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10.01.2013
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Akademisches Recycling

Darf ich bei mir selbst abschreiben?

DPA

Begehrter Doktortitel: Darf man dafür eigene, schon veröffentlichte Texte verwenden?

Ein nordrhein-westfälischer SPD-Mann steht unter Plagiatsverdacht, weil er seine Magisterarbeit zur Doktorarbeit aufgemöbelt haben soll. Aber sind akademisches Recycling und Mehrfachveröffentlichung nicht durchaus üblich?

"Lange nichts mehr gehört von Karl-Theodor zu Guttenberg. Oder den anderen Politikern, denen (...) im Zuge einer von Plagiatsjägern im Internet organisierten Kampagne wissenschaftliche Unredlichkeit nachgewiesen oder auch nur nachgesagt worden ist." So beginnt ein Text aus dem "Freitag", der dort im vergangenen Jahr erschienen ist. Klare Sache, ohne diese Quellenangabe und ohne die Anführungszeichen wäre das hier schon ein Plagiat. Die Übernahme eines fremden Textfragments, ohne es kenntlich zu machen.

Der Text im "Freitag" beschäftigt sich mit dem Thema "Eigenplagiat" und der in der Wissenschaft durchaus üblichen Praxis, eigene Texte nur leicht abgewandelt neu zu veröffentlichen. Es ist eigentlich ein Thema für die akademische Welt, das aber immer wieder aufpoppt, weil bei all den Plagiatsaffären der vergangenen Jahre auch immer wieder eben jener Vorwurf erhoben wird: Ein Politiker habe bei sich selbst abgeschrieben, um sich einen Doktortitel zu erschleichen.

Zuletzt sah sich der Sozialdemokrat Marc Jan Eumann, NRW-Staatssekretär für Medien, dem Vorwurf ausgesetzt: Er soll seine Magisterarbeit, die immerhin 20 Jahre alt ist, zu einer Doktorarbeit aufgemöbelt haben - und zwar ohne eindeutig zu kennzeichnen, welche Passagen aus der alten Arbeit stammen. Die TU Dortmund überprüft die Vorwürfe gerade.

Aber was hat es mit dem Eigen- oder Selbstplagiat auf sich? Warum soll es verwerflich sein, eigene Gedanken und Texte zu recyceln? So argumentiert zum Beispiel ein "Welt"-Autor, der vor wenigen Monaten schrieb: "In der Kunst (...) würde die Ächtung von Autoplagiaten zu einem kulturellen Kahlschlag führen." Igor Strawinsky habe gesagt, er habe nicht nicht Hunderte von Konzerten geschrieben, sondern nur ein einziges, dieses aber hundert mal.

Das mag sein, aber in der Wissenschaft gelten eben andere Regeln, auch wenn über den Begriff des "Eigenplagiats" immer wieder diskutiert wird: Dem Leser muss stets klar sein, woher ein Gedanke, eine These, eine Textpassage stammt. Und deshalb gilt auch für die Mehrfachverwertung eigener wissenschaftlicher Texte: Wer sich selbst zitiert, muss es kenntlich machen.

Ja, es ist üblich, dass Wissenschaftler ihre Texte mehrfach veröffentlichen, oft unter verschiedenen Titeln. So lässt sich einerseits die eigene Publikationsliste verlängern, zum anderen erreicht ein Gedanke ja vielleicht mehr Leser, wenn er auf vielen Kanälen gestreut wird. Aber auch hier gilt grundsätzlich das akademische Reinheitsgebot: Mache deutlich, woher etwas stammt - auch wenn es von dir selbst ist.

Ein Verstoß dagegen kann auch hochangesehenen Vertretern eines Fachs Ärger einbringen. So ist ein bekannter Zürcher Ökonom in Verruf geraten, weil er bei sich selbst abschrieb, wie das "Handelsblatt" berichtete: Demnach veröffentlichte er Forschungsergebnisse mehr oder weniger gleichzeitig in verschiedenen Publikationen, ohne das deutlich zu machen.

Bei der VG Wort, die an Autoren Geld für veröffentlichte Texte ausschüttet, reicht es zwar schon, wenn ein Zehntel des neuen Textes sich vom alten unterscheiden: "Nachdrucke und Neuauflagen können gemeldet werden, wenn sie inhaltlich um mindestens 10% verändert sind", heißt es auf der Webseite. Doch für die wissenschaftliche Redlichkeit ist das keine maßgebliche Größe.

otr

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insgesamt 37 Beiträge
1. Gönnen wir uns doch nur mal kurz...
sojus 10.01.2013
einen klaren Gedanken, okokok... der Versuch eines klaren Gedankens: Wissenschaftler werden von anderen Wissenschaftlern denunziert, weil erstere auf der Grundlage ihrer Arbeiten zu weiteren Erkenntnissen kommen wollen. Im Ernst, [...]
einen klaren Gedanken, okokok... der Versuch eines klaren Gedankens: Wissenschaftler werden von anderen Wissenschaftlern denunziert, weil erstere auf der Grundlage ihrer Arbeiten zu weiteren Erkenntnissen kommen wollen. Im Ernst, wenn wir so weiter machen können wir die Geistes- und Sozialwissenschaften, inklusive der Reflexion als Instrument der Wissensermittlung, bald abschaffen!
2.
snark0815 10.01.2013
Nein, durchaus nicht. Es gibt nur einige wenige Ausnahmen nach denen bspw. eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift vor Verteidigung einer Dissertation erlaubt, wenn nicht gar ausdrücklich erwünscht ist. Siehe auch: [...]
Zitat von sysopDPAEin nordrhein-westfälischer SPD-Mann steht unter Plagiatsverdacht, weil er seine Magisterarbeit zur Doktorarbeit aufgemöbelt haben soll. Aber ist akademisches Recycling und Mehrfachveröffentlichung nicht durchaus üblich? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiatsaffaeren-was-ist-ein-eigenplagiat-a-876819.html
Nein, durchaus nicht. Es gibt nur einige wenige Ausnahmen nach denen bspw. eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift vor Verteidigung einer Dissertation erlaubt, wenn nicht gar ausdrücklich erwünscht ist. Siehe auch: Eigen- und Selbstplagiat (http://de.wikipedia.org/wiki/Plagiat#Eigen-_und_Selbstplagiat)
3. optional
dr.senf 10.01.2013
Und schon wieder wird hier im Brustton der Überzeugung die Einhaltung von Regeln angemahnt, die in dieser Form nicht existieren. Oder woher nimmt der Autor/die Autorin die Regel, dass Eigenzitate kenntlich zu machen seien?
Und schon wieder wird hier im Brustton der Überzeugung die Einhaltung von Regeln angemahnt, die in dieser Form nicht existieren. Oder woher nimmt der Autor/die Autorin die Regel, dass Eigenzitate kenntlich zu machen seien?
4. gehts noch?
otto_iii 10.01.2013
Auch wenn es im Sinne einer Konzessionsentscheidung ja mal ganz nett ist, dass diesmal ein SPD-Mann angezählt wird: Es ist wirklich abstoßend und öde den Versuch zu unternehmen, die Lebensleistung eines Politikers [...]
Zitat von sysopDPAEin nordrhein-westfälischer SPD-Mann steht unter Plagiatsverdacht, weil er seine Magisterarbeit zur Doktorarbeit aufgemöbelt haben soll. Aber ist akademisches Recycling und Mehrfachveröffentlichung nicht durchaus üblich? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiatsaffaeren-was-ist-ein-eigenplagiat-a-876819.html
Auch wenn es im Sinne einer Konzessionsentscheidung ja mal ganz nett ist, dass diesmal ein SPD-Mann angezählt wird: Es ist wirklich abstoßend und öde den Versuch zu unternehmen, die Lebensleistung eines Politikers dadurch zu zerstören, dass man ihm irgendwelche Unsauberkeiten in der Promotion nachzuweisen versucht. Was soll das? Ist eine Promotion seit neuestem Einstellungsvoraussetzung für ein Ministeramt? Man stelle sich vor: Am Ende wollen sich womöglich noch Leute politisch betätigen, nicht nicht mal studiert haben! Also wo kämen wir denn da hin! Am Ende haben die auch noch beim Abi gespickt! Alles Betrüger, alle zurücktreten / ironie aus
5. Quatsch
kannmanauchsosehen 10.01.2013
So ein Quatsch, das halbe Weihnachtsoratorium von Bach ist Eigenplagiat, und Bach hat die entsprechenden Stellen nicht gekennzeichnet. Who cares! Natürlich kopieren sich Autoren selbst, im Falle von Methodenbeschreibungen [...]
Zitat von sysopDPAEin nordrhein-westfälischer SPD-Mann steht unter Plagiatsverdacht, weil er seine Magisterarbeit zur Doktorarbeit aufgemöbelt haben soll. Aber ist akademisches Recycling und Mehrfachveröffentlichung nicht durchaus üblich? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiatsaffaeren-was-ist-ein-eigenplagiat-a-876819.html
So ein Quatsch, das halbe Weihnachtsoratorium von Bach ist Eigenplagiat, und Bach hat die entsprechenden Stellen nicht gekennzeichnet. Who cares! Natürlich kopieren sich Autoren selbst, im Falle von Methodenbeschreibungen bei Experimenten ist dies sogar die Regel und wünschenswert. Und übermäßig viel Eigenzitate in einer Publikation können sogar als schlechter Stil gelten. Wer "Eigenplagiate" kritisiert, hat also noch nie wissenschaftlich gearbeitet. Eine gewisse Einschränkung gibt es natürlich dann, wenn die Copyrights eines Artikels bei einem Verlag liegen, und bestimmte zentrale Textpassagen inklusive Abbildungen erscheinen in identischer Form dann auch noch bei einem Mitbewerber in der Verlagslandschaft. Das ist dann nicht ganz sauber, ... allerdings erhalten die Autoren in der Regel auch kein Geld für ihre Werke, oder müssen sogar selbst dafür zahlen (open source) die Verlage sollten dann auch nicht so streng mit diesen Autoren sein. Also, bei sich selbst klauen hat nichts mit den Praktiken von Guttenberg und Schavan zu tun. Außerdem ist die obsessive Fließbandproduktion von Publikationen politisch gewollt und kein normaler Wissenschaftler kann soviel Resultate haben, um den Anforderungen an Publikationszahlen zu entsprechen. Eigenplagiate sind in dem Sinne auch ein natürliches Symptom unseres heutigen Wissenschaftsbetriebs.

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