Lade Daten...
23.02.2012
Schrift:
-
+

Campusmaut in Österreich

Unis kündigen Rückkehr der Studiengebühren an

Universität Wien

Universität Wien: Nach der Sommerpause wird wieder kassiert

Im Sommer fallen in Österreich alle Studiengebühren weg, aber die Freude währt nur kurz: Weil die Regierung kein neues Gesetz zustande bringt, kassieren vier große Universitäten ab Herbst auf eigene Faust. Betroffen ist zunächst, wer lange studiert. Kommt die allgemeine Studienmaut zurück?

Ab dem Wintersemester 2012/2013 will die Universität Wien wieder Studiengebühren für Langzeitstudenten und Hochschüler aus Nicht-EU-Staaten erheben. Die größte Universität Österreichs plant ab Herbst für diese Gruppen wieder einen Beitrag von 363,36 Euro pro Semester. Mit der Entscheidung folge man in der Bundeshauptstadt den anderen renommierten Universitäten in Salzburg, Innsbruck und Graz, sagt eine Sprecherin der Universität.

Die Hochschulen sehen Handlungsbedarf, da es seit einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs im vergangenen Jahr eine unklare Gesetzgebung zum Thema Studiengebühren in Österreich gibt. Im Jahr 2008 waren die Gebühren zunächst für die meisten Studenten abgeschafft worden. Nur Hochschüler aus Nicht-EU-Ländern und diejenigen, die die Regelstudienzeit um mehr als zwei Semester überschritten hatten, wurden weiter zur Kasse gebeten.

Auf Grund unpräziser Formulierungen und der Umstellung auf das Bologna-System kassierte der Verfassungsgerichtshof 2011 den entsprechenden Gesetzestext und forderte bis zum 1. März dieses Jahres Nachbesserungen. Allerdings konnte sich die Regierung bis dahin nicht zu einer Entscheidung durchringen, weshalb im Sommersemester 2012 niemand mehr bezahlen muss. Damit fehlen den österreichischen Universitäten auf das Jahr gerechnet rund 35 Millionen Euro, an der Uni Wien seien es allein neun Millionen Euro, sagte eine Sprecherin.

"Unverantwortlichen Aufruf"

Die Reform der Gebührenregelung ist schon seit Jahren Streitthema in der Großen Koalition in Österreich: Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP), 2009 noch Rektor der Universität Innsbruck, forderte sogar von Deutschland Ausgleichszahlungen wegen einem steigenden Andrang an österreichischen Bildungseinrichtungen. Laut Statistischem Bundesamt studieren zurzeit etwa 24.000 Deutsche im südlichen Nachbarland. Insgesamt waren im Wintersemester 2010/2011 in Österreich 350.000 Studenten an öffentlichen und privaten Hochschulen eingeschrieben.

Inzwischen möchte Töchterle die Universitäten am liebsten selbst über die Frage von Studiengebühren entscheiden lassen. Die Sozialdemokraten (SPÖ) halten die Idee dagegen für einen "unverantwortlichen Aufruf". Andrea Kuntzl, wissenschaftspolitische Sprecherin der SPÖ-Parlamentsfraktion, kritisierte die Position des konservativen Koalitionspartners heftig.

Von der Universität Wien heißt es, man könne auf das Geld nicht verzichten und benötige deshalb eine klare gesetzliche Regelung. Die Studiengebühren für Langzeitstudenten und sogenannte Nicht-EU-Ausländer ab Herbst wieder nach dem alten System einzufordern sei deshalb "rechtlich eine spannende Frage", sagte die Pressesprecherin der Uni Wien.

Die österreichischen Hochschülerschaft ÖH hat angekündigt, alle Studenten zu unterstützen, die gegen die wiedereingeführten Gebühren klagen wollen. Auch weitere rechtliche Möglichkeiten werden von der landesweiten Studentenvertretung zurzeit geprüft.

jon

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
1. Österreich muss sparen
hardliner1 23.02.2012
Im österreichischen Parlament wurde heute über ein Sparpaket diskutiert, das den Haushalt bis 2016 um rund 26 Milliarden Euro entlasten soll (Hintergrund ist auch der Verlust des Triple A). Betroffen sind viele Guppen wie [...]
Zitat von sysopIm Sommer fallen in Österreich alle Studiengebühren weg, aber die Freude währt nur kurz: Weil die Regierung kein neues Gesetz zustande bringt, kassieren vier große Universitäten aber Herbst auf eigenen Faust. Betroffen ist zunächst, wer lange studiert. Kommt die allgemeine Studienmaut zurück? Campusmaut in Österreich: Unis kündigen Rückkehr der Studiengebühren an - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,817074,00.html)
Im österreichischen Parlament wurde heute über ein Sparpaket diskutiert, das den Haushalt bis 2016 um rund 26 Milliarden Euro entlasten soll (Hintergrund ist auch der Verlust des Triple A). Betroffen sind viele Guppen wie Rentner oder Beamte. Ich denke, vor diesem Hintergrund wird man in der Alpenrepublik nicht um Studiengebühren herumkommen. Und zwar nicht nur für Langzeitstudenten. Abmildern kann man die Regelung durch ein System von Stipendien.
2. Stipendien für alle?
phantomias 04.03.2012
Stipendien sind stets nur für einige wenige Studenten. Ein Studium muss auch für mittelmäßige Studenten aus ärmeren Familien ohne größere Probleme finanzierbar sein.
Zitat von hardliner1Im österreichischen Parlament wurde heute über ein Sparpaket diskutiert, das den Haushalt bis 2016 um rund 26 Milliarden Euro entlasten soll (Hintergrund ist auch der Verlust des Triple A). Betroffen sind viele Guppen wie Rentner oder Beamte. Ich denke, vor diesem Hintergrund wird man in der Alpenrepublik nicht um Studiengebühren herumkommen. Und zwar nicht nur für Langzeitstudenten. Abmildern kann man die Regelung durch ein System von Stipendien.
Stipendien sind stets nur für einige wenige Studenten. Ein Studium muss auch für mittelmäßige Studenten aus ärmeren Familien ohne größere Probleme finanzierbar sein.

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Fotostrecke

Verwandte Themen

Fotostrecke

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter RSS
alles zum Thema Studiengebühren
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten