25.05.2012
Platz eins im DFG-Ranking
Berlin hängt München bei Forschungsgeldern ab
Haupteingang der Humboldt-Universität zu Berlin: Verbessert auf Platz acht
Berlin - Berlin zieht an. Nicht nur Studenten wollen unbedingt in die Hauptstadt, auch die Hochschulen und wissenschaftlichen Institute wachsen. So ist Berlin laut DFG-Förderatlas 2012 zur forschungsstärksten Region Deutschlands aufgestiegen. Mit 631 Millionen Euro eingeworbener Mittel allein aus dem Etat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in den Jahren 2008 bis 2010 lässt Berlin die Region München mit 586 Millionen Euro erstmals hinter sich auf Platz zwei.
Beim letzten DFG-Förderranking für die Jahre 2005 bis 2007 lagen München und Berlin noch gleichauf. Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen und die gute Vernetzung der Universitäten mit diesen mache die Regionen zudem stark, teilte die DFG mit. Zu den weiteren forschungsstarken Regionen in Deutschland zählen Aachen-Bonn-Köln, Hannover-Braunschweig-Göttingen, Rhein-Neckar und Rhein-Main.
Die einzelnen Universitäten betrachtet, liegt die Technische Hochschule Aachen beim Einwerben von DFG-Forschungsgeldern erneut auf Platz eins. Zwischen 2008 und 2010 bekamen allein die Aachener Wissenschaftler 278 Millionen Euro für verschiedene Forschungsprojekte bewilligt. Auf dem zweiten Platz folgt die Universität München mit 264 Millionen Euro. Professoren der Freien Universität Berlin warben 251 Millionen Euro ein, damit verbesserte sich die Universität von ihrem bisherigen fünften auf den dritten Platz bundesweit. Die Humboldt-Universität Berlin stieg um zwei Plätze auf Rang acht auf, die TU Berlin belegt den 26. Platz (vorher 27.).
DFG-Chef: "Deutliches Unbehagen gegen ausufernden Wettbewerb"
Zum guten Abschneiden der Hauptstadtregion passt auch, was die Humboldt-Stiftung unlängst meldete: Bei ausländischen Wissenschaftlern, die mit einem Stipendium der Stiftung nach Deutschland kommen, ist Berlin inzwischen das beliebteste Ziel. Der Standort profitiert dabei offenbar auch von seinen Wissenschaftlerinnen: An allen drei Berliner Universitäten liegt der Frauenanteil an den Professuren und Wissenschaftlerstellen deutlich über den Durchschnittswerten. Zu den zehn Spitzenreitern bei diesem regelmäßigen Ranking zur Hochschulforschung gehören außerdem die Universitäten Heidelberg und Freiburg, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und die Hochschulen Göttingen und Erlangen-Nürnberg.
Insgesamt stiegt der sogenannte Drittmittel-Anteil für Forschungszwecke von Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen zwischen 1998 und 2010 um mehr als 100 Prozent - von 2,5 Milliarden Euro auf über 5,3 Milliarden Euro pro Jahr. Dabei sind die laufenden Grundmittel der deutschen Hochschulen zwischen 1998 und 2010 nur moderat angewachsen, nämlich von 12,6 auf 15,5 Milliarden Euro.
Damit hat sich die "Drittmittelquote", also der Anteil der Drittmittel an der Gesamtfinanzierung der Hochschulen und ihrer Forschungen, in nur gut einem Jahrzehnt von 16 auf 26 Prozent erhöht. Für weite Teile des Wissenschaftssystems sei heute der Wettbewerb um Forschungsmittel zum ganz selbstverständlichen Alltag und zur puren Notwendigkeit geworden, sagte DFG-Präsident Matthias Kleiner. Wettbewerb sei zwar eine der Triebfedern der Wissenschaft. Inzwischen aber gebe es ein "deutlich zu vernehmendes Unbehagen gegen einen ausufernden Wettbewerb".
Um den Wettbewerbsdruck in der Wissenschaft zu mindern, fordert Kleiner eine Erhöhung der Grundausstattung. Auch der Wissenschaftsrat hatte kürzlich auf die zunehmende Diskrepanz zwischen Drittmitteln und Basisfinanzierung, für die die Länder zuständig sind, aufmerksam gemacht. Die DFG erhält die im Wettbewerb zu vergebenen Forschungsmittel inzwischen zu einem überwiegenden Teil vom Bund, aber auch von den Ländern.
lgr/dpa