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15.11.2012
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Todesfall bei Studentenverbindung

Student bricht in Corpshaus zusammen

Screenshot der Homepage des "Corps Suevia": Studentenverbindung seit 1803

Er besuchte das Verbindungshaus, brach dort bewusstlos zusammen und starb kurz darauf: Der mysteriöse Tod eines 22-Jährigen bringt die alte Münchner Studentenverbindung "Corps Suevia" in Bedrängnis. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Ein 22-jähriger Student ist im Haus der Münchner Studentenverbindung "Corps Suevia" zusammengebrochen und kurz darauf gestorben. Er hatte die Villa im Stadtteil Schwabing am Samstag besucht. Am Nachmittag ging ein Notruf bei der Rettungsleitstelle ein und der junge Mann sei ins Krankenhaus gebracht worden, sagte ein Sprecher des Münchner Polizeipräsidiums. Dort hätten die Ärzte seinen Tod festgestellt. Ob der Student Alkohol getrunken hatte, sagte der Sprecher nicht. Das rechtsmedizinische Gutachten solle in einigen Wochen vorliegen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt und ordnete eine Obduktion und verschiedene Zusatztests an. Man werde klären, ob der Todesfall womöglich chemische, medizinische oder toxikologische Gründe habe, sagte Sprecher Thomas Steinkraus-Koch. Der "Münchner Merkur" hatte berichtet, in dem Corpshaus sei am Wochenende "wild gefeiert" worden. Der 22-Jährige habe dabei offenbar "große Mengen Alkohol" konsumiert.

Ein Mitglied des "Corps Suevia" wies das zurück. Es sei zwar Bier getrunken, aber keine Trinkspiele gespielt oder Party gefeiert worden, sagte ein Verbindungsstudent, der nicht namentlich genannt werden wollte. Vielmehr hätten eine Handvoll Mitglieder einer anderen Verbindung unangemeldet vorbeigeschaut. Der Verstorbene sei ein "Bekannter" dieser Gruppe gewesen.

"Das war ein ungewöhnlicher Vorfall, der nicht noch mal passieren darf", sagte Albrecht Fehlig, Sprecher der Kösener Corpsverbände, zu der auch das "Corps Suevia" gehört. Man sei darüber erschüttert. Angaben zum Ablauf machte er nicht. Der verstorbene Student habe selbst keinem Corps angehört.

"Ausgelassene Partys in großzügigen Festsälen"

Später ließ die Verbindung über eine Kommunikationsberatungsfirma schriftlich mitteilen, der Student sei Mitglied in einem Göttinger Corps gewesen. Er habe das Münchner Verbindungshaus mit drei Freunden unangemeldet besucht, nachdem er am Tag zuvor einen Studenten aus dem "Corps Suevia" auf einer Party kennengelernt habe. Der habe die Besucher hereingelassen, außer ihm sei dort aber niemand anwesend gewesen.

Man habe im Garten gesessen, heißt es in der E-Mail weiter, als der Verstorbene "mit dem Suevia-Mitglied Bier um die Wette trinken" wollte, was dieser abgelehnt habe. Daraufhin habe einer der anderen Besucher mitgemacht. Beim Trinken habe der Student plötzlich "ungewöhnliche Ausfälle" gezeigt und sei umgefallen.

Das "Corps Suevia" besteht seit 1803 und zählt zu den ältesten Studentenverbindungen in Deutschland. Auf ihrer Webseite werben die Mitglieder auch mit ihrer Feierfreude: "Unsere Vortragsreihen genießen genauso einen hervorragenden Ruf, wie ausgelassene Partys, die wir in unseren großzügigen Festsälen feiern und die weithin einen Anziehungspunkt für Studenten der Münchener Universitäten darstellen", heißt es dort.

Corps vertreten das sogenannte Toleranzprinzip: Es kann Mitglied werden, wer männlicher Student ist - im Gegensatz zu vielen anderen Verbindungsarten gibt es jedoch keine Auswahl gemäß sozialer Herkunft, Religion, Nationalität oder Hautfarbe.

Ebenso wie die meisten Burschenschaften sind Corps in der Regel pflichtschlagend, das heißt, die Fechtmensur ist zur Aufnahme zwingend vorgeschrieben. Die beiden großen Dachverbände der Corps enthalten sich jedoch einer politischen Positionierung. Zudem widerspricht das Toleranzprinzip der Corps der stark deutschnationalen Ausrichtung der Burschenschafter.

son/fdi

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