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16.03.2009
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Privatuni Witten/Herdecke

Ende der Krise zum Greifen nah

Die Studenten und Professoren in Witten/Herdecke atmen auf. Geldgeber haben ein Rettungspaket für die Privatuni geschnürt, die Software AG Stiftung übernimmt 40 Prozent der Gesellschafteranteile. Studentenzahl und Studiengebühren sollen in den nächsten Jahren steigen.

Die Zukunft von Deutschlands ältester Privat-Universität Witten/Herdecke (UWH) scheint für die kommenden Jahre gesichert. Am Montag unterzeichnete mit der Darmstädter Software AG Stiftung der neue Hauptförderer der Uni einen Gesellschaftervertrag, zusammen mit weiteren Geldgebern einschließlich der Studierendengesellschaft und eines Ehemaligen-Vereins.

Die Hochschule erhält von der Software AG Stiftung eine Bürgschaft über zehn Millionen Euro sowie über vier Jahre verteilt vier Millionen Euro als Investition. Für den gleichen Zeitraum sollen alle Gesellschafter gemeinsam 15 Millionen Euro aufbringen, davon "3,5 Millionen Euro von Geldgebern, die noch nicht genannt werden möchten und mit denen wir in den kommenden Wochen einig werden", sagte Uni-Geschäftsführer Michael Anders SPIEGEL ONLINE. Auch in der Pressemitteilung heißt es, das neue Geschäftsmodell sei offen für die Beteiligung weiterer strategischer Partner. Ein neuer Präsident für die UWH solle in den kommenden drei bis vier Monaten gefunden werden, ergänzte Anders.

Die Software AG Stiftung erhält für ihr Engagement und das Risiko, das sie mit der Bürgschaft eingeht, 40 Prozent der Gesellschafteranteile der UWH. Weitere Gesellschafter der Privatuni sind die UWH-Stiftung, der Verein zur Entwicklung von Gemeinschaftskrankenhäusern Herdecke, die Studierenden-Gesellschaft sowie ein Konsortium hochschulnaher Investoren, das maßgeblich von der Wittener Alumni-Initiative getragen wird. "Die Alumnis steuern drei Millionen Euro bei, eine Million Euro kommt aus Spende der ehemaligen Direktoren", erläuterte Geschäftsführer Anders.

Damit haben sich die Bewahrer der Wittener Uni-Kultur durchgesetzt. Während die Hochschule in den vergangenen Monaten um Investoren und um ihr Überleben kämpfte, hatten Studenten und Ehemalige befürchtet, es könnte zu einem Ausverkauf der Ideale der Privatuni kommen. Diese Ängste dürften nun vorerst zerstreut sein. Schwerpunkte des Studiums in Witten seien "auch weiterhin Persönlichkeitsbildung, Interdisziplinarität und Internationalisierung", betonte Martin Butzlaff, wissenschaftlicher Direktor und Präsidiumsmitglied.

Endgültig aus dem Spiel sind offenkundig die Unternehmensberatung Droege International sowie der Gesundheits- und Bildungskonzern SRH Holding. Auch vom zunächst angekündigten Engagement von Diözesen der katholischen Kirche ist nicht länger die Rede.

Noch fließt das Staatsgeld nicht

Kurz vor Weihnachten 2008 hatte die Privatuni nur knapp die Insolvenz vermeiden können. In einer Nachtsitzung Ende Januar im Düsseldorfer Wissenschaftsministerium vereinbarten Universität und das Land Nordrhein-Westfalen dann ein 16 Millionen Euro umfassendes Zukunftskonzept mit neuen Gesellschaftern und einer Bürgschaft von 10 Millionen Euro.

Die Landeszuschüsse von insgesamt 13,5 Millionen Euro für dieses und das kommende Jahr, die Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) zugesagt hatte, sind trotz der jetzt vertraglich vereinbarten Gesellschafterstruktur noch nicht frei. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte aber, der Privatuni sei ein Riesenschritt nach vorn geglückt. Wenn Witten/Herdecke nun noch testierte Wirtschaftspläne für 2009 und die folgende Jahre vorlege, stehe auch der Zahlung der im Dezember gestoppten Landeszuschüsse nichts mehr im Wege.

Geschäftsführer Anders sagte, mit dem jetzt beschlossenen neuen Struktur und dem Finanzierungskonzept sei die Universität "für die nächsten Jahre gut aufgestellt". In vier Jahren rechne die Universität mit einem ausgeglichenen Haushalt, der mit Konsolidierung und steigenden Erträgen ereicht werden soll.

Die Studentenzahl soll von derzeit 1200 auf 1700 steigen, auch eine erneute Erhöhung der Studiengebühren steht an. Derzeit zahlen die Studenten für ein zehnsemestriges Studium in Zahnmedizin 48.000 Euro. Witten/Herdecke bildet die Studenten derzeit in Medizin, Zahnmedizin, Wirtschaft und Pflegewissenschaften aus. Mit den zusätzlichen Studienplätzen werde die Hochschule in ihren Kernthemen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur gestärkt, sagte Präsidiumsmitglied Butzlaff.

cht, dpa/ddp/AP

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