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15.11.2012
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FDP-Newcomer vs. Steinmeier

"Er wird mich schon nicht fressen"

FDP-Politiker Max Koziolek: "Einen richtigen Plan habe ich noch nicht"

Der Jura-Student Max Koziolek, 23, tritt im Bundestagswahlkampf als Direktkandidat der FDP an - gegen den ehemaligen Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier. Im Interview erklärt er, wie es dazu kam und bei welchen Themen er der SPD Kontra geben will.

SPIEGEL ONLINE: Herr Koziolek, wo sind Sie denn, es ist so laut bei Ihnen?

Koziolek: Ich bin in der Cafeteria meiner Universität, aber ich gehe mal kurz raus. Es ist gerade ganz schön was los bei mir, am Wochenende wurde ich bei der Landesversammlung auch noch auf Platz zwei der Landesliste gewählt.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind 23 Jahre alt und treten für die FDP als Direktkandidat für den Bundestag gegen Frank-Walter Steinmeier an. Warum?

Koziolek: Nun, ganz einfach, weil ich im Wahlkreis 60 dafür aufgestellt wurde. Unser aktueller Bundestagsabgeordneter tritt nicht mehr an und er hat mich als Nachfolger vorgeschlagen. Es wurde dann in den Kreisverbänden besprochen und keiner hatte Bedenken. Vielleicht ist mein Mangel an Erfahrungen im Politikbetrieb auch ganz hilfreich, und den Leuten gefällt ein junges engagiertes Gesicht.

Sprechen Sie Politik?
SPIEGEL ONLINE: Wie sieht denn Ihre Wahlkampftaktik gegen den ehemaligen Kanzlerkandidaten aus?

Koziolek: Einen richtigen Plan habe ich noch nicht. Aber wir haben demnächst Klausurtagung und dann werde ich mir was überlegen. Ich wünsche mir viele bunte Aktionen, vielleicht auch etwas Guerilla-Marketing. Wahlkampf muss ja nicht immer nur am Infostand in der Fußgängerzone stattfinden. Das wäre wohl auch meinem Alter nicht entsprechend.

SPIEGEL ONLINE: Mal ehrlich: Sie haben doch keine Chance.

Koziolek: Ich mache mir auch keine Illusionen. Aber ich möchte zeigen, was liberale Politik ist und bin neugierig, wie die Menschen reagieren und wie sich überhaupt so ein Wahlkampf anfühlt. Aber natürlich bin ich auch auf das Ergebnis gespannt.

SPIEGEL ONLINE: Bei welchen Themen können Sie dem Kollegen Steinmeier denn Paroli bieten?

Koziolek: Mein Hauptanliegen ist die Konsolidierung der Haushalte, aber auch bei dem Thema soziale Gerechtigkeit kenne ich mich ganz gut aus. Ich freue mich schon jetzt auf die Diskussionen mit Steinmeier. Ich habe keine Angst, er wird mich schon nicht fressen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind jetzt im siebten Semester, wollen Sie sich nicht lieber auf Ihr Studium konzentrieren?

Koziolek: Mein Berufsziel ist nicht Politiker, aber ich verbringe sehr viel Zeit mit Politik. Machen Sie sich aber keine Sorgen, ich bin wachsam und will meine Ausbildung deswegen nicht vernachlässigen. Sollte es über die Landesliste mit einem Bundestagsmandat funktionieren, dann bedeutet das eben noch mehr Arbeit und schlaflose Nächte. Ich bin jetzt aufgestellt und möchte niemanden enttäuschen.

