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04.12.2012
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Turbo-Student vor Gericht

Doppelt gescheitert nach doppeltem Abschluss

DPA

Turbo-Student muss zahlen: Marcel Pohl hatte beim Gang vor Gericht wieder keinen Erfolg

Im Studium war Marcel Pohl erfolgsverwöhnt, vor Gericht steckte er seine zweite Niederlage ein: Er hatte in nur zwei Jahren einen Doppelabschluss hingelegt und hörte deswegen auf, Gebühren an seine Privatuni zu zahlen - das geht nicht, befanden die Richter jetzt zum zweiten Mal.

So fleißig wie er studierte, kämpfte Marcel Pohl vor Gericht. Doch dort scheiterte der Blitz-Student jetzt erneut. Marcel Pohl, 22, wollte weniger Studiengebühren zahlen, weil er sein BWL-Studium an einer Privatuni in extrem kurzer Zeit abgeschlossen hatte. Jetzt befand das Landgericht Arnsberg: Der junge Mann muss die vollen Kosten für das Studium zahlen.

Bereits im Juli hatten die Richter des Amtsgerichts Arnsberg zugunsten der Hochschule entschieden, der Turbo-Student legte Berufung ein. Doch seit Dienstag steht fest: Das Urteil ist rechtskräftig, eine Revision wird nicht zugelassen (Aktenzeichen: I-3S 104/12).

Der ehemalige Student hatte an der privaten Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) in Dortmund den Bachelor- und Masterabschluss in vier anstatt den üblichen elf Semester absolviert. Weil er viel schneller als vorgesehen fertig war, wollte er auch nur einen Teil der Gebühren von insgesamt 21.000 Euro zahlen und stellte die Ratenzahlungen ein. Die beliefen sich monatlich auf 295 Euro für den Bachelor- und 350 Euro für den Master-Studiengang.

Die Uni verklagte daraufhin ihren Musterstudenten, der mittlerweile bei einer Bank in Frankfurt arbeitet. Die Hochschule habe mit den erlangten Abschlüssen ihren Teil des Vertrags erfüllt, urteilten die Richter. Ein Kündigungsrecht der Ratenzahlungen gebe es lediglich bei einem Studienabbruch.

Die FOM verlangt von dem Studenten noch ausstehende Zahlungen in Höhe von insgesamt 2.580 Euro, diese Summe war Gegenstand der Verhandlung. Aufgrund der Gerichtsentscheidung kann die Hochschule nun zudem weitere ausstehenden Raten bei dem Absolventen einklagen.

Ein Studium auf der Überholspur

Pohl hatte sich im Team mit zwei Freunden auf die akademische Überholspur begeben: Das auf sieben Semester angelegte Teilzeitstudium mit dem Ziel BWL-Bachelor gelang ihm mit Zustimmung der Studienleitung bereits nach zwei Semestern. Einen anschließenden Masterabschluss erreichte er in zwei statt der vorgesehenen vier Semester.

Möglich wurde Pohls Blitz-Studium in einer Art Teamleistung, sagte er. Gemeinsam mit zwei Freunden habe er einen ausgeklügelten Lernplan verfolgt: Tagsüber absolvierten die drei Freunde ihre Lehre, abends und am Wochenende besuchten sie Seminare an verschiedenen Standorten ihrer privaten Fachhochschule. Die Studenten rechneten sich aus, dass jeder von ihnen so nur ein Drittel der Kurse besuchen müsse.

Weil bei dem dualen Studiengang keine Anwesenheitspflicht besteht, absolvierte das eilige Trio in 20 Monaten 60 Prüfungen und sammelte je 300 Leistungspunkte. Auch das sah das Gericht als Beleg für die erbrachte Leistung der Privathochschule FOM: Der schnelle Abschluss sei nur deshalb möglich, weil die drei Prüfungen an verschiedenen Niederlassungen ablegen konnten. "Bei einer Beschränkung auf den Standort Dortmund hätte das Studium nicht in so kurzer Zeit absolviert werden können", heißt es in der Begründung des Gerichts.

Laut Pohl wollten die drei Freunde die Geschichte ihres außergewöhnlichen Studiums gemeinsam mit der privaten FH publik machen. Sie hätten der FOM angeboten, dass die Hochschule mit ihnen werben könne, sagt Pohl. Das habe die FOM jedoch abgelehnt, genauso wie das Angebot Pohls, als Dozent an der FH zu arbeiten.

