21.02.2012
Ersti-Tagebuch
Hilfe, die Klausuren kommen
Das Ergebnis beim Eingangstest für mein Tübinger Politikstudium war miserabel verlaufen - es war meine gute Abi-Note, die mir schließlich den Studienplatz gerettet hat - doch dieses Mal weiß ich, was mich erwartet, und ich kenne wenigstens einen Teil der Leute um mich herum. Luisa drückt mir einen Traubenzucker-Ausdauer-Lolli in die Hand, dann geht es los: Nach neunzig Minuten habe ich meine erste Prüfung geschafft, vor dem Eignungstest war ich aufgeregter.
Die Schlacht um die Stühle
Ich habe mir schnell abgewöhnt, zum Lernen in die Bibliothek zu gehen, dort ist es einfach zu voll und ich konnte mich nur schwer konzentrieren. Stattdessen versuche ich, alles Störende aus meinem Zimmer zu verbannen oder ich verlagere meinen Lernort gleich in die Küche. Dort hindert mich lediglich der Kühlschrank hin und wieder, mich auf Regierungskrisen, Partizipationsbegriffe und autoritäre Systeme einzulassen.
Entspannen während der Klausuren-Phase geht am besten mit Freunden aus anderen Studiengängen - ansonsten ist die Gefahr groß, dass man doch wieder bei Politik landet. "Kein Wort über die Klausuren!", haben meine Freundin Patricia und ich uns fest versprochen.
Ich habe schnell gemerkt, dass man Definitionen politischer Systeme am besten bei Käse-Tomaten-Pfannkuchen oder Schoko-Birnen-Crêpes in den Tübinger Studentenkneipen aus dem Kopf scheuchen kann. Auch Patricias Weihnachtsgeschenk eignet sich gut: das Zwei-Personen-Raclette. Es ist ideal um schnell alle Reste aus dem Kühlschrank verschwinden zu lassen. Doch selbst klebriger, geschmolzener Käse und ein Einweihungsabend mit guter Freundin schaffte es nicht ganz, das Thema Klausuren aus der Küche zu verbannen.