16.05.2012
Angst vor Anti-Banken-Protest
Uni Frankfurt blockiert sich selbst
Leg dich selbst lahm, bevor es andere tun - dieses Motto könnte die Uni Frankfurt am Main zu folgendem Entschluss veranlasst haben: Von Mittwochabend bis einschließlich Sonntag schließt die Uni sämtliche Pforten - aus Angst vor Blockupy-Demonstranten.
"Die Polizei hat uns Erkenntnisse präsentiert, die eine Schließung nahe gelegt haben", sagt Olaf Kaltenborn, der Pressesprecher der Uni. "Leider ist es anders nicht möglich, ihren Schutz zu gewährleisten, nachdem gewaltsame Ausschreitungen im Stadtgebiet nicht auszuschließen sind", heißt es auf der offiziellen Facebook-Seite der Uni.
Auf einer Pressekonferenz hatte die Polizei am Dienstag auf die Gefahr hingewiesen, die von den Protesten ausgehen könnte: Sie rechnet damit, dass rund 2000 gewaltbereite Demonstranten anreisen.
Studentenvertreter: "Apokalyptisches Szenario, das der Realität entbehrt"
Am Mittwochvormittag hatte die Polizei das Protestcamp der Occupy-Bewegung vor dem Gebäude der Europäischen Zentralbank geräumt. Dort hatten die Demonstranten seit mehreren Monaten und auch während der eisigen Winterwochen ausgeharrt. Rund 40 Organisationen haben von Mittwoch bis Samstag in Frankfurt zu Protesten gegen die Krisenpolitik von der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds aufgerufen, darunter auch Aktivisten der Occupy-Bewegung und von Attac. Sie wollen Plätze der Innenstadt besetzen und das Bankenviertel größtenteils blockieren. Die Stadt hatte die Proteste verboten, sie seien eine "unmittelbare Gefährdung beziehungsweise Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung".
Die Uni hatten die Demonstranten demnach bislang nicht im Visier. "Es ist aber nicht abzuschätzen, wie sich die Proteste entwickeln", begründete der Sprecher der Uni die vorsorgliche Verriegelung.
Studentenvertreter reagieren darauf verärgert: "Die aktuelle Berichterstattung beschwört ein apokalyptisches Szenario herauf, das der Realität entbehrt", teilt AStA-Vorsitzender David Malcharczyk mit. Die Universität reihe sich "in die allgemeine Hysterie und den präventiven Verbots- und Sicherheitswahn" ein. Dass man Studenten und Mitarbeiter aus der Universität aussperre, sei nicht hinnehmbar.
Ähnlich äußerte sich auch die Juso Hochschulgruppe: "Es ist bedauerlich und beschämend, dass sich das Präsidium der allgemeinen Hysterie um Blockupy anschließt", sagt der studentische Senator Dominik Delp. "Es besteht weder eine Bedrohung des Lehrbetriebs noch der Universität." Dadurch würden zahlreiche Seminare und Prüfungen ausfallen, sagen die Studentenvertreter, darunter ein Seminar zu Persönlichkeitsrechten in China.
fln

