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18.01.2013
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Plagiatsaffäre

Spitzenforscher verteidigen Schavan

DPA

Bundesbildungsministerin Schavan: Schützenhilfe von den Wissenschaftsfunktionären

In wenigen Tagen entscheidet die Uni Düsseldorf, ob sie ein Plagiatsverfahren gegen Annette Schavan einleitet. Jetzt bekommt die Bundesbildungsministerin überraschend Schützenhilfe: Die führenden Wissenschaftsorganisationen attackieren die Prüfer der Hochschule.

Die führenden Wissenschaftsorganisationen haben sich in die Affäre um die Doktorarbeit von Annette Schavan (CDU) eingeschaltet: Sie haben die Uni Düsseldorf scharf kritisiert, wenn auch verklausuliert. Die Hochschule will am kommenden Dienstag darüber entscheiden, ob sie ein Verfahren zum Titelentzug gegen die Bildungsministerin einleitet.

Jetzt, nur wenige Tage vorher, hat die Allianz der Wissenschaftsorganisationen eine Erklärung veröffentlicht, die Schavan ganz offensichtlich den Rücken stärken soll. Darin heißt es, die Aberkennung des Doktorgrads setze "Verfahrenselemente wie das Mehraugen-Prinzip, die Trennung von Begutachten, Bewerten und Entscheiden sowie eine angemessene Berücksichtigung des Entstehungskontexts voraus, dessen inhaltliche Bewertung nur auf der Basis einschlägiger fachwissenschaftlicher Expertise vorgenommen werden" könne.

Das ist ein umständlich formulierter Frontalangriff auf die Uni Düsseldorf, was deutlich wird, wenn man den Satz in seine Einzelteile zerlegt:

In der Allianz ist so ziemlich jede Organisation vertreten, die in der Wissenschaft etwas zu sagen hat: von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bis zum Deutschen Akademischen Austauschdienst, von der Leibniz-Gemeinschaft bis zur Fraunhofer-Gesellschaft, von der Hochschulrektorenkonferenz bis zum Wissenschaftsrat.

Dass sich diese Organisationen in der Stoßrichtung aber eindeutig in die Affäre einschalten, ist - vorsichtig formuliert - bemerkenswert. Ihre Erklärung heißt übersetzt nichts anderes als: Die Uni Düsseldorf hat so ziemlich alles falsch gemacht im Verfahren gegen Schavan, was man falsch machen kann. Sie hat nur einen internen Gutachter beauftragt, der zugleich über den Titelentzug mitentscheidet und noch nicht einmal vom Fach ist. Ein Uni-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Weiter heißt es in der Erklärung: "Die Allianz fordert alle Verfahrensverantwortlichen dazu auf, sich an bewährten Standards auch in