14.06.2012
Exzellenzwettbewerb der Unis
Elite oder Abstieg
Von Frauke Lüpke-Narberhaus und Oliver Trenkamp
Student an der Uni Heidelberg: Wer bleibt Elite, wer nicht?
Klar, sie geben sich zuversichtlich, so kurz vor dem Finale. Am Freitag entscheidet sich, welche Universitäten offiziell zur Elite gehören - und ob einige den Status wieder verlieren. Es geht um die nächste und damit letzte Runde der Exzellenzinitiative: Neun Titelverteidiger und sieben Neu-Bewerber wetteifern um Forschungsmillionen und um das Siegel "Exzellenz-Uni". Wobei die Neu-Bewerber grundsätzlich einen kleinen Vorteil haben, sie müssen Konzepte für die Zukunft vorstellen, die Titelverteidiger auch Erfolge nachweisen.
Was offiziell aus den Unis zu hören ist, sind vor allem Signale der Hoffnung und des Selbstvertrauens: Wir sind optimistisch. Wir glauben an den Erfolg. Wir werden es schon schaffen. Doch während einige Unis als gesetzt gelten, müssen sich andere Sorgen machen - einen Bestandsschutz gibt es nicht. Auch wenn einzelne Bildungspolitiker und Experten mahnen, es sei nicht sonderlich sinnvoll, bisherige Elite-Unis wieder absteigen zu lassen, weil dann die Aufbauarbeit der vergangenen Jahre gefährdet würde.
Dennoch werden wohl nur zwölf Hochschulen den begehrten Elite-Status bekommen bzw. behalten; für mehr dürfte das Geld kaum reichen. Es kann durchaus sein, dass der ein oder andere Titelverteidiger ausscheidet - was sowohl einen Imageschaden bedeutet als auch weniger Geld.
Alle Bewerber um den Elite-Titel und die Titelverteidiger finden Sie hier. mehr...
Die neun Titelverteidiger, die sich in der ersten Phase der Exzellenzinitiative durchgesetzt hatten, stehen in Aachen, Berlin, Freiburg, Göttingen, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz und München. Wer dabei bleibt, darüber entscheiden Wissenschaftler und Politiker gemeinsam, wobei die Wissenschaft ein paar Stimmen mehr hat als die Politik, das Verhältnis ist 39 zu 32.
Wie Wissenschaft und Politik die Gewinner ermitteln
Die Abstimmungsverfahren ist etwas kompliziert. Zunächst teilen Vertreter von Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG) und Wissenschaftsrat die Unis in drei Gruppen ein. Heraus kommt eine Exzellenz-Ampel: grün für Unis, die auf jeden Fall dabei bleiben, gelb für Wackelkandidaten, rot für jene, die keine Chance haben. Die Politik hat versprochen, in der entscheidenden Sitzung am Freitag nur noch über die Wackelkandidaten zu verhandeln.
Offiziell zählen ohnehin nur streng wissenschaftliche Kriterien, doch natürlich fließen spätestens in der Schlussrunde auch politische Faktoren ein - etwa die regionale Verteilung. Schafft es wieder keine Uni aus den neuen Bundesländern? Soll der hohe Norden wieder leer ausgehen? Soll zu den vier Elite-Unis in Baden-Württemberg noch eine fünfte hinzukommen?
Groß war bereits der Aufschrei, als in der ersten Exzellenz-Runde vor fünf Jahren nur die beiden Münchner Universitäten TU und LMU sowie die Universität Karlsruhe (TH) mit dem Elite-Titel bedacht wurden. Schleswig-Holstein und einige andere Länder erwogen sogar, die Initiative in letzter Sekunde scheitern zu lassen, weil sie sich nicht ausreichend berücksichtigt sahen.
In der nächsten Runde verteilten sich die Titel dann deutlich gleichmäßiger über die Republik, der Norden war besänftigt, der Osten aber ging wieder weitgehend leer aus - bis auf Berlin. Dort treten jetzt gleich zwei Universitäten an: Die Freie Universität, die ihren Titel verteidigen will, und die Humboldt Universität, die sich erfolgreich durch die Vorrunde kämpfte. Hier ist es durchaus fraglich, welche Hauptstadt-Uni sich künftig mit dem Elite-Siegel schmücken darf - oder ob es doch beide schaffen. Beim letzten Mal warf immerhin der erfahrene Bildungspolitiker Jürgen Zöllner sein politisches Gewicht für Berlin in die Waagschale, diesmal wird die Hauptstadt vertreten von einer Senatorin, die noch kein Jahr im Amt ist.
Wie die Milliarden verteilt werden
An der FU macht man sich dennoch Mut. Ein Sprecher verweist auf gute Platzierungen in Rankings, auf Erfolge beim Einwerben von Drittmitteln, auf die eigene Forschungsstärke - und verweist Prognosen ins "Feld des Spekulativen". Er sagt aber auch: "Es wäre selbstverständlich eine große Enttäuschung, wenn die nächste Runde weniger erfolgreich verläuft." Aber man bleibe in jedem Fall eine exzellente Uni. Doch gerade in Berlin, wo die Unis um ihre Finanzierung heftig mit der Politik streiten müssen, wäre der Wegfall von Exzellenz-Millionen ein harter Schlag.
Das Geld für die Exzellenzinitiative - insgesamt rund 2,7 Milliarden Euro - wird aber ohnehin nicht nur in die Zukunftkonzepte gesteckt, also den Elite-Wettbewerb. Die Verteilung der Mittel ist kompliziert, insgesamt gibt es drei Förderlinien. Zum einen fördern Bund und Länder die Zukunftskonzepte, zum anderen Graduiertenschulen und drittens sogenannte "Exzellenzcluster", also fachübergreifende Forschungsprojekte. Wer also mit seinem Zukunftskonzept nicht erfolgreich ist, kann durchaus mit Graduiertenschulen und Clustern dabei bleiben, darf sich aber nicht "exzellent" nennen.
Pragmatisch gibt man sich denn auch an den anderen Titelverteidiger-Unis, die als Wackelkandidaten gelten. Die Präsidentin der Uni Göttingen, Ulrike Beisiegel, etwa sagt: "Sollten wir mit unserem Zukunftskonzept nicht erfolgreich sein, werden wir überlegen, welche Inhalte sich trotzdem realisieren lassen." An der Uni Konstanz, die sich gegen vier andere baden-württembergische Hochschulen behaupten muss, will sich Rektor Ulrich Rüdiger nicht an Spekulationen beteiligen: "Wahrscheinlichkeiten helfen hier nicht weiter." Ähnlich hält es die Uni Freiburg, die auch immer wieder als Wackelkandidat genannt wird: "Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen", teilt der Sprecher mit und verweist auf Erfolge der letzten Jahre.
Für eine nicht ganz unwichtige Gruppe an den Unis hat sich durch die Exzellenzinitiative bislang eh nicht viel geändert: für die Studenten. Die grundständige Lehre durfte nicht mit Exzellenz-Geld finanziert werden, Spitzenforscher wurden zum Teil von ihrer Lehrverpflichtung entbunden, die Hörsäle sind zum Teil noch immer überfüllt, die Betreuung vieler Studenten schlecht. Immerhin: In dieser Runde sollte auch die Lehre berücksichtigt werden.