15.02.2012
Studentenstädte-Ranking
Paris, mon amour
Von Sebastian HoferParis ist die Stadt zum Studieren. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest das internationale Studentenstädte-Ranking QS Best Student Cities 2012 des Karriere- und Bildungsdienstleisters QS Quacquarelli Symonds (QS), das am Mittwoch veröffentlicht wurde. London und Boston belegten Platz zwei und drei.
Das Ranking bezieht von 96 Großstädten neben der Qualität der Universitäten auch weitere wichtige Faktoren ein, die eine Stadt zur guten Studentenstadt machen: Denn wer ins Ausland will, denkt nicht nur an die beste Uni und den passenden Studiengang. Kann ich mir ein Studium dort überhaupt leisten? Treffe ich dort auf viele internationale Studenten? Und wie sind meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt mit einem Abschluss einer Uni aus dieser Stadt?
Um hier zu liefern, entwickelt das Ranking aus mehreren großen Studien die Kategorien Studenten-Mix (Internationalität), Lebensqualität, Ansehen der Absolventen bei Unternehmen und Erschwinglichkeit, um ein ausgewogeneres Bild zu zeichnen - und die besten Städte sind nicht immer die naheliegendsten.
Zum Beispiel Paris. Während viele der internationalen Hochschulrankings fast ausschließlich von anglophonen Unis dominiert werden, landet die Stadt an der Seine hier ganz vorn. Paris erreicht das durch fast durchweg hohe Ranking-Punktzahlen. Die Universitäten gehören zu den besten, ebenso ist die Nachfrage bei Unternehmen nach Pariser Absolventen sehr hoch. Auch bei Lebensqualität und Internationalität kann die Stadt punkten.
Beim zweitplatzierten London sind es vor allem die exzellenten Universitäten, die die Stadt für Studenten interessant macht. In dieser Kategorie ist London ungeschlagen. Punktabzüge gibt es in der Wirtschaftsmetropole ähnlich wie in Paris durch die hohen Kosten für Mieten und Lebensunterhalt. Studieren ist in beiden Städten im Vergleich recht teuer.
Wiener Lebensqualität ist überragend
Boston auf Platz drei profitiert vom Ruf seiner beiden Top-Hochschulen Harvard und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT). Auch hier ist das Leben vor allem durch die hohen Studiengebühren für Studenten nicht billig.
Bei der besten deutschen Stadt im Ranking ist es genau umgekehrt. Berlin, auf einem respektablen Platz acht, wird auch im Ranking von QS seinem Ruf gerecht, den der regierende Bürgermeister prägte: "arm, aber sexy" zu sein. Das Studentenleben ist dank niedriger Gebühren und Lebenshaltungskosten relativ günstig, die Lebensqualität hoch. Allerdings muss man damit leben, dass Berliner Absolventen von renommierten Unternehmen nur durchschnittlich nachgefragt werden. Als einzige weitere deutsche Stadt unter den Top 50 kann sich München auf Platz 13 platzieren. Auch die bayerische Landeshauptstadt überzeugt durch Lebensqualität und liegt auch bei den Kosten im internationalen Vergleich noch ganz ordentlich.
Oxford, Cambridge und Stanford fehlen, sie sind zu klein
Besser als die deutschen Studentenstädte schneidet Wien ab. Die Stadt an der Donau landet trotz recht schwacher Zahlen bei der Uni-Qualität als beste deutschsprachige Stadt noch vor Zürich auf Platz fünf. Sie kann mit ihrer überragenden Lebensqualität punkten, der besten im Ranking.
Überraschend ist, dass sich in der Gesamt-Top-Ten nur eine US-amerikanische Stadt befindet. Europa trumpft auf, vor allem in puncto Lebensqualität und Erschwinglichkeit. Die Studiengebühren in Paris, Wien, Zürich und Berlin liegen im Durchschnitt unter 1000 Euro pro Jahr, im Vergleich zu 30.000 Dollar in den USA. 20 europäische Städte liegen somit in den Top 50, im Gegensatz zu je nur neun Städten aus den USA und Asien.
Kostengünstigste Studentenstädte im Ranking sind übrigens Islamabad, Kairo und Mexiko-Stadt. Aufgrund ansonsten schwacher Leistungen landet die pakistanische Hauptstadt im Gesamtranking allerdings nicht unter den besten 50. Mexiko-Stadt steht auf Platz 31, Kairo auf Platz 48. Günstige europäische Studentenstädte sind Warschau, Toulouse und Lyon.
Wie andere Rankings auch leidet auch das QS Best Student Cities 2012 darunter, dass niemand weiß, wie nahe es der Realität kommt. Denn für die Wahl des richtigen Studienorts können wesentlich mehr Faktoren in Betracht kommen, für jeden Studienwilligen sind es andere. Zudem kamen nur Großstädte mit mehr als 250.000 Einwohnern und mindestens zwei von QS gerankten Universitäten in Betracht. Hochschulstandorte wie Oxford, Cambridge und Stanford, aber auch klassische deutsche Uni-Städte wie Tübingen oder Göttingen wurden nicht einbezogen.
In welcher Großstadt lernt es sich am besten? Wo habe ich die besten Karrierechancen? Und wo lässt es sich günstig leben? Hier geht es zu den Listen:

