Vorp. W1: 3816,31
W2: 4354,02
W3: 5278,75
W1: 3816,31
W2: 4354,02
W3: 5278,75
Eckpunktepapier liegt vor. Demnach bleiben Grundgehälter gleich. Für W2 und W3 soll es garantierte Leistungsbezüge von 600 Euro geben. Entwurf ist für das Frühjahr geplant.
Niedersachsen W1: 3819,99
W2: 4358,20
W3: 5283,84
Niedersachsen verschiebt die Planung der Gesetzesnovelle auf die Zeit nach den Landtagswahlen. Sie findet am 20. Januarstatt.
Nordrhein-Westfalen W1: 3816,31
W2: 4354,02
W3: 5278,75
W1: 3816,31
W2: 5044,02
W3: 5578,75
Kabinett beschloss höhere Grundgehälter für W2 (plus 690 Euro) und W3 (plus 300 Euro) und deren Finanzierung durchs Land. Landtagbeschluss steht aus. Leistungsbezüge bleiben.
Rheinland-Pfalz W1: 3978,21
W2: 4606,63
W3: 5496,94
Ein Gesetzesentwurf ist in Arbeit. Der Ministerrat berät darüber frühestens Ende Januar. Das Gesetz könnte auch rückwirkend zum 1. Januar gelten.
Saarland W1: 3833,15
W2: 4362,92
W3: 5273,99
Eine Reform der W-Besoldung ist geplant. Die Eckpunkte werden noch regierungsintern abgestimmt. Federführend ist das Innenministerium.
Sachsen W1: 3837,86
W2: 4375,58
W3: 5300,31
W1:3837,86*
W2:4704,73*
W3:5300,31*
Der Freistaat will fünfjährige professorale Erfahrungsstufen für W2/W3 und ein gestuftes W1-Grundgehalt einführen. Flexible Leistungszulagen bleiben. Übergangsregelung ab 1. Januar.
Sachsen-Anhalt W1: 3837,86
W2: 4375,58
W3: 5300,31
W1: 3837,86 Im ersten Quartal will der Landtag über den Entwurf beraten. Grundgehalt W2 soll sich an Stufe 5 von A15 orientieren, W3 an Stufe 5 von A16. Bei W2 wären das 5049,68 Euro.
Schleswig-Holstein W1: 3830,36
W2: 4367,02
W3: 5289,94
W1: 3830,36
W2: 5022,07
W3: 5686,69
W1 bleibt unverändert. W2 steigt um 15, W3 um 7,5 Prozent. Leistungszulagen bleiben flexibel, werden aber zum Teil verrechnet. Das Gesetz soll ab dem 1. Januar gelten.
Thüringen W1: 3894,55
W2: 4423,04
W3: 5344,33
Gespräche zwischen Finanz- und Wissenschaftsministerium sind bereits fortgeschritten. Details sind keine bekannt. Das Gesetz wird für das 2. Quartal erwartet.

*jeweils Einstiegsstufen; **Stand: 7.Dezember;
Quellen: Ministerien der Länder

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insgesamt 55 Beiträge
1. Mittelbau
Schroffenstein 17.12.2012
Wenn wir darüber sprechen, dass hochqualifizierte AnwärterInnen aus dem Ausland oder der Wirtschaft abgeworben werden müssen, stellt sich schon auch die Frage, warum die Universitäten ihren Nachwuchs nicht selber ausbilden. [...]
Wenn wir darüber sprechen, dass hochqualifizierte AnwärterInnen aus dem Ausland oder der Wirtschaft abgeworben werden müssen, stellt sich schon auch die Frage, warum die Universitäten ihren Nachwuchs nicht selber ausbilden. Das Problem beginnt für mich bereits im katastrophalen Zustand des Mittelbaus. Nicht nur verschieben sich aufgrund schmaler Budgets viele Stellen entweder in Richtung Juniorprofessur, oder Aufgaben werden an studentische Mittarbeiter abgegeben, auch sind Arbeitsanforderungen und Besoldung nicht gerade eine Werbebroschüre für eine Universitäre Laufbahn. Verträge werden meist nur für ein Jahr abgeschlossen und mit einer halben Stelle im TVL13, kann man sein Lebensunterhalt bestreiten - mehr aber auch nicht. Kein Wunder also, dass sich viele Absolventen (BA, MA wie Dr) für die Wirtschaft, oder eine wissenschaftliche Kariere im Ausland entscheiden.
