06.06.2012
Junge Briten
Hotel Mummy sticht Eigenheim
Student in London: Freundin drücken, und dann heim zur Mama?
"Werden wir zu einer Nation der Muttersöhne und Vatertöchter?", fragte die britische Zeitung "The Guardian". Die neuen Zahlen des nationalen Statistikinstituts ONS sprechen dafür: Fast drei Millionen junge Briten zwischen 20 und 34 wohnten im vergangenen Jahr bei ihren Eltern. Seit 1997 sei diese Zahl um fast 20 Prozent gestiegen.
In gleichen Zeitraum stiegen die Kosten für Eigenheime erheblich - und zwar seit 2002 um 40 Prozent, so ONS. Vielen seien deshalb wahrscheinlich oft nicht mehr in der Lage, sich einen Auszug zu leisten, schreiben die Statistiker. In Großbritannien ist es verbreitet, dass man sich bald nach dem Studium sein erstes Haus finanziert. Dort leben etwa sieben von zehn Menschen in den eigenen vier Wänden, in Deutschland ist es weniger als die Hälfte.
Die Forscher verzeichneten deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Einer von drei Männern und eine von sechs Frauen in der Altersgruppe wohnten bei ihren Eltern, heißt es in dem Bericht vom vergangenen Dienstag. Das liege unter anderem daran, dass sich Frauen eher ältere Partner suchten und deshalb zwischen 20 und 34 oft schon verheiratet oder zumindest fest gebunden seien. Außerdem gingen Frauen öfter studieren und zögen dafür von zu Hause weg.
In Deutschland wohnt jeder vierte Student im Hotel Mama
In London leben landesweit die wenigsten jungen Erwachsenen noch im Elternhaus - etwa jeder Fünfte. Nordirland führt die Tabelle an, dort ist es gut jeder Dritte. Wo genau wie viele Briten ihre Füße unter den elterlichen Esstisch stecken, hat der "Guardian" einer Grafik anschaulich illustriert.
In Nordirland seien die Entfernungen kürzer als in anderen Landesteilen und es sei deshalb leichter möglich, zur Arbeit oder zum Studium zu pendeln. London wiederum ziehe viele Menschen aus weit entfernten Gegenden oder aus dem Ausland an, die dann oft in eine WG zögen, melden die britischen Statistiker.
Generell gilt: Der Anteil der erwachsenen Kinder im Elternhaus nimmt mit steigender Altersklasse ab. Es überrascht nicht, dass sich Menschen Mitte 30 eher eine eigene Wohnung leisten können und eher mit ihrem Partner zusammenleben als Studenten Anfang 20. Unter den 34-Jährigen wohnen nur noch sieben Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen bei ihren Eltern. Unter den 20-Jährigen sind es 64 Prozent der Männer und 46 Prozent der Frauen.
Generell verließen junge Menschen im Nordwesten Europas das Elternhaus früher als in südlichen Ländern wie Spanien oder Italien. Das habe unter anderem damit zu tun, wie viel sie verdienen und wie früh sie eine dauerhafte Beziehung oder eine Ehe eingehen, schreiben die Experten. In Deutschland lebt etwa jeder vierte Student noch bei seinen Eltern - wovon Experten, trotz aller Annehmlichkeiten im Hotel Mama, allerdings abraten.
son