10.03.2011
Lernen vom schwarzen Schaf
FH-Präsident entfernt "Guttenberg-Ecke"
Abschreckendes Beispiel: Mittwoch fanden die Mitarbeiter die Guttenberg-Ecke noch lustig
Nur fünf Tasten hatte die Computer-Tastatur auf einem Tisch der Hochschulbibliothek an der Fachhochschule Ansbach: Strg, A, X, C und V. Daneben klebte der Hinweis: "In Ansbach reicht dieses Tastatur-Layout nicht aus."
Die Tastatur war Teil einer liebevoll gestalteten Info-Ecke zum richtigen wissenschaftlichen Arbeiten. Nachdem die ersten Plagiatsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg aufgekommen waren, hatten Mitarbeiter sie eingerichtet. Eine Schautafel mit konkreten Beispielen von abgekupferten Passagen aus der Doktorarbeit des Ex-Ministers und CSU-Politikers sollte Studenten auf typische Fehler aufmerksam machen. Eine gute Idee, fanden die Bibliotheksmitarbeiter - bis Donnerstag vormittag Hochschulpräsident Gerhard Mammen intervenierte.
Mammen ließ die Info-Ecke entfernen und soll seinen Mitarbeitern auch einen Maulkorb verpasst haben, berichtet die Nachrichtenagentur dapd. Sie und ihre Kollegen dürften Presseanfragen hierzu nicht beantworten, sagte eine Mitarbeiterin der Bibliothek. Sie erklärte, die Ecke sei "als Abschreckungsbeispiel gedacht" gewesen. Angesichts der hohen Bekanntheit Guttenbergs habe es sich angeboten, seine Arbeit hierfür zu verwenden.
Präsident fürchtet "Nebenwirkungen"
Die "Nürnberger Zeitung" hatte am Donnerstag eine große Geschichte über das Projekt veröffentlicht. Am Telefon beschwerte sich Hochschulpräsident Mammen bei der dapd-Journalistin über "Nebenwirkungen" einer Berichterstattung zur Info-Ecke. Das Thema zu Guttenberg sei für ihn ohnehin längst durch und der Ex-Minister nur eine Randfigur.
Auch in anderen Uni-Bibliotheken sorgt Guttenbergs Verfasssungsvergleich, den er als Doktorarbeit an der Uni Bayreuth eingereicht hatte, für Wirbel: In Göttingen und Osnabrück wurden die Exemplare der Arbeit mit Warnungen an die Studenten versehen, nicht mehr aus der Arbeit zu zitieren, berichtete die "Hessische/Niedersächsische Allgemeine". Die Uni-Bibliothek Münster plant ebenfalls eine solche Warnung und lässt die Doktorarbeit zudem vor Souvenir-Jägern bewachen.
juf/dapd