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07.12.2012
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Hunde-Therapie auf dem Campus

Streicheln gegen Prüfungsstress

Dalhousie Student Union

Prüfungen, Erfolgsdruck, Zeitnot: Vor Weihnachten stehen viele Studenten in Nordamerika kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Zur Entspannung holen sich einige Unis jetzt junge Hunde auf den Campus. Auch eine deutsche Uni bietet ein bisschen Streicheltherapie - allerdings eher unfreiwillig.

Sie kommen, um zu beruhigen: Ein Golden Retriever, ein Dalmatiner, ein Bernhardiner, zwei Shelties, ein Labradoodle und ein Papillon - alle jung und verspielt - verbrachten die vergangenen drei Tage jeweils für ein paar Stunden an der Dalhousie Universität in Kanada. Die Aktion soll den stressgeplagten Studenten in der vorweihnachtlichen Prüfungsphase ein bisschen Entspannung bringen.

Und die ist offenbar nötig: 450 Studenten kamen bereits am ersten Tag in den Kuschelraum, sagt der Initiator Michael Kean. Die meisten blieben fünf bis zehn Minuten, einige sogar bis zu einer halben Stunde. "Alle reagierten positiv", sagt Michael. "Sie spielten mit den Hunden und unterhielten sich. Natürlich ist das nicht die Lösung gegen Stress, aber es ist eine gute Möglichkeit, mal für ein paar Minuten vom Lernen zu entspannen."

Michael, 21, weiß, wovon er spricht. Dem Studenten der Umweltwissenschaften stehen in den kommenden fünf Tagen vier Klausuren bevor. Stress pur also. Zufällig hatte er von ähnlichen Aktionen an anderen kanadischen Universitäten gehört: Junge Hunde werden auf den Campus gekarrt, um die Studenten mal ein paar Minuten vom Schreibtisch wegzulocken. Das Streicheln und Spielen mit den Tieren soll die Prüflinge vor Nervenzusammenbrüchen und Depressionen bewahren.

"Studenten wollen in ihrem Fach die Besten sein"

Super Sache, fand Michael und schlug seiner Uni die Idee vor. Das Studentenwerk stellte sofort einen Raum zur Verfügung. Die Hunde wurden von der Organisation "Therapeutische Pfoten Kanadas" gebracht, die ehrenamtlich mit Hunden in Krankenhäuser und Schulen fährt, um Menschen in Stress-Situationen zu beruhigen und aufzuheitern. Hunde werden in vielen Bereichen als Therapietiere eingesetzt. Studien haben gezeigt, dass der Umgang mit ihnen Blutdruck senkend und Stress abbauend wirkt und allgemein das Befinden verbessert.

"Studenten stehen heute unter einen enormen Druck", sagt Lindsay Dowling vom Studentenwerk der Dalhousie Universität. "Sie wollen die Besten in ihrem Fach sein, um hinterher einen tollen Job zu ergattern - nicht leicht bei der derzeitigen Arbeitsmarktsituation."

Auch sonst ist die Uni in Sachen Stressreduktion vorbildlich: Es gibt ein rund um die Uhr geöffnetes Arbeitszimmer mit kostenlosen Snacks und Kaffee, ein Wellness-Zimmer, wo man Yoga, Meditation oder einfach ein kurzes Nickerchen machen kann. Zudem stehen ständig Berater bereit, um bei Prüfungsstress und Panik erste Hilfe zu leisten. Die Hunde-Idee, bislang vor allem in Kanada und den USA populär, hat weltweit Interesse geweckt: "Wir hatten Anfragen aus der ganzen Welt zu unserer Aktion", sagt Dowling.

"Campus Cat" in Augsburg

Aus Deutschland sind derartige Aktionen noch nicht bekannt, doch akademische Tierliebe gibt es auch hier durchaus. Die Universität Augsburg zum Beispiel hat neben ihren mehr als 18.000 Studenten auch eine Campuskatze, die mittlerweile sogar eine kleine Berühmtheit geworden ist. Die rote Katze streunt auf dem Campus herum, lässt sich von Studenten streicheln und hat sogar eine eigene Facebook-Seite.

