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07.08.2012
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Französin in der Türkei

Erasmus-Studentin aus Knast entlassen

Erasmus-Studentin im türkischen Knast: Vorerst frei
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Erol Sevimli

Drei Monate hat sie im Gefängnis gesessen, jetzt ist sie wieder auf freiem Fuß: Die Studentin Sevil Sevimli wuchs in Frankreich auf; für ein Erasmus-Jahr ging sie in die Türkei und wurde dort festgenommen. Jetzt hat ein Gericht sie freigelassen - allerdings nur bis zum eigentlichen Prozess.

Ihre Familie kann aufatmen, jedenfalls vorerst: Wochenlang haben sich die Eltern und andere Angehörige für die Studentin Sevil Sevimli eingesetzt, die in der Türkei in Untersuchungshaft saß. Sie haben Interviews gegeben, E-Mails verschickt, demonstriert, jetzt ist Sevimli erst einmal raus aus dem Knast. Das berichten übereinstimmend mehrere türkische Zeitungen und eine Menschenrechtsorganisation.

Die Vorgeschichte: Sevil Sevimli, Tochter kurdischer Einwanderer aus der Türkei, wuchs in Frankreich auf und studiert eigentlich in Lyon Kommunikationswissenschaft. Im vergangenen Sommer ging sie als Erasmus-Studentin in die Heimat ihrer Eltern. Sie entschied sich für die anatolische Provinz Eskisehir, um das Land besser kennenzulernen.

Anfang Mai nahmen türkische Sicherheitskräfte die junge Frau mit der doppelten Staatsbürgerschaft dann fest, gemeinsam mit anderen Studenten. Der Vorwurf: Sie habe Verbindungen zu einer Terror-Organisation. Sevil Sevimli hatte zuvor das Konzert einer linken Band besucht und war bei einer Demo mitmarschiert.

Seitdem saß Sevimli in Untersuchungshaft, drei Monate lang. Der Fall ging durch die französische Presse - und zeigte erneut, wie rabiat die Türkei mit politisch aktiven Studenten umgeht. Möglich sind solche Anklagen, weil sich die harschen Anti-Terror-Gesetze in der Türkei sehr beliebig interpretieren lassen.

Den Berichten zufolge, unter anderem in der türkischen Zeitung "Cumhuriyet", darf Sevil Sevimli jetzt bis zum Prozess auf freiem Fuß bleiben. Der sei für den 26. September angesetzt, schreibt die Zeitung, dann solle die Anklageschrift verlesen werden.

Auch wegen Sevimlis doppelter Staatsbürgerschaft ist der Fall brisant, wie unter anderem die französische Zeitung "Le Monde" geschrieben hatte. Die türkische Justiz sieht sie als Türkin, Frankreich als Französin. Dementsprechend groß ist die Empörung: Familie, Freunde, selbst der Uni-Rektor - sie alle hatten verlangt, dass die Studentin freikommt.

otr/AP

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insgesamt 14 Beiträge
1. die kurdische Frage
vepchi 07.08.2012
In den Balkanstaaten Griechenland, Serbien, Montenegro, Kroatien, Bosnien-Herzegovina, Albanien spricht man bis heute in der Geschichtsschreibung vom fünfhundertjährigen Befreiuungskampf von türkischer Herrschaft. Es gibt in [...]
In den Balkanstaaten Griechenland, Serbien, Montenegro, Kroatien, Bosnien-Herzegovina, Albanien spricht man bis heute in der Geschichtsschreibung vom fünfhundertjährigen Befreiuungskampf von türkischer Herrschaft. Es gibt in diesen Ländern kaum ein Problem, das sich nicht mit diesem Befreiuungskampf in Verbindung bringen ließe. Die Türken haben also genügend historische Erfahrung sammeln können, wie man kleine Völker unterdrückt - wenn auch letztlich erfolglos. MIt den auf den gesamten Vorderen Orient verteilten Kurden steht es heute nicht besser. Es ist noch keine 20 Jahre her, dass jeder, der behauptete, Kurdisch sei eine eigenständige Sprache in der Türkei im Gefängnis landete. Auch die jetzige Verhaftung der kurdischstämmigen französischen Gaststudentin wird die Aufmerksamkeit der Welt nur erneut auf diese "ewige" türkische Wunde lenken und das jahrhundertelang geübte Verfahren, dieses Problem auch heute noch mit den Methoden frühmittelalterlicher asiatischer Steppenvölker lösen zu wollen.
2.
karsten rohde 07.08.2012
Es ist keine "kurdischstaemmige franzoesische Gaststudentin". Es ist eine tuerkische Staatsbuergerin.
Es ist keine "kurdischstaemmige franzoesische Gaststudentin". Es ist eine tuerkische Staatsbuergerin.
3. doppelte Staatsangehörigkeit
Emil Peisker 08.08.2012
Sie hat die französische Staatsangehörigkeit und ist in Lyon aufgewachsen. Sie hat ihre türkische Staatsangehörigkeit behalten. Manchmal bringt die doppelte Staatsangehörigkeit keine Vorteile.
Zitat von karsten rohdeEs ist keine "kurdischstaemmige franzoesische Gaststudentin". Es ist eine tuerkische Staatsbuergerin.
Sie hat die französische Staatsangehörigkeit und ist in Lyon aufgewachsen. Sie hat ihre türkische Staatsangehörigkeit behalten. Manchmal bringt die doppelte Staatsangehörigkeit keine Vorteile.
4. Dumm gelaufen
leser008 08.08.2012
Die doppelte Staatsbürgerschaft ist normalerweise dazu da, um Betrügereien, Steuerhinterziehungen o.ä. zu ermöglichen. Hier ging das mal nach hinten los. Ich weiss ja nicht, was für einen HalloVerteidiger die Studentin so [...]
Zitat von Emil PeiskerSie hat die französische Staatsangehörigkeit und ist in Lyon aufgewachsen. Sie hat ihre türkische Staatsangehörigkeit behalten. Manchmal bringt die doppelte Staatsangehörigkeit keine Vorteile.
Die doppelte Staatsbürgerschaft ist normalerweise dazu da, um Betrügereien, Steuerhinterziehungen o.ä. zu ermöglichen. Hier ging das mal nach hinten los. Ich weiss ja nicht, was für einen HalloVerteidiger die Studentin so hat, aber als erstes hätte ich mich noch im Knast darum gekümmert, wie ich den türkischen Pass loswerde. Ich weiss eh nicht, was der in Frankreich bringen soll, ausser Diskriminierung und Verdächtigung. Türken haben in F. ein selten schlechtes Image.
5. Und die EU sieht zu
Hauke_Laging 08.08.2012
Warum wird nicht in solchen Fällen sofort für die nächsten 15 Jahre ein Einreiseverbot in die gesamte EU für alle Personen verhängt, die an diesen Verfahren beteiligt sind (Polizisten, Staatsanwälte, Vorgesetzte, ggf. (sofern [...]
Warum wird nicht in solchen Fällen sofort für die nächsten 15 Jahre ein Einreiseverbot in die gesamte EU für alle Personen verhängt, die an diesen Verfahren beteiligt sind (Polizisten, Staatsanwälte, Vorgesetzte, ggf. (sofern bekannt) die Anzeigenden)? Diese Liste sollte natürlich öffentlich einsehbar sein. Solche Leute wollen wir nicht auf freiheitlichem Boden. Manch einer mag das ja als Adelung seiner wertvollen Arbeit ansehen, aber es wird auch Leute geben, die nicht auf diese schwarze Liste wollen, zumal die womöglich dann in der Türkei als offizielle Verbrecher ausgelacht werden.

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