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14.09.2007
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Zurückgeblieben in Konstanz

Mit Fernweh am Bodensee

Von Frank van Bebber

Der Professor? Auf Forschungsreise. Kommilitonen und Mitbewohner? Im Urlaub. An der Uni Konstanz bleiben in den Semesterferien nur Studenten, die jobben oder für eine Prüfung pauken - wohnungslose Erstsemester leisten ihnen Gesellschaft.

Von der Uni-Mensa fällt der Blick auf die Insel Mainau - dort schieben sich zehntausende Touristen an bunten Beeten entlang. Auf dem sonst vor Menschen wimmelnden Konstanzer Campus ist dagegen Ruhe eingekehrt. Die Stadtwerke haben zwei Buslinien stillgelegt, auf dem verbleibenden Kurs sagt sich der Busfahrer meist selbst die Stationen an.

Auch im Campus-Café kommt keine Hektik auf. Eine 24-jährige Politikstudentin erjobbt sich hinter der Theke die Campusmaut. "Ich wäre lieber in den Urlaub gefahren, aber ich brauche das Geld für die Studiengebühr", sagt sie, "außerdem muss ich noch vier Hausarbeiten schreiben."

Viele ihrer Freunde sind längst nach Hause oder in die Ferien gefahren. Mensa-Chef Hubert Klemenjak merkt das an den wenigen Tellern, die noch über die Theke gereicht werden. Rund 3800 Mittagessen verkauft er im laufenden Semester - nun nicht einmal halb so viele. Einen Teil seiner Koch-Mannschaft hat Klemenjak in den Urlaub geschickt: Überstunden abbummeln.

Die Tiefe des Sommerschlafes der Universität, an der 10.000 Studenten eingeschrieben sind, kann auch Bibliotheksdirektorin Petra Hätscher in ihrem Computer ablesen: Strömen an einem Tag mit Vorlesungsbetrieb 5000 Menschen zu den Bücherregalen, sind es nun 2300. Die Zahl der Ausleihen ist um ein Drittel gesunken. An der Garderobe, die Langzeitarbeitslose betreuen, werden am Tag nur 150 statt der üblichen 600 Rucksäcke und Jacken aufbewahrt.

Bloß nicht ablenken lassen

Auch den in Konstanz sonst üblichen 24-Stunden-Betrieb der Bibliothek hat Hätscher gestrichen - "in Sommernächten geschlossen" heißt es. Vor allem Jura-Studenten bereiten sich dort auf das aufreibende Examen vor. "Ich komme von 8 bis 17 Uhr", sagt Franziska, 23. "Man kennt die anderen Leute dort schon." Ihre Bekannte Anna, 23, büffelt ebenfalls für das Rechtsexamen. "Das ist nervig", sagt sie bei einer Kaffeepause mit Kommilitonen auf dem leeren Innenhof der Uni. Über den Studenten drehen sich die Baukräne: Die Uni stampft einen neuen Exzellenz-Bau aus dem Boden. Im Rektorat wartet man gespannt auf den 19. Oktober - dann wird über den Elite-Titel für die Bodensee-Uni entschieden.

Nur noch ein paar Wochen bis zur Abschlussprüfung in Germanistik und Soziologie - da fallen die Ferien auch für Laura, 25, aus. Sie steht um 7 Uhr auf, um pünktlich in der Bibliothek zu sein, denn dort werde sie "nicht so abgelenkt". Zuhause locken Telefon und Fernseher.

Ihren Professor erreicht Laura notfalls über E-Mail. Früher konnten Studenten auch auf einen Erlass des Wissenschaftsministeriums von Jahr 1997 pochen, der Professoren in den Semesterferien mindestens eine Sprechstunde in der Woche vorschrieb. Doch das Land überlässt solche Details nun lieber den Hochschulen. Das Gesetz verpflichtet Professoren lediglich noch allgemein, Studenten auch außerhalb der Lehrveranstaltungen zu betreuen.

Verzweifelte Erstsemester im Anmarsch

Laura aber sehnt sich ohnehin mehr nach Freizeit als nach Sprechstunde. Doch der unieigene Badestrand war in diesem trübem Sommer nur selten eine wirkliche Alternative zur Bibliothek. Und schien mal die Sonne, knisterte am Uniufer die Spannung zwischen Textilfreunden und FKK-Fans. Vor einigen Jahren klagten die Bürger eines nahen Ortsteils, sie könnten hier mit ihren Kindern nicht baden gehen - wegen nackter Studenten. Die aber haben eher den Eindruck, dass die Einheimischen sich hier gern alle Kleider vom Leib reißen.

Neben Examenskandidaten und Ferienjobbern prägt in der zweiten Septemberhälfte eine weitere Gruppe das Bild der Bodensee-Kommune: Erstsemester auf Wohnungssuche. Mit Stadtplan und dem Wohnungsmarkt-Teil der Tageszeitung in der Hand irren sie über den Campus, durch die Stadt. In Konstanz leben 83.000 Menschen, rund 13.000 studieren an der Uni oder der Fachhochschule. Die Mietpreise ähneln denen in München - was alle schockt, die sich auf die preiswerte Provinz gefreut hatten.

Wohnheim-Chef Rainer Weyand vom Studentenwerk hat seine Warteliste schon Mitte August geschlossen, als 800 Namen auf null freie Plätze kamen: "Wir sind voll belegt." Doch die Hoffnung wächst, wenn die Mensa wieder voller ist als die Insel Mainau. Die Touristen lassen am Ende des Sommers leere Ferienwohnungen rund um den Bodensee zurück, die man bis zur nächsten Saison gern an Studenten vermietet.

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