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19.01.2012
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Banküberfall mit Schokoladenwaffe

Freispruch für Professor Provokation

Von Jonas Leppin
Politologe Grottian: Mit Schokowaffen gegen das Bankensystem
dapd

Politologe Grottian: Mit Schokowaffen gegen das Bankensystem

Er ist ein Meister der politischen Aktion: Weil er bei einem Vortrag zur Finanzkrise zu einem Bankraub mit Schokoladenwaffe aufgerufen haben soll, musste der Politik-Professor Peter Grottian vor Gericht. Er wurde freigesprochen und plant schon die nächste Aktion.

Die Provokation gelang, mal wieder. Der Berliner Politikwissenschaftler Peter Grottian, 69, soll im Juni 2011 in Lindau bei einer Veranstaltung über die Finanzkrise die Besucher dazu aufgefordert haben, "mit Schokoladenpistolen und ohne Maskierung" eine Filiale der Deutschen Bank "heimzusuchen".

Die Staatsanwaltschaft Kempten hatte per Zeitungsartikel einer Lindauer Lokaljournalistin von dem angeblichen Aufruf erfahren und daraufhin einen Strafbefehl erlassen, wegen "öffentlichem Aufruf zum Hausfriedensbruch", 3900 Euro sollte Grottian zahlen. Dagegen legte der Politologe Widerspruch ein, so dass es schließlich zur Hauptverhandlung kam. Jetzt wurde er freigesprochen.

Der zuständige Richter am Amtsgericht in Lindau sah es nicht als erwiesen an, dass der emeritierte Professor explizit zu einer Straftat aufgefordert hatte. Er habe damals lediglich den "mutigen Bürgern" verschiedene Szenarien aufgezeigt, wo die Ursachen der Finanzkrise lägen und wie man dagegen vorgehen könne, sagte Grottian.

"Neben Demonstrieren auf der Straße oder Theaterspielen gibt es eben auch verschiedene Verhaltensweisen, wie man sich in einer Bank verhalten kann", so Peter Grottian nach der Verhandlung. "Ich sagte damals: 'Wir schreiben euch nichts vor. Entscheidet selbst, was ihr machen könnt.'"

Protest-Aufruf im Konjunktiv

Drei Zeugen, darunter auch die Journalistin, konnten den Wortlaut jedoch nicht mit Sicherheit wiedergeben. Doch alle waren sich einig, dass der emeritierte Professor nicht sagte: "Macht mit!" Oder: "Ihr sollt in die Bank gehen und euch hinaustragen lassen." Vielmehr habe Grottian im Konjunktiv und in neutraler Art mögliche Szenarien entworfen.

Der zuständige Staatsanwalt bemühte sich in "haarspalterischer Weise", wie er es selbst nannte, herauszufinden, welche Worte Grottian bei seinem Vortrag genau verwendet hatte - sprach sich nach der einstündigen Verhandlung aber schließlich auch für einen Freispruch aus. "Der Staatsanwalt war gut genug zu erkennen, dass diese Vorwürfe völlig aussichtslos sind", so Grottian.

Für den Politologen, der an der Freien Universität Berlin lehrte, war bei diesem Urteil vor allem wichtig, "dass junge Menschen keine Angst kriegen und sich durch diese Entscheidung weiter zum Protest ermutigt fühlen", sagt Grottian.

Der emeritierte Professor und Attac-Aktivist Grottian sorgte in den vergangenen Jahren immer mal wieder mit Protestaktionen für Aufsehen. Die vermeintliche Aufforderung zum Schokoladenüberfall ist nicht die erste Begegnung des widerspenstigen Politologen mit dem Gesetz. Schon mehrfach ermittelte die Berliner Justiz gegen Grottian, dem es immer wieder gelang, konservative Lokalpolitiker zu provozieren: So forderte er vor ein paar Jahren etwa die Berliner Bürger zum kollektiven Schwarzfahren auf, um für ein "Recht auf Mobilität" zu werben.

Gerade in seiner Kritik gegen Banken zeigte der 69-Jährige sich besonders hartnäckig: Im vergangenen Jahr machte Grottian brisante Absprachen einer gemeinsamen Forschungsinitiative zwischen der Humboldt-Universität (HU) und der Technischen Universität (TU) sowie der Deutschen Bank öffentlich.

Noch in einem Café in Lindau kündigte der Fan des zivilen Ungehorsams nach dieser Prozess-Posse eine neue Kampagne an: Grottian plane eine große Aktion gegen die Lieferung deutscher Panzer nach Saudi-Arabien. Er wolle der Regierung Merkel "ein wenig die Hölle heiß machen".

