21.01.2011
Niederlande
Tausende Studenten protestieren gegen Bummelgebühren
Proteste in Den Haag: Nein zur Gebühr für Langzeitstudenten, fordern die Demonstranten
Nach einer Protestaktion von mehr als 15.000 Studenten sind am Freitag in Den Haag Sicherheitskräfte und Demonstranten aneinandergeraten. Als unweit des niederländischen Parlaments und des Amtssitzes von Ministerpräsident Mark Rutte aus einer Menge Eier und Unrat auf die Beamten flogen, trieben Polizisten auf Pferden Gruppen von jungen Leuten auseinander. Einige gewalttätige Demonstranten seien vorübergehend festgenommen worden, teilte die Polizei mit.
Zuvor war eine große Protestkundgebung friedlich verlaufen. Gemeinsam mit den Studenten demonstrierten auch Hunderte Dozenten gegen eine neue Strafgebühr für Langzeitstudenten. Die Teilnehmer forderten die Rücknahme der sogenannten Halbe-Gebühr von 3000 Euro pro Jahr für Überschreitungen der Regelstudienzeit. Zugleich richtete sich ihr Protest gegen Etatkürzungen im Hochschulwesen.
Die nach ihrem Erfinder, dem Staatssekretär im Bildungsministerium, Halbe Zijlstra, benannte Gebühr soll künftig von den betroffenen Studenten erhoben werden - zusätzlich zu den regulären Studiengebühren von 1700 Euro. Betroffen wären Studenten, die mehr als vier Jahre für ein dreijähriges Bachelor-Studium brauchen und mehr als zwei Jahre für einen einjährigen Master-Studiengang, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums mitteilte.
Mindestens jeder zehnte Student müsste zahlen, heißt es
Außerdem sollen den Universitäten pro Student 6000 Euro an Zuschüssen gestrichen werden. Auch deshalb beteiligten sich nach Angaben des TV-Senders NOS fast ein Drittel aller Hochschullehrer des Landes an den Protesten.
Ministerpräsident Rutte sagte, die Regierung nehme die Kritik "respektvoll" zur Kenntnis. Die geplanten Maßnahmen seien jedoch nötig, um den Staatshaushalt zu sanieren und gleichzeitig die Qualität der Hochschulbildung zu verbessern.
Sijbolt Noorda vom Verband der niederländischen Universitäten sagte: "Eine Regierung, die sagt, dass das Bildungssystem nicht gut genug ist, und es dann noch schlimmer macht", das sei unverständlich. Nach Angaben des Studentenverbandes ISO wären rund 70.000 Studenten von den Maßnahmen betroffen, mehr als zehn Prozent aller Studenten.
otr/dpa/AFP