16.08.2010
Studentenzorn in Köln
Mit Note 2 zu schlecht für den Master
Von Christina KuferAuf den Nordseeurlaub in Sylt hatte sich der Kölner BWL-Bachelor Thilo Heyer, 22, lange gefreut. Die Abschlussarbeit war fertig, die letzten Klausuren überstanden, die Online-Bewerbung für den Masterstudiengang abgeschickt. Den Sommer zwischen Bachelor und Master wollte der Absolvent am Meer genießen und ausspannen.
Doch das Schreiben, das Thilo Heyer Anfang August in seinem E-Mail-Postfach fand, wirbelt nicht nur den Urlaub, sondern seine gesamte Zukunftsplanung durcheinander.
"Sehr geehrte Bewerberin, sehr geehrter Bewerber,
wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihnen leider kein Studienplatz
in einem Masterstudiengang an der WiSo-Fakultät (...) zugeteilt wurde. Keine Ihrer Präferenzen konnte berücksichtigt werden. Ein Nachrückverfahren ist nicht vorgesehen.Für Ihre weitere berufliche und akademische Zukunft wünschen Ihnen alles
Gute.Mit freundlichen Grüßen
Geschäftsstelle des Zulassungsausschusses"
Thilo Heyer verstand die Welt nicht mehr. Eine Absage hatte er nicht auf der Rechnung gehabt. Fassungslos saß er vor seinem Laptop in der Sylter Ferienwohnung. Mit einem Bachelor-Schnitt von 2,0 gehört er zu den besten 20 Prozent seines Jahrgangs. "Ich war mir relativ sicher, dass ich genommen werde", sagt er. Doch die automatisch generierte Absage-Mail beendete Thilos Zukunftsplanung. Und nicht nur Thilos Wünsche sind geplatzt: Die Uni Köln nimmt zum Wintersemester 2010/2011 gerade einmal ein Drittel ihrer eigenen Bewerber in die fünf verschiedenen Masterprogramme im Fach BWL auf.
"Das Problem zieht sich durchs ganze Land"
Elf Jahre nach dem Start der Bologna-Reform tritt nun ein, was Mahner schon befürchtet hatten als die Mammut-Reform 1999 beschlossen wurde: Der Bachelor kann für Studenten zur Sackgasse werden, sie müssen in Massenfächern wie BWL an eine Feld-Wald-und-Wiesen-Hochschule umziehen, wenn sie keine gute bis sehr gute Bachelor-Note haben.
2003 beschloss die Kultusministerkonferenz, dass der Bachelor der Regelabschluss ist. Wer drei Jahre alle Credits für den Bachelor gesammelt hat, ist nicht wie früher in der Mitte sondern am Ende seines ersten Studiums. Und das Angebot an Masterplätzen ist geringer als die Zahl der Bachelor-Absolventen an einer Hochschule. Das ist politisch so gewollt.
Bereits im vergangenen Jahr sorgte das Übergangs-Dilemma an der Uni Potsdam für Aufregung. In den Bio-Wissenschaften legte die Universität eine Notengrenze von 2,6 für den Master fest. Viele Bachelor-Studenten waren wütend, dass sie jetzt umziehen sollten.
"Das Problem zieht sich durchs ganze Land", sagt Anja Graf-Gadow vom Freien Zusammenschluss StudentInnenschaften (fzs). Der fzs hatte auf der von Bund und Ländern groß inszenierten Bologna-Konferenz im Mai konkrete Zahlen von Universitäten und Landesministerien gefordert - doch die rücken keine raus, sagt Graf-Gadow.
"Hier werden Zukunftspläne verbaut, wenn nicht gar zerstört", sagt Oliver Jesper von der Fachschaft der Kölner Wirtschaftsstudenten. Den Grund für die verpatzte Vergabe der Masterstudienplätze sieht Jesper in "fehlgeschlagenem Protektionismus". Die Universität hatte im Vorfeld der Bewerbungen bestimmte Zugangsvoraussetzungen festgelegt. Um sich bewerben zu können, mussten Bachelor-Absolventen beispielsweise bestimmte Mindestpunktzahlen in BWL und VWL erreichen. "Die Uni dachte, dass dadurch sowieso nicht alle Studierenden von Fachhochschulen und Universitäten die Möglichkeit haben, sich zu bewerben", erklärt Jesper. Offenbar ein Trugschluss.

