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14.02.2011
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Streit um Gründung von Bundesuniversitäten

Alte Idee, neuer Ärger

Von Oliver Trenkamp
Ministerin Schavan: Gezielte Provokation oder Gedankenspiel?
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Ministerin Schavan: Gezielte Provokation oder Gedankenspiel?

Soll der Bund eine Universität übernehmen und zur Elite-Hochschule ausbauen? Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) dachte laut darüber nach - und vergräzte damit selbst Koalitionskollegen. Dabei ist die Idee vom deutschen Harvard nicht neu.

Manchmal ist das Echo lauter als der Ruf, der ihm vorausging: "Bundesuniversität", sagte Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) - und prompt riefen Bildungspolitiker: Moment Mal!

Sie könne sich vorstellen, hatte die Bildungsministerin am Wochenende in einem Interview mit der "Berliner Morgenpost" gesagt, dass mittelfristig der Bund einige Spitzenuniversitäten übernehme. Wenn erst die Exzellenzinitiative ausgelaufen sei, also der Elite-Wettbewerb der Hochschulen, werde eine Debatte einsetzen über die dauerhafte Finanzierung exzellenter Strukturen. "Spätestens dann wird sich die Frage nach Standorten von Bundesuniversitäten stellen."

Prompt kam die Kritik, auch aus den eigenen Reihen: "Bundesuniversitäten", das sei ein Reizwort, sagte Michael Kretschmer (CDU), Fraktionsvize im Bundestag. Er warnte vor "neuen Strukturdebatten". Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Patrick Meinhardt, ärgerte sich ebenfalls über den Vorstoß Schavans - allerdings weil er erst aus den Medien davon erfuhr: "Die letzten Bildungsgipfel krankten an mangelnden Absprachen und unzureichender Kommunikation im Vorfeld."

Und auch aus der Opposition kam Ablehnung. Krista Sager, grüne Sprecherin für Wissenschaftspolitik, sagte dem "Tagesspiegel", der Bund solle künftig einen größeren Anteil der Forschungsfinanzierung übernehmen, anstatt einzelne Universitäten zu fördern. Die Länder müssten sich im Gegenzug verpflichten, die so bei ihnen frei werdenden Mittel in die Hochschulen zu investieren. Die Linke-Vizefraktionschefin Petra Sitte sagte: "Wir brauchen keine bundesfinanzierten Leuchttürme in einer Wüste der Unterfinanzierung."

Bundesuniversitäten gibt es längst

Ein deutsches Harvard, bezahlt vom Bund, das ist die Idee - und neu ist sie nicht. Schon vor der Exzellenzinitiative forderten Bundespolitiker, damals vor allem aus der SPD, mindestens eine Elite-Universität zu übernehmen, nach dem Vorbild der ETH Zürich. Mit viel Geld ausgestattet sollte die Spitzen-Hochschule aufholen im Wettkampf mit Elite-Unis aus den USA und Großbritanien. Sie sollte die besten Forscher anlocken und Magnet sein für die begabtesten Studenten. Immer wieder war die Humboldt Universität in Berlin dafür im Gespräch.

Die Debatte verlief laut und aufgeregt. Zum einen, weil viele Sozialdemokraten den Elite-Gedanken verpönten. Zum anderen, weil die Bundesländer sich jede Einmischung in ihre Belange verbaten, vor allem in die Bildungspolitik.

Doch mittlerweile gibt es so etwas wie Bundesuniversitäten längst, auch wenn sie nicht so heißen dürfen. So hängen etwa die Hochschulen, die in der Exzellenz-Initiative erfolgreich waren mit ihren Graduiertenschulen und Forschungsprojekten, zunehmend von der Förderung des Bundes ab. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, hauptsächlich finanziert vom Bund, verteilte im Jahr 2006 gut eine Milliarde Euro, zwei Jahre später waren es bereits 1,6 Milliarden Euro.

Wie der Bund an Einfluss gewinnt, zeigte sich beispielhaft auch in Karlsruhe und in Lübeck:

So mehrt der Bund Schritt für Schritt seinen Einfluss in der Hochschulpolitik, ohne es offiziell zu dürfen. Allerdings gibt es trotz Schavans Bundesuniversitäten-Gedankenspiels keine konkreten Pläne, wie eine Ministeriumssprecherin sagte. Schavan habe lediglich die Debatte darüber anregen wollen, wie es weitergehe mit der Hochschulfinanzierung. Eine gezielte Provokation sei das nicht gewesen, schon gar keine Kampfansage an die Länder.

Schavan ermahnte in dem Interview zudem die Bundesländer, mehr Geld für die Hochschulen bereitzustellen. "Wenn eine politische Ebene in den letzten Jahren überdurchschnittlich in Wissenschaft investiert hat, dann ist das der Bund." Auch die Länder müssten ihren Anteil erbringen. "Nur nach dem Bund rufen, das läuft nicht."

