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20.02.2012
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Big Brother im Hörsaal

Professor überwachte Klausur mit Kamera

DPA

Kameraeinsatz in Rostock (Symbolbild): Professor is watching you

Public Viewing der anderen Art: Weil es einem Mathematik-Professor an der Uni Rostock bequem erschien, filmte er seine Studenten während einer Prüfung und projizierte die Bilder auf die Leinwand des Hörsaals. Für den Hochschullehrer gab es nun Schelte von der Uni - und Spott von Kollegen.

Am Montagmorgen hatte Kurt Frischmuth, 56, Professor für Mathematik an der Universität Rostock, schon die erste Scherz-Mail in seinem Postfach: Mit "Betreff: Videobotschaft" schrieb ihm ein Bekannter aus dem Dekanat der benachbarten Hochschule in Halle. Auch andere Kollegen wollten wissen, warum er um Himmels willen die Klausur seiner Studenten gefilmt habe, sagt Frischmuth.

Um bei den 118 Studenten im Audimax Prüfungsbetrug zu verhindern, hatte Frischmuth bei der Grundkursklausur "Mathematik I" am 1. Februar zwei im Saal installierte Videokameras eingeschaltet und die Kamerabilder auf die Leinwand vor den Studenten projizierte.

"Das war ein Fehler", sagte Frischmuth am Montag, nachdem am Wochenende die "Schweriner Volkszeitung" über die überwachte Klausur berichtet hatte. Frischmuth sagt, er arbeite seit 28 Jahren an der Uni Rostock, seit 20 Jahren sei er für die Grundkursklausur "Mathematik I" im Studiengang Wirtschaftswissenschaften zuständig - und die Kamera habe er schon öfter eingesetzt, beschwert hat sich bisher nie jemand.

Störende Piep-Geräusche der Kamera

Nach der Klausur habe eine Studentin an das Studienbüro der Universität geschrieben und nicht etwa die Überwachung bemängelt, sondern störende Piep-Geräusche durch die Kamerabewegung während der Prüfung. Dadurch habe sie sich nur schlecht konzentrieren können, sagte Frischmuth.

Neben der Überwachungstechnik setzte Frischmuth auf vier verschiedene Aufgaben-Gruppen, um Mogeleien und Abschreiben zu verhindern. Persönlichen Aufzeichnungen oder Computer zum Rechnen waren ohnehin erlaubt. "Wir sind während der Prüfung für Verständnisfragen zuständig und achten darauf, dass zwischen den Studenten nicht kommuniziert wird", sagt Frischmuth.

Der Professor erklärt den Kameraeinsatz auch mit den baulichen Eigenheiten des Vorlesungssaals. "Das Audimax ist relativ hoch, da war es praktisch, die Reihen mit der Saalkamera zu überwachen", sagt Frischmuth. Laptopkabel hätten im Weg gelegen, das habe einen Kontrollgang durch den Saal zusätzlich erschwert. Und im Sitzen per Leinwand zu kontrollieren sei außerdem bequemer.

"Eindeutiger Fall von Missbrauch"

Weil er und seine zwei Mitarbeiter hinter den letzten Bankreihen der Studenten saßen, konnten sie den Studenten dank der Kameras "wie in einem großen Spiegel" beim Schreiben zusehen, sagt Frischmuth - und die Studenten sich auch. Zum Zeitpunkt der Prüfung habe er nicht gewusst, dass es zum Einsatz der Kameras Bestimmungen an der Uni gibt.

Die Universität Rostock sieht in der mit Kameras überwachten Klausur einen "eindeutigen Fall von Missbrauch", sagt Uni-Sprecher Ulrich Vetter. Zwar liege es im Ermessen des Dozenten, wie er seine Studenten beaufsichtigt, aber "die Überwachung mittels Videotechnik ist an der Universität Rostock grundsätzlich verboten". Das werde in Kürze auch in der allgemeinen Prüfungsordnungen vermerkt. Derzeit gebe es an der Universität acht Kameras in vier Hörsälen, die "zur Verbesserung der Lehre installiert wurden, allerdings keine Aufzeichnung des Videomaterials gestatten", so Vetter.

Frischmuth ist nun um Schadensbegrenzung bemüht: Es sei nichts aufgezeichnet worden oder ins Internet gestellt. Der Rostocker-Prüfungsausschuss hat inzwischen einen zusätzlichen Nachholtermin für die Mathe-Klausur festgelegt. Von der Videotechnik will Frischmuth künftig die Finger lassen und lieber selbst durch die Reihen gehen: "Ich werde zukünftig wohl mehr laufen, aber das kann ja nicht schaden."

