30.06.2008
Trendleiden Aufschieberitis
Ich prokrastiniere, also bin ich
Von Kai Schwind
Maren, 27, Sprachwissenschaften:
"Aufschieben alleine geht nicht. Ich suche mir Ablenkung mit anderen. Irgendwer findet sich immer, der spontan Lust hat, etwas trinken oder ins Kino zu gehen.
Wichtig ist, dass man Leute kennt, die auch tagsüber, ohne große Vorwarnung, verfügbar sind. Ich glaube, das ist bei manchen meiner Bekannten der einzige Grund, warum ich überhaupt mit ihnen zu tun habe. Zu zweit oder in der Gruppe lässt sich dann besonders gut darüber jammern, dass ich wieder mal nichts auf die Reihe kriege oder eigentlich ja voll im Stress bin.
Ganz schlimm ist es, wenn ich in einer Beziehung bin und einen Freund habe, der mein Prinzip durchschaut hat und mich mit den üblichen Sprüchen motivieren will - da bricht dann die Hölle los. Aus heiterem Himmel einen Streit anzuzetteln, das ist sowieso eine der besten Prokrastinationsmethoden."