Ihr vielleicht größter Fan ist Akilnathan Logeswaran. Der BWL-Student kennt die "Campus Cat" schon lange. Während seiner Prüfungsvorbereitungen in diesem Frühjahr saß das Tier Tag für Tag auf einem Holzsteg bei der Bibliothek und ließ sich von Studenten streicheln. "Das wurde fast schon Routine und hat jedem ein bisschen den Stress genommen", erzählt der 24-Jährige.

Akilnathan richtete daraufhin im Sommer eine Facebook-Seite für die Katze ein. "Zunächst nur mit zwei Fotos, die ich am selben Tag geschossen hatte", sagt er. Mittlerweile erreichen ihn wöchentlich mehrere E-Mails mit Fotos der Katze, oft friedlich schlummernd in den Armen von Studenten. Uni-Sprecher Klaus Prem legt Wert darauf, dass die "Campus Cat" kein Streuner ist, sondern "eine völlig normale und liebevoll versorgte Hauskatze" aus dem Uni-Viertel. Die Besitzerin sei ihm seit vielen Jahren wohlbekannt.

Lesen Sie mehr über Studenten im Stress

lgr/dpa

Forum

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insgesamt 9 Beiträge
1. Sollte man auch in Deutschland einführen
christarust 07.12.2012
Das zeigt, wie Mensch und Tier sich gegenseitig brauchen. Vielleicht ist so eine Streichelmöglichkeit auch hilfreich gegen Prüfungsangst.
Das zeigt, wie Mensch und Tier sich gegenseitig brauchen. Vielleicht ist so eine Streichelmöglichkeit auch hilfreich gegen Prüfungsangst.
2. Die armen Hunde
MrStoneStupid 07.12.2012
Tiere so zu mißbrauchen ist nicht akzeptabel. (imho)
Tiere so zu mißbrauchen ist nicht akzeptabel. (imho)
3.
nordschaf 07.12.2012
In der Pförtnerloge des Mathegebäudes der TU Berlin gab es Anfang der 90er Jahre "Mohrle, die Mathekatze", die von der Uni geduldet und von den Pförtnern und vielen Studierenden heiss geliebt wurde. Mohrle war den [...]
In der Pförtnerloge des Mathegebäudes der TU Berlin gab es Anfang der 90er Jahre "Mohrle, die Mathekatze", die von der Uni geduldet und von den Pförtnern und vielen Studierenden heiss geliebt wurde. Mohrle war den Pförtnern hochschwanger zugelaufen. Die Jungen wurden innerhalb der Uni vermittelt, Mohrle kastriert und ihr ein Schlafplatz im Schrank der Pförtnerloge eingeräumt. In den folgenden Jahren hat sie die Keller der Uni angabegemäß effizienter mäusefrei gehalten, als dies vorher mit Fallen oder Gift möglich war. Während der Vorlesungen hat Mohrle oft zum Fenster der Pförtnerloge rausgeschaut (da, wo man was fragen kann) oder ist in den Gängen rumgestreunt, wo man sie zum Schmusen erwischen konnte. In den Pausenzeiten, wo die Gänge voll waren, hat sie gepennt, da war ja zu viel los in "ihrem" Haus.
4. Hier könnte Ihre Werbung stehen!
irobot 07.12.2012
Sorry, aber das ist Blödsinn. Junge Hunde haben einen extrem ausgeprägten Spiel- und Kuscheldrang und bekommen oft nicht genug davon.
Zitat von MrStoneStupidTiere so zu mißbrauchen ist nicht akzeptabel. (imho)
Sorry, aber das ist Blödsinn. Junge Hunde haben einen extrem ausgeprägten Spiel- und Kuscheldrang und bekommen oft nicht genug davon.
5.
ticle 07.12.2012
In Konstanz gibt es auch eine (inzwischen wohl auch sehr alte) Katze namens Peterle, die sich an diversen Stellen des Uni-Geländes durchfüttern lässt. Immer wieder nett, sie in irgendwelchen Gängen oder an sonnigen Stellen [...]
In Konstanz gibt es auch eine (inzwischen wohl auch sehr alte) Katze namens Peterle, die sich an diversen Stellen des Uni-Geländes durchfüttern lässt. Immer wieder nett, sie in irgendwelchen Gängen oder an sonnigen Stellen liegend anzutreffen. Aber generell - extra Schmusestunden für gestresste Studenten? Das wird das Problem des Dauerstress und Leistungsdruck auch nicht lösen. Und wären diese Programme nicht besser in Kinderkrankenhäusern oder Altenheimen aufgehoben? Die haben nämlich tatsächlich noch wenig andere Möglichkeiten sich Entspannung zu holen.

