29.06.2012
Exzellenz-Uni-Gutachter im Interview
"Das Niveau ist bemerkenswert hoch"
Leuchtturmsuche vorerst abgeschlossen: Die Exzellenzinitiative ist zu Ende
Frage: Herr Braunstein, Sie haben etliche Wochen mit vielen Diskussionen hinter sich. Wie viel Arbeit war es, aus 16 Anträgen für den Elite-Titel die besten herauszufiltern und die Sieger-Universitäten zu küren?
Braunstein: Jedenfalls deutlich mehr, als ich mir vorgestellt hatte. Dazu gehörten ja nicht nur die Besuche vor Ort und die Treffen der Kommissionen - sondern vor allem die Zeit, die ich mit Lesen verbrachte. Die Anträge waren sehr dicht und umfangreich, ich habe unglaublich viel gelernt. Uns kam dabei zugute, dass das ganze Verfahren sehr gut strukturiert und vorbereitet war. Nach kurzer Zeit wussten wir, wo in den Anträgen was zu finden war. Für die Vorbereitung der Besuche vor Ort war das sehr wichtig.
Frage: Wie lief eine solche Begehung ab?
Braunstein: Wir haben uns am Abend vorher getroffen, damit die Gutachter sich kennenlernen und durch eine Vorstellung des Programms Exzellenzinitiative mit dem Verfahren noch besser vertraut gemacht werden konnten. Dadurch konnten sie ihre Eindrücke zum Antrag effizienter diskutieren und schneller zu einer gemeinsamen Einschätzung kommen. Ich war als Berichterstatter der Auswahlkommissionen dabei, hörte zu und stellte Fragen. Es war schon spannend zu sehen, was den Kollegen im Einzelnen aufgefallen ist.
Frage: Was denn?
Braunstein: Da kamen alle Themen auf den Tisch, die aktuell wichtig sind - von Gender-Aspekten bis zur Verwaltungsstruktur, von der Nachwuchsförderung bis zu konkreten Forschungsvorhaben. Jede Uni hatte einen standardisierten und sehr umfangreichen Fragebogen erhalten und konnte sich gezielt vorbereiten. So hatte man schnell eine Basis, auf der diskutiert werden konnte. Man musste bei einer solchen Begehung die unterschiedlichsten Kompetenzen durch die Gutachtergruppe abdecken. Die meisten Gruppen hatten zehn bis zwölf Mitglieder, in der großen Mehrheit ausländische Experten. Die musste man erstmal unter einen Hut bekommen.
Frage: Wie haben Sie sich vorbereitet?
Braunstein: Es gab Treffen im Vorfeld. Da wurden nicht nur die Abläufe erklärt, sondern auch Details der Arbeit durchgesprochen. An der Stelle muss ich einfach auch mal der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrats ein großes Lob aussprechen. Wir wurden von dort aus immer gut betreut. Die professionelle Organisation hat zum Erfolg der Exzellenzinitiative einen großen Teil beigetragen.
Frage: Wie haben Sie sich überzeugen lassen, als Kommissionsmitglied dabei zu sein? Zu viel Freizeit haben Sie ja wahrscheinlich nicht.
Braunstein: (lacht) Vielleicht lerne ich einfach nur zu langsam, Nein zu sagen? Aber im Ernst: Ich war als Postdoc als Stipendiat der Humboldt-Stiftung an der TU München und habe seitdem viele Kontakte und Freunde in Deutschland gefunden. Wenn dann so eine Anfrage kommt, ist das auch eine Ehrensache. Dazu kommt: Der intensive Blick in ein anderes Land, in andere Forschungseinrichtungen bringt einen selbst weiter. Der frühere Präsident einer US-Universität, der als Gutachter dabei war, hat mir gesagt: "Das hätte ich besser mal früher gemacht - da hätte ich mir für meine eigene Arbeit einiges abschauen können." Das kann ich nur bestätigen: Ich wünsche mir, dass mehr Länder ihre Forschungseinrichtungen so gründlich evaluieren wie Deutschland. "Es war wirklich nicht leicht, einzelne herauszusuchen, die ein klein bisschen besser waren."
Frage: Die Evaluation ist die eine Seite - die andere sind die Ergebnisse. Wie eng war das Feld der 16 Elite-Kandidaten?
Braunstein: Insgesamt lagen die Anträge auf einem bemerkenswert hohen Niveau. Auch wenn natürlich nicht alle gefördert werden können - jeder der Anträge war sehr stark. Da zeigte sich wirklich die große Vielfalt der deutschen Universitäten mit ihren individuellen Stärken. Und manchmal war es auch überraschend und eindrucksvoll, auf welchem Gebiet eine Universität plötzlich Stärke und Innovation zeigte. Es war wirklich nicht leicht, aus diesem breiten Portfolio sehr solider und sehr guter Wissenschaft einzelne Universitäten herauszusuchen, die noch ein kleines bisschen besser waren als die anderen.