24.07.2012
UniSPIEGEL-Kolumne
Veganer-Keile mit der Rinderkeule
Früher gab es in Betriebskantinen und Mensen meist nur einen Schlag Suppe und eine Scheibe Graubrot dazu. Gegessen wurde, was auf den Tisch kam, man störte sich nicht an schlechtem Geschmack und anschließendem Blähbauch. Heute sind Arbeitnehmer und besonders Studenten anspruchsvoller geworden.
Ständig ist ihnen das Servierte zu fett oder zu fad, immer mehr wünschen sich den Einsatz soeben gepflückter Kräuter oder verlangen nach veganem Essen, weshalb derzeit ein Experte durch die Mensen zieht und dem Personal das Kochen ohne tierische Produkte erklärt. Früher hätten die Küchenbullen so einen Besucher mit einer Rinderkeule vermöbelt, genau wie die Flegel, die mit Essen spielen und daraus Kunstwerke drapieren.
Derlei Zeiten sind glücklicherweise vorbei, der Gelsenkirchener Asta hätte mit Blick auf sein Verhältnis zu Lebensmitteln aber zumindest eine zarte Ohrfeige verdient. Er rief die Kommilitonen auf, der Mensa einen Tag fernzubleiben, unter anderem, weil das Essen dort geschmacklich und ökologisch nichts tauge. Stattdessen wurden im Innenhof Folienkartoffeln ausgegeben, dazu legte ein DJ auf, weil das Ohr ja schließlich mitisst.
Die Mensa-Küche wurde erst am Morgen des Streiks vom AStA informiert, bis dahin nahm man billigend in Kauf, dass 900 Portionen, gut eine halbe Tonne vorgekochtes Essen, hätten entsorgt werden müssen. Glücklicherweise las ein Küchenmitarbeiter auf Facebook von dem geplanten Coup, so konnte das Essen im letzten Moment eingefroren werden. Ob die Küchenchefs sehnsüchtig an Rinderkeulen gedacht haben, ist nicht überliefert.