Mit Material von dapd

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insgesamt 19 Beiträge
1. Ein mutiger Mann
Bondurant 19.01.2012
dieser Grottian. Kann er sich auch erlauben, denn ---Zitat--- Für den Politologen, der an der Freien Universität Berlin lehrte, war bei diesem Urteil vor allem wichtig, "dass junge Menschen keine Angst kriegen und sich [...]
Zitat von sysopEr ist ein Meister der politischen Provokation: Weil er bei einem Vortrag zur Finanzkrise zu einem Bankraub mit Schokoladenwaffe aufgerufen haben soll, musste der Politik-Professor Peter Grottian vor Gericht. Er wurde freigesprochen - und plant schon die nächste Aktion. Banküberfall mit Schokoladenwaffe: Freispruch für Professor Provokation - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,809774,00.html)
dieser Grottian. Kann er sich auch erlauben, denn ---Zitat--- Für den Politologen, der an der Freien Universität Berlin lehrte, war bei diesem Urteil vor allem wichtig, "dass junge Menschen keine Angst kriegen und sich durch diese Entscheidung weiter zum Protest ermutigt fühlen", sagt Grottian. ---Zitatende--- mit ordentlich Staatsknete im Rücken ist gut risikofrei selbst protestieren und zwanglos "zum Protest ermutigen". Das macht Spaß! Die Arbeit tun die anderen.
2. Wie früher so heute: Deutschlands furchtbare Juristen
slider 19.01.2012
Die politische Justiz in Deutschland hat sich nicht viel geändert, so dass man weiter von furchtbaren Juristen sprechen muss. Das die Staatsanwaltschaft ein Prof anklagt und einen Präsidenten nicht, passt in dieses Bild.
Die politische Justiz in Deutschland hat sich nicht viel geändert, so dass man weiter von furchtbaren Juristen sprechen muss. Das die Staatsanwaltschaft ein Prof anklagt und einen Präsidenten nicht, passt in dieses Bild.
3. Das ist ...
prokrastinierer 19.01.2012
... die Normalität in der Juristenrepublik Deutschland. Wir können einfach nur froh sein, dass es solche kritisch-denkenden Menschen wie Grottian gibt... Selbstverständlich sind sie den ganzen konservativen Juristen sowohl in [...]
Zitat von sliderDie politische Justiz in Deutschland hat sich nicht viel geändert, so dass man weiter von furchtbaren Juristen sprechen muss. Das die Staatsanwaltschaft ein Prof anklagt und einen Präsidenten nicht, passt in dieses Bild.
... die Normalität in der Juristenrepublik Deutschland. Wir können einfach nur froh sein, dass es solche kritisch-denkenden Menschen wie Grottian gibt... Selbstverständlich sind sie den ganzen konservativen Juristen sowohl in Justiz als auch in den Parteien ein Dorn im Auge - und das ist auch gut so!
4. Die Staatsanwaltschaft!
lenin2009 19.01.2012
Die Kavallerie der Justiz:Schneidig, aber dumm! Kann eigentlich in Deutschland mittlerweile jeder Honk Staatsanwalt werden? Wenn ich dieses Geschmeiß a la Oltrogge und Co sehe, bekomme ich das kalte Kotzen.
Zitat von sysopEr ist ein Meister der politischen Provokation: Weil er bei einem Vortrag zur Finanzkrise zu einem Bankraub mit Schokoladenwaffe aufgerufen haben soll, musste der Politik-Professor Peter Grottian vor Gericht. Er wurde freigesprochen - und plant schon die nächste Aktion. Banküberfall mit Schokoladenwaffe: Freispruch für Professor Provokation - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,809774,00.html)
Die Kavallerie der Justiz:Schneidig, aber dumm! Kann eigentlich in Deutschland mittlerweile jeder Honk Staatsanwalt werden? Wenn ich dieses Geschmeiß a la Oltrogge und Co sehe, bekomme ich das kalte Kotzen.
5. .
Ostwestfale 19.01.2012
Was heißt denn bitte "kann er sich erlauben"? Auch wer arbeitet kann sich seiner Freizeit engagieren und politisch aktiv werden, auf Demos gehen etc.Warum müssen Sie die Aktivitäten dieses Mannes hier madig [...]
Zitat von Bondurantdieser Grottian. Kann er sich auch erlauben, denn mit ordentlich Staatsknete im Rücken ist gut risikofrei selbst protestieren und zwanglos "zum Protest ermutigen". Das macht Spaß! Die Arbeit tun die anderen.
Was heißt denn bitte "kann er sich erlauben"? Auch wer arbeitet kann sich seiner Freizeit engagieren und politisch aktiv werden, auf Demos gehen etc.Warum müssen Sie die Aktivitäten dieses Mannes hier madig machen.Liegt`s vielleicht daran, dass Sie selbst zu egoistisch sind, um sich (unentgeldlich) für irgendwas zu engagieren?

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