jon

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insgesamt 24 Beiträge
1. Benachbart ?
traumflieger 20.02.2012
Was ist eigentlich eine benachbarte Stadt ? Seit wann sind Halle und Rostock benachbart? Um von einer Stadt in die andere zu fahren, muss man 3 Bundesländer durchfahren und insgesamt 360 km schaffen. Von Hamburg nach Rostock [...]
Was ist eigentlich eine benachbarte Stadt ? Seit wann sind Halle und Rostock benachbart? Um von einer Stadt in die andere zu fahren, muss man 3 Bundesländer durchfahren und insgesamt 360 km schaffen. Von Hamburg nach Rostock sind es übrigens nur 180 km.
2.
darknessangel 20.02.2012
Ich finde nichts davon falsch was der Professor gemacht hat! Warum sollte das verboten sein? Verletzung der Privatsphäre gibt es nicht, es muss ja überwacht werden... ich finde kein Unterschied zwischen eine Kamera oder 2-5 [...]
Zitat von sysopPublic Viewing der anderen Art: Weil es einem Mathematik-Professor an der Uni Rostock bequem erschien, filmte er seine Studenten während einer Prüfung und projizierte die Bilder auf die Leinwand des Hörsaals. Für den Hochschullehrer gab es nun Schelte von der Uni - und Spott von Kollegen. Big Brother*im Hörsaal: Professor überwachte*Klausur mit Kamera - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,816430,00.html)
Ich finde nichts davon falsch was der Professor gemacht hat! Warum sollte das verboten sein? Verletzung der Privatsphäre gibt es nicht, es muss ja überwacht werden... ich finde kein Unterschied zwischen eine Kamera oder 2-5 Assistenten die den Saal durchwandern. Druck? Sollte dasselbe sein. Piepsen der Kamera vs. Schuhgeräusche = dasselbe. Missbrauch sehe ich auch nicht. Eine ordentliche Überwachung der Prüfungen gehört auch zur Lehre! Oder übersehe ich irgendein wichtiges Argument
3. Ich bin nun
felisconcolor 20.02.2012
nicht gerade für meinen Großmut bezüglich Überwachung bekannt. Aber hier wird wieder eine Sau durchs Dorf getrieben die keine ist. Erstens Überwachung findet statt. Ob nun durch den wandernden Prof / Assistenten oder mit [...]
Zitat von sysopPublic Viewing der anderen Art: Weil es einem Mathematik-Professor an der Uni Rostock bequem erschien, filmte er seine Studenten während einer Prüfung und projizierte die Bilder auf die Leinwand des Hörsaals. Für den Hochschullehrer gab es nun Schelte von der Uni - und Spott von Kollegen. Big Brother*im Hörsaal: Professor überwachte*Klausur mit Kamera - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,816430,00.html)
nicht gerade für meinen Großmut bezüglich Überwachung bekannt. Aber hier wird wieder eine Sau durchs Dorf getrieben die keine ist. Erstens Überwachung findet statt. Ob nun durch den wandernden Prof / Assistenten oder mit der Saalkamera und dann durch den anwesenden Prof. Zweitens sind die Bilder der Kameras innerhalb des Lehrsaales geblieben und nicht an oder über Dritte gegangen. Taktisch klug wäre gewesen die Studenten vor der Klausur darauf hinzuweisen das die Veranstaltung unter Zuhilfenahme der Saalkamera anstatt durch den durch die Reihen geisternden Prof überwacht wird. Mit dem hinweis sich dann auch besser um einzelne Fragen der Prüflinge zu kümmern. Hätte sich niemand drüber aufgeregt. Wie überall, Transparenz ist das Stichwort.
4. Minister, bitte, Minister!
oui 20.02.2012
Dieser Mann sollte Forschungs- und Bildungsminister werden, nicht eine Theologin!
Zitat von sysopPublic Viewing der anderen Art: Weil es einem Mathematik-Professor an der Uni Rostock bequem erschien, filmte er seine Studenten während einer Prüfung und projizierte die Bilder auf die Leinwand des Hörsaals. Für den Hochschullehrer gab es nun Schelte von der Uni - und Spott von Kollegen. Big Brother*im Hörsaal: Professor überwachte*Klausur mit Kamera - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,816430,00.html)
Dieser Mann sollte Forschungs- und Bildungsminister werden, nicht eine Theologin!
5. Kamera
ASDFZUIOP 20.02.2012
Auch die Kamera sieht nicht alles. Gemein wäre es nur, wenn das im Nachhinein ausgewertet wird, um Abschreiber und Spickzettel-Benutzer zu enttarnen. Man sollte den Studenten doch zumindest theoretisch die Möglichkeit lassen ;) [...]
Auch die Kamera sieht nicht alles. Gemein wäre es nur, wenn das im Nachhinein ausgewertet wird, um Abschreiber und Spickzettel-Benutzer zu enttarnen. Man sollte den Studenten doch zumindest theoretisch die Möglichkeit lassen ;) Fehlt bloß noch, dass Mitschnitte der Live-Prüfungswebcam statt Altklausuren ins Netz gestellt werden.

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