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Stressprobleme von Studenten

Die Mittelschichtskinder zwischen 20 und 30 haben alles, viele sind trotzdem unglücklich. Nina Pauer und Meredith Haaf haben darüber Bücher geschrieben. Lesen Sie hier ein Gespräch über Luxusproblemchen und selbstverschuldeten Nervenzusammenbruch.

Zahlen und Fakten

Die neue Zivilisationskrankheit
Erschöpfungssyndrom, Anpassungsstörung, Depression, Belastungsstörung, Burnout. Die Volksleiden der modernen Gesellschaft haben viele Namen. Die WHO hat beruflichen Stress zu "einer der größten Gefahren des 21. Jahrhunderts" erklärt. Bis 2030 könnte die Depression die wichtigste Ursache von Krankheitsbelastungen sein - in reichen Ländern ist sie es bereits.
Erschöpfung - ein Massenphänomen
Eine repräsentative Studie von Techniker-Krankenkasse (TK), FAZ-Institut und Forsa macht deutlich, welche Ausmaße das Problem inzwischen in Deutschland angenommen hat: Acht von zehn Deutschen empfinden demnach ihr Leben als stressig. Jeder Dritte steht unter Dauerstrom, jeder Fünfte bekommt die Folgen gesundheitlich zu spüren - von Schlafstörungen bis hin zum Herzinfarkt. Stress bestimmt den Alltag in Deutschland immer stärker.

Alarmierend ist der TK zufolge die hohe Zahl von Burnout-Patienten. 2008 sind demnach "ausgebrannte" Berufstätige fast zehn Millionen Tage krankgeschrieben worden. Damit fehlten rund 40.000 Menschen das ganze Jahr über am Arbeitsplatz. Dies entspricht einer Zunahme von 17 Prozent verglichen mit 2003.
Job ist Stressfaktor Nummer eins
Stressfaktor Nummer eins ist der Job. Das haben die 1014 befragten Personen zwischen 14 und 65 Jahren zu Protokoll gaben. Jeder Dritte arbeitet am Limit, getrieben von Hektik, Termindruck und einem zu hohen Arbeitspensum. Ein Drittel der Beschäftigten leidet darunter, rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen und von Informationen überflutet zu werden.

Berufstätige Eltern geraten der Studie zufolge besonders häufig an ihre Belastungsgrenze. Ihre größte Sorge sei, dass die Familie zu kurz kommt. Doch auch 90 Prozent der Schüler klagen über Stress. Jeder Dritte steht nach eigener Aussage permanent unter Leistungs- und Prüfungsdruck.
Kosten für das Gesundheitssystem
Auch für das Gesundheitssystem ist die Dauerbelastung der Menschen ein ernstzunehmender Kostenfaktor. Mit knapp 27 Milliarden Euro im Jahr stehen die Ausgaben für die Behandlung stressbedingter psychischer Erkrankungen an dritter Stelle der Kostentabelle. Hinzu kommen massive Aufwendungen für Herz-Kreislauf-Krankheiten, unter denen Dauergestresste mehr als doppelt so häufig leiden wie ihre weniger unter Druck stehenden Zeitgenossen.

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