2. Äpfel und Birnen
querollo 17.12.2012
Interessante Vergleiche, die hier angestellt werden. Die Besoldungs-Regeln, die Sie hier vorstellen, gelten für JEDE staatliche Uni im Land und für jeden Hochschullehrer mag er sich mit der Geschichte der Höhlenmalerei [...]
Interessante Vergleiche, die hier angestellt werden. Die Besoldungs-Regeln, die Sie hier vorstellen, gelten für JEDE staatliche Uni im Land und für jeden Hochschullehrer mag er sich mit der Geschichte der Höhlenmalerei befassen oder mit Jura. Dem setzen Sie als Vergleich die Gehälter von "Top-Professoren" in "Top-Universitäten" in den USA oder England entgegen, ohne dabei zu erwähnen, dass es sich hier um Privatinstitutionen handelt, die horrende Studiengebühren verlangen und dass auch dort Top-Verdienste auf wenige Forschungsfelder reduziert sind. Sie vergleichen die dortigen zeitlich befristet tätigen Lehrer, die private Vorsorge treffen müssen und deren Bezüge im Zweifel über Dekaden gestreckt werden müssen, mit Beamten, die bis an ihr Lebensende abgesichtert, ihr angeblich so bescheidenes Gehalt beziehen. Dasselbe trifft auf Ihren Vergleich mit Managern aus der Wirtschaft zu, den ich hier am kühnsten finde. Hier vergleichen Sie Leute, die - im besten Fall - einen nachprüfbaren wirtschaftlichen Erfolg erwirtschaften, aus dem heraus sie sich so zu sagen selbst finanzieren, mit Lehrern, deren Bedeutung zwar unbestritten, deren Eigenfinanzierung so aber nicht möglich ist. Wenn man dann noch bedenkt, dass die Arbeitszeiten von W3 besoldeten Professoren in der Wirtschaft nicht einmal als Halbtagsjob durchgingen, sind die Vergleiche, die hier angestellt werden, gleich gänzlich obsolet. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen: Wenn es in den USA und in der Wirtschaft so kommod ist, was macht der Autor dann noch an einer für ihn so piffeligen deutschen Hochschule? Ich ahne die Antwort: Top-Leute auf Top-Unis müssten schon ein bisschen mehr vorlegen.
3. Am Problem vorbei
strixaluco 17.12.2012
Das tatsächliche Problem für die Mitarbeiter von Unis, nicht nur Professoren, sehe ich nicht in der Gehaltsstruktur, sondern in den allgemein miserablen Arbeitsbedingungen - Stichwort Familienfeindlichkeit, massive Baumängel [...]
Das tatsächliche Problem für die Mitarbeiter von Unis, nicht nur Professoren, sehe ich nicht in der Gehaltsstruktur, sondern in den allgemein miserablen Arbeitsbedingungen - Stichwort Familienfeindlichkeit, massive Baumängel der Gebäude, schlampiger Umgang mit Sicherheitsvorschriften, ausufernde Arbeitszeiten, Stress durch aufgezwungenen Konkurrenzdruck, Bürokratieüberflutung, Wettbewerb um die Fassade statt um den Inhalt, ... Die Talente, die die Uni oder das Land verlassen, tun das meist nicht wegen des Gehalts, sondern wegen der teils untragbaren Zustände. - Wenn man Unimitarbeitern die Chance gäbe, ein ganz normales Leben mit einer ganz normalen Familie zu haben, hätte man mehr Chancen, gute Leute zu bekommen. Der Gehaltswettbewerb geht weitgehend am Ziel vorbei. Wer nur Schmerzensgeld will, wird ohnehin keine dicken Bretter bohren. Im übrigen ist kein Geld da. Wenn die Professoren noch mehr bekommen - deren Gehälter sind für alle anderen Luxus - reicht's für den Rest nicht mal mehr fürs Essen, dann müsste man nämlich viele Stellen streichen. Das kann bei der derzeitigen Studentenschwemmme nicht Sinn der Sache sein.
4. Alles beim Alten
Zaphod 17.12.2012
Welchen Sinn macht es denn bitte, Professoren aus der Wirtschaft zu rekrutieren. Die Studenten lernen dann doch nur das, was bislang auch State-of-the-Art ist. Sie werden nicht mit neuen Ideen konfrontiert, sondern lernen [...]
Welchen Sinn macht es denn bitte, Professoren aus der Wirtschaft zu rekrutieren. Die Studenten lernen dann doch nur das, was bislang auch State-of-the-Art ist. Sie werden nicht mit neuen Ideen konfrontiert, sondern lernen lediglich das, was "die Wirtschaft" von ihnen erwartet. Leider entspricht die Erwartungshaltung der Wirtschaft nicht immer - oder fast nie - der Erwartungshaltung eines aufgeklärten, moralisch integeren Menschen. Wenn wir also einen Wertewandel in der Wirtschaft wollen, so müssen wir die Studenten gerade nicht von Praktikern ausbilden lassen, sondern von visonären Theoretikern, die neue Konzepte entwerfen und die Studenten für neue Ideen begeistern. Oder glaubt jemand, die Studenten könnten wirklich etwas wünschenswertes von den aktuellen und ehemaligen Vorständen der Deutschen Bank lernen?
5. Er muss es ja verteidigen
georoli 17.12.2012
Das Grundübel fängt doch viel früher an. Während die C-Besoldungen nach dem Krieg durchaus noch sehr attraktiv waren und die Freiheiten an der Ordinarienuniversität attraktiv, hat man durch demokratische Regeln die [...]
Das Grundübel fängt doch viel früher an. Während die C-Besoldungen nach dem Krieg durchaus noch sehr attraktiv waren und die Freiheiten an der Ordinarienuniversität attraktiv, hat man durch demokratische Regeln die Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung begrenzt und gleichzeitig durch Jahrzehnte einer verfehlten Sparpolitik, die die Grundeinkommen wesentlich weniger steigerte als in der Industrie, dazu beigetragen eine absolut unattraktive Bezahlung zu schaffen. Dadurch fehlen jetzt beide Motivationsfaktoren die Freiheit und die Absicherung. Die W-Besoldung war von vorne herein nur ein Trick, um bei gleichbleibenden Belastungen der öffentlichen Haushalte dem Nachwuchs durch Taschenspielertricks ein höheres Gehalt vorzugaukeln. Statt weiter ein Gehalt zu bekommen wurde ein Teil desselben auf Leistungsbezug umgewidmet, das man nur noch bekommt wenn man besonders gut ist. Das parallel mit der W-Besoldung auch die Zeitverträge massiv ausgeweitet wurden, weil ja nur ein Zeitvertrag sichert, dass man auch wirklich als fauler Apfel entfernt werden kann, sorgt zusätzlich für 2 prekäre Situationen: 1. massive Mobilität und fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf 2. Da nach 12 Jahren Unkündbarkeit droht werden die Forscher von der Uni-Verwaltung garantiert nicht verlängert egal wie toll ihre Spitzenforschung ist. Das Ganze wurde schon vielfach beschrieben, geändert hat sich an den Zuständen nichts. Ich bin froh um das Gerichtsurteil, weil endlich einmal wieder die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers in den Vordergrund gestellt wird. Zitat aus Wikipedia: "Die Entlohnung ist in der Besoldungsordnung W in der Regel niedriger als in der früheren Besoldungsordnung C. Die Grundgehälter sind bei W im Gegensatz zu C altersunabhängig und können bei W 2 und W 3 um Zulagen erhöht werden, die aber nur zu maximal 40 % des Grundgehaltssatzes ruhegehaltfähig sind. ..." Unter dem Strich werden also die Professoren durch W schlechter entlohnt und haben Abzüge bei der Rente => Wie soll so etwas Spitzenforscher animieren? Wir bekommen doch nur noch die Idealisten in diese Stellen. Aber an die Wurzel des Übels traut sich Prof. Dr. Grüske nicht heran: Dass der Staat für die akademische Lehre in den nächsten Jahren wesentlich mehr Gelder bereitstellen muss. Wenn man mal in Österreich die Universiätsgebäude anschaut und mit Deutschland vergleicht, dann wird einem klar, dass unsere Universitäten an vielen Stellen finanziell unterversorgt sind. NB: Ich arbeite in der Industrie!

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Karl-Dieter Grüske ist Präsident der Universität Erlangen-Nürnberg und Vizepräsident der Rektorenkonferenz. Geboren 1946 in Erlangen, promovierte und habilitierte er an der Uni Erlangen-Nürnberg. Nach Forschungsaufenthalten in Indonesien, dem Jemen und in den USA lehrte der Volkswirtschaftler in Bonn und Hamburg. 1991 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, wurde Professor für Volkswirtschaftslehre. Die Universität führt er seit 2002. Karl-Dieter Grüske engagiert sich in akademischen Gremien und der Politikberatung. In der Hochschulrektorenkonferenz ist er Vizepräsident für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Beziehungen zur Wirtschaft.

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