Das Interview führte Jonas Leppin

Forum

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insgesamt 46 Beiträge
1. ..........
janne2109 15.11.2012
Mutig und prima, wahrscheinlich wird er, da dem Studium noch nicht entrückt, wissen was liberale Politik wirklich ist.
Mutig und prima, wahrscheinlich wird er, da dem Studium noch nicht entrückt, wissen was liberale Politik wirklich ist.
2. Süßer Guerillero
der-denker 15.11.2012
Man fragt sich ja immer wieder was um Himmels willen einen jungen Menschen bewegen kann ausgerechnet in die FDP einzutreten. Eine echte Antwort fehlt mir nach wie vor. Außer Netzwerk aufbauen und die eigene Karriere befördern [...]
Man fragt sich ja immer wieder was um Himmels willen einen jungen Menschen bewegen kann ausgerechnet in die FDP einzutreten. Eine echte Antwort fehlt mir nach wie vor. Außer Netzwerk aufbauen und die eigene Karriere befördern natürlich. Aber Ideale? Leider erfährt man über Inhalte hier auch nichts. Über die Form schon eher: Guerilla-Marketing! Umwerfend diese Kombination. Marketing passt perfekt zur FDP, und Guerilla ist supercool! Klingt auch schon ein bisschen nach Che und sozialer Gerechtigkeit, mit der er sich ja "auskennt". Steinmeier als Architekt von HartzIV könnte durchaus auch von einem solchen FPD-Companero noch links überholt werden. Er sollte sich noch einen Bart wachsen lassen, - noch nicht mitbekommen dass das auch cool und angesagt ist?
3. oh jeh
jamesbrand 15.11.2012
liberale Politik, das heist doch gegen die Intressen von 80% der Bevölkerung.
liberale Politik, das heist doch gegen die Intressen von 80% der Bevölkerung.
4.
sprechweise 15.11.2012
Das ist nicht ganz richtig. 80% der Bevölkerung lassen sich von anderen Parteien und Ihren Programmen blenden und verarschen ;-) Oder glaubt jemand, dass der, mit dem Auftreten der technikfeindlichen Grünen, begonnenden [...]
Zitat von jamesbrandliberale Politik, das heist doch gegen die Intressen von 80% der Bevölkerung.
Das ist nicht ganz richtig. 80% der Bevölkerung lassen sich von anderen Parteien und Ihren Programmen blenden und verarschen ;-) Oder glaubt jemand, dass der, mit dem Auftreten der technikfeindlichen Grünen, begonnenden Niedergang der deutschen Wirtschaft im Interesse der deutschen Bevölkerung ist? Oder glaubt jemand, dass die SPD soziale Probleme erfolgreich lösen kann? Offensichtlich waren diese Parteien so erfolgreich, dass andere an die Macht kamen ;-) Oder glaubt jemand, dass die Linken etwas anderes als die gleiche Zustände wie in der DDR erreichen werden? Armut für alle und Schießbefehl an der Grenze? Ohne erfolgreiche Wirtschaft, kein Wohlstand breiter Bevölkerungschichten!
5. :-)
-volver- 15.11.2012
Warum denn nicht? Haben denn nur noch solche Leute gesunden Menschenverstand, welche sich bei den Grünen oder gar der Linken engergieren? Mich erinnert das an einen Artikel in einer bereits älteren SpiegelAusgabe... [...]
Zitat von der-denkerMan fragt sich ja immer wieder was um Himmels willen einen jungen Menschen bewegen kann ausgerechnet in die FDP einzutreten. Eine echte Antwort fehlt mir nach wie vor. Außer Netzwerk aufbauen und die eigene Karriere befördern natürlich. Aber Ideale? Leider erfährt man über Inhalte hier auch nichts. Über die Form schon eher: Guerilla-Marketing! Umwerfend diese Kombination. Marketing passt perfekt zur FDP, und Guerilla ist supercool! Klingt auch schon ein bisschen nach Che und sozialer Gerechtigkeit, mit der er sich ja "auskennt". Steinmeier als Architekt von HartzIV könnte durchaus auch von einem solchen FPD-Companero noch links überholt werden. Er sollte sich noch einen Bart wachsen lassen, - noch nicht mitbekommen dass das auch cool und angesagt ist?
Warum denn nicht? Haben denn nur noch solche Leute gesunden Menschenverstand, welche sich bei den Grünen oder gar der Linken engergieren? Mich erinnert das an einen Artikel in einer bereits älteren SpiegelAusgabe... vielleicht wars auch auf SPON. Darin ging es um Studenten, die ausgegrenzt werden, weil sie nicht dem Schwarm idealistischer pseudo-Kommunisten nachfliegen... sondern, z. B., Mitglied der FDP sind.

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Zur Person

  • dapd
    Max Koziolek, 23, ist seit über fünf Jahren in der Politik aktiv. Als Schüler gewann er den Landeswettbewerb von "Jugend debattiert". Er war Vorsitzender der Jungen Liberalen und Mitglied im Vorstand der Brandenburger FDP. Derzeit sitzt er im Kommunalparlament der Stadt Falkensee und studiert Jura an der Viadrina-Europa-Universität in Frankfurt Oder.

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