Unterstützung bekam sie von Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD). Es müsse rechtzeitig vor Auslaufen der Exzellenzinitiative im Jahr 2017 über die weitere gemeinsame Förderung der Spitzenforschung durch Bund und Länder nachgedacht werden. Nicht nur über die Möglichkeit von Bundesuniversitäten, sondern auch über gemeinsame Einrichtungen wie beim "Karlsruhe Institute of Technology" müsse man diskutieren.

Mit Material von dpa

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insgesamt 8 Beiträge
1.
ohne_sorge 14.02.2011
Ich verstehe die Diskussion nicht. Was bringt uns eine Exzellenzuni in die dann die ganzen Auswendiglernmeister kommen. Unser Uni-System war vor Einführung des Bachelor/ Master nicht so schlecht wie man meint. Hier konnte man [...]
Ich verstehe die Diskussion nicht. Was bringt uns eine Exzellenzuni in die dann die ganzen Auswendiglernmeister kommen. Unser Uni-System war vor Einführung des Bachelor/ Master nicht so schlecht wie man meint. Hier konnte man Selbständigkeit lernen und hatte auf jeder Uni Zugang und auch die Zeit sich in welche Thematik auch immer zu vertiefen und musste nicht nur das lernen, was auf dem Programm stand. Die Imagediskussionen und Rankinggeschichten können wir den Amerikanern überlassen, denn die können die Show ohnehin besser...
2. Exzellenz?
Dumme Fragen 14.02.2011
Simpler Vorschlag: schafft zunächst die Zwölfjahresregelung ab. Dann nehmt einige Milliarden Euro und verteilt sie universitätsunabhängig an Nachwuchswissenschaftler und auch ältere Leute. V.a. gebt das Geld nicht denen, die [...]
Simpler Vorschlag: schafft zunächst die Zwölfjahresregelung ab. Dann nehmt einige Milliarden Euro und verteilt sie universitätsunabhängig an Nachwuchswissenschaftler und auch ältere Leute. V.a. gebt das Geld nicht denen, die "exzellente" Doktorväter usw. hatten, sondern verteilt es breit in die Masse. Am besten, die DFG vergibt 35% ihrer Gelder nach dem Zufallsprinzip - der Antrag ist formal richtig gestellt, dann kommt er in die Lotterie. Und dann können die Wissenschaftler an die Uni gehen, die ihnen Platz (aka "Labor- und Büroräume") anbieten kann.
3. auf linie bringen
zynik 14.02.2011
Tja, erklären sie das mal unseren Bertelsmännern und den neoliberalen Chefideologen. Es geht auch darum den gebildeten Nachwuchs zu indoktrinieren und auf ökonomische Effizienz-Linie zu bringen. Eigenständiges Denken und [...]
Zitat von ohne_sorgeIch verstehe die Diskussion nicht. Was bringt uns eine Exzellenzuni in die dann die ganzen Auswendiglernmeister kommen. Unser Uni-System war vor Einführung des Bachelor/ Master nicht so schlecht wie man meint. Hier konnte man Selbständigkeit lernen und hatte auf jeder Uni Zugang und auch die Zeit sich in welche Thematik auch immer zu vertiefen und musste nicht nur das lernen, was auf dem Programm stand. Die Imagediskussionen und Rankinggeschichten können wir den Amerikanern überlassen, denn die können die Show ohnehin besser...
Tja, erklären sie das mal unseren Bertelsmännern und den neoliberalen Chefideologen. Es geht auch darum den gebildeten Nachwuchs zu indoktrinieren und auf ökonomische Effizienz-Linie zu bringen. Eigenständiges Denken und Forschen sorgt da nur für unnötigen Kritik-Ballast.
4. Verstehe weder Frau Schavan noch den SPON-Autor
stiller_genießer 15.02.2011
Als Katholikin sollte Frau Schvan schon mal was von Subsidiaritätsprinzip gehört haben: Was unten gelöst werden kann, muß nicht oben gelöst werden. Das gilt auch für Forschung und Lehre an Hochschulen. Andererseits gibt es schon [...]
Als Katholikin sollte Frau Schvan schon mal was von Subsidiaritätsprinzip gehört haben: Was unten gelöst werden kann, muß nicht oben gelöst werden. Das gilt auch für Forschung und Lehre an Hochschulen. Andererseits gibt es schon echte Bundesuniversitäten, nur nicht im Zuständigkeitsbereich von Frau Schavan, nämlich die Universitäten der Bundeswehr.
5. re
Dumme Fragen 15.02.2011
Genau, wenn sie Geld übrig hat, die würden sich freuen!
Zitat von stiller_genießerAndererseits gibt es schon echte Bundesuniversitäten, nur nicht im Zuständigkeitsbereich von Frau Schavan, nämlich die Universitäten der Bundeswehr.
Genau, wenn sie Geld übrig hat, die würden sich freuen!

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