"Es ist eine extreme Leistung, so schnell zu studieren, aber ich würde es nicht zur Nachahmung empfehlen", sagt FOM-Chef Hermeier. Ein Studium, das nur auf einen schnellen Erfolg ausgelegt sei, halte er für problematisch.

lgr/dapd/dpa

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 27 Beiträge
1. Ja was denn nun?
thomase00 04.12.2012
Mal steht im Artikel was von Privatuni, dann wieder private Fachhochschule - was ist es denn nun? Nur eines ist sicher: Diese FOM ist vor allem eine Titelschleuder.
Zitat von sysopDPAIm Studium war Marcel Pohl erfolgsverwöhnt, vor Gericht steckte er seine zweite Niederlage ein: Er hatte in nur zwei Jahren einen Doppelabschluss hingelegt und hörte deswegen auf, Gebühren an seine Privatuni zu zahlen - das geht nicht, befanden die Richter jetzt zum zweiten Mal. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/turbo-student-marcel-pohl-scheitert-erneut-vor-gericht-a-870966.html
Mal steht im Artikel was von Privatuni, dann wieder private Fachhochschule - was ist es denn nun? Nur eines ist sicher: Diese FOM ist vor allem eine Titelschleuder.
2. Bei einer Bank!
Renardmalin 04.12.2012
"... arbeitet bei einer Bank" ... na ja; wo sonst! Honny soit qui mal y pense!
Zitat von sysopDPAIm Studium war Marcel Pohl erfolgsverwöhnt, vor Gericht steckte er seine zweite Niederlage ein: Er hatte in nur zwei Jahren einen Doppelabschluss hingelegt und hörte deswegen auf, Gebühren an seine Privatuni zu zahlen - das geht nicht, befanden die Richter jetzt zum zweiten Mal. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/turbo-student-marcel-pohl-scheitert-erneut-vor-gericht-a-870966.html
"... arbeitet bei einer Bank" ... na ja; wo sonst! Honny soit qui mal y pense!
3. Tut mir leid, aber...
ancoats 04.12.2012
... das bestätigt nur meine Vorurteile gegenüber BWL als Studienfach: eine wissenschaftliche Disziplin, bei der man nach 4 Semestern (zumal offenbar besinnungslosen Paukens) mehr als nur einen kleinen Hauch Ahnung vom Gegenstand [...]
... das bestätigt nur meine Vorurteile gegenüber BWL als Studienfach: eine wissenschaftliche Disziplin, bei der man nach 4 Semestern (zumal offenbar besinnungslosen Paukens) mehr als nur einen kleinen Hauch Ahnung vom Gegenstand hat, ist einfach keine. Junge, das war einfach rausgeschmissenes Geld - wahrscheinlich hätte hier auch ein "Studium" einschlägigiger Wikipedia-Einträge gereicht. Und hoffentlich begegne ich Ihnen niemals, als Berater...
4. Jugend als Fetisch der Gesellschaft
Common Sense! 04.12.2012
Wer mit 15 sein Abi und mit 21 seinen Doktor macht, dem sind bewundernde Artikel in den Medien des Bildungsbürgertums sicher. Mit etwas Glück wird der Überflieger sogar zu stern tv eingeladen. Dahinter steckt die Fixierung [...]
Wer mit 15 sein Abi und mit 21 seinen Doktor macht, dem sind bewundernde Artikel in den Medien des Bildungsbürgertums sicher. Mit etwas Glück wird der Überflieger sogar zu stern tv eingeladen. Dahinter steckt die Fixierung unserer Gesellschaft auf Intelligenz und Effizienz als dominierende Werte. Die Folgen kann man leider überall besichtigen, wenn junge Überflieger in der Wirtschaft zuweilen ganze Volkswirtschaften in den Abgrund reißen. In den unsäglichen Beratungsfirmen hat der Wahnsinn sogar dahingehend Methode, dass absichtlich junge Überflieger eingesetzt werden, weil diese aufgrund ihres Turbo-Studiums gar keine Zeit hatten, sich zu reifen, abwägenden Menschen mit Skrupeln zu entwickeln. Demzufolge fällt es ihnen offenbar auch nicht schwer, in den Firmen, die sie beraten, regelmäßig verbrannte Erde zu hinterlassen. Mir jedenfalls wären in Deutschland Verantwortungsträger mit gesundem Menschenverstand und emotionaler Reife sehr viel lieber, auch wenn diese nicht zwei, sondern zwanzig Semester für ihren Abschluss gebraucht haben. Umgekehrt ist auch Erfahrung natürlich kein Wert an sich, weil man auch sein Leben lang etwas schlecht machen kann. Man kann ohne Erfahrung zwar "intelligente" Entscheidungen treffen, aber leider keine "klugen" Entscheidungen.
5. Leute, das ist das Marketing, was denen ...
discotieren 04.12.2012
... die Uni nicht gönnen wollte. Sie wollen per SPIEGEL deutschlandweit ihren schnellen Abschluss feiern. Das lässt man sicht (oder die Rechtsschutzversicherung?) schon einmal 'was kosten. Justizkredit für Marketing. Das ist [...]
... die Uni nicht gönnen wollte. Sie wollen per SPIEGEL deutschlandweit ihren schnellen Abschluss feiern. Das lässt man sicht (oder die Rechtsschutzversicherung?) schon einmal 'was kosten. Justizkredit für Marketing. Das ist das einzig Neue.

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