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24.07.2007
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Barbaras letztes Jahr

Mamma mia, es ist vollbracht!

Italien kann wahre Wunder bewirken. Für Examenskandidatin Barbara Domschky brachte Sardinien die Rettung: Mit Bücherstapeln und Laptop reiste sie ans Meer. Die Diplomarbeit schrieb sich trotzdem nicht von selbst - Dolce Vita sieht anders aus.

Italia - Amore mio! Die Liebe zu Italien ist uns Deutschen wohl in die Wiege gelegt. Wie wahrscheinlich die Hälfte aller mittel- und nordeuropäischen Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren, so verlor auch ich einmal mein Herz an einen tiefschwarz Gelockten - auf dem Sozius einer Vespa inmitten des nächtlichen Verkehrsgetümmels in Rom. Die Vespa stellte sich als Diebesgut heraus, und auch die herrlichste Lockenpracht kann auf Dauer nicht über offensichtliche Mängel hinwegtäuschen, und so kehrte ich enttäuscht in die Heimat zurück.

Aber die Liebe geht ja bekanntlich seltsame Wege, und so führte sie mich jetzt, kurz vor der Abgabe meiner Diplomarbeit, in ein Flugzeug nach Sardinien, um zwischen Meer und Pinienwäldern die bisher schwierigste Phase meines Lebens abzuschließen. Ich hatte die Anwesenheit der anderen hysterischen Diplomierenden einfach nicht mehr ausgehalten und mich kurzentschlossen bei guten Freunden meiner Mutter in einem kleinen Ort am Meer einquartiert.

Mario, mittlerweile um die 70, konnte noch nicht mal einen der drei mitgebrachten Koffer schleppen, und Rita schlug beim Anblick der vielen Bücher die Hände über dem Kopf zusammen. Ich bezog das Arbeitszimmer mit Meerblick und okkupierte den Schreibtisch mit Arbeitsmaterialien und meinem Laptop.

Selbst die Rescue-Tropfen halfen nicht

Mit drei Hauptmahlzeiten, diversen Snacks im Zwei-Stunden-Takt und allgemein verordneter Mittagsruhe über mehrere Stunden konnte ich nicht behaupten, mich zu überarbeiten. Angesichts selbstgemachter Tortelloni und Wellenrauschen schienen sich die politischen Probleme Israels auf groteske Art und Weise verflüchtigt zu haben. Nach einer Woche wachte ich aus meinem "Dolce Vita"-Traum auf, und mir wurde bewusst, wie wenig Zeit mir noch bis zum Abgabetermin blieb.

Die Diplomarbeit war irgendwo zwischen Hauptteil und Zusammenfassung der Forschungsergebnisse steckengeblieben, doch von Ergebnissen konnte keine Rede sein. Noch in derselben Nacht arbeitete ich durch bis zum frühen Morgen, und erst als sich Mario um 5.30 Uhr an die Gartenbewässerung machte, legte ich mich erschöpft ins Bett. In den nächsten drei Wochen ließ ich mich nur noch zum Mittagessen blicken, verabschiedete mich nach einer halben Stunde wieder und verschwand erneut im Arbeitszimmer.

Meinem Prof hatte ich nichts von meinem Ortswechsel erzählt, überhaupt war ich davon überzeugt, bis zum Ende der Arbeit nicht mehr auf meinen Diplom-Vater angewiesen zu sein. Nachdem ich mich aber mehrere Tage mit demselben Problem befasst hatte, mir weder der Selbstgebrannte von Marios Bruder Antonio noch Dr. Bachs "Rescue-Tropfen" ("im Akutfall vier Tropfen pro Minute, bis Besserung eintritt") die Angst vor einem bevorstehenden Nervenzusammenbruch nehmen konnten, rief ich ihn schließlich verzweifelt und beschämt an. Ich stammelte etwas von "Tapetenwechsel", doch er merkte schnell, dass ich ziemlich fertig war, und kam gleich auf den Punkt: "Wo genau liegt Ihr Problem?"

Sizilien soll auch sehr schön sein

Ich hätte fast losgeheult und erzählte ihm von meiner furchtbaren Erkenntnis, dass die vermuteten Ergebnisse nun nicht eingetroffen seien und meine Arbeit sich damit in eine völlig andere Richtung entwickelt hätte. Zu meinem Erstaunen zeigte er sich schon fast verständnisvoll. "Das mediterrane Klima kann ja manchmal wahre Wunder bewirken!" Er versicherte, dass man im Laufe jeder wissenschaftlichen Forschung zu anderen Ergebnissen kommen könne als geplant. "Hypothesen sind dazu da, irgendwann von irgendwem als falsch erkannt zu werden!"

Sein Zuspruch beruhigte mich erst einmal. Ich gönnte mir einen Nachmittag am Strand und eine große Portion Eis. Gestärkt befolgte ich den Rat meines Professors und stellte sowohl die Einleitung als auch mein Fazit im Hinblick auf die neuen Erkenntnisse um.

Auf dem Weg bis zur Abgabe lagen noch ein gecancelter Flug, der verzweifelte Anruf bei meiner Hausärztin, die sich glücklicherweise zu einer einwöchigen Krankschreibung überreden ließ, und die selbstlose Hilfe meiner Mitbewohnerinnen, die mir mit letztem Korrekturlesen, Ausdrucken und Bindenlassen der Arbeit insgesamt drei Tage und Nächte opferten.

Wenn alles gutgeht, werde ich in naher Zukunft, nach überstandenen Prüfungen, endlich das ersehnte Zeugnis in der Hand halten, und meine Mutter wird sich bei der Diplomvergabe stolz die Tränen aus den Augen reiben. Ich werde Hamburg die größte Party seiner Geschichte bescheren. Oder Urlaub machen. Sizilien soll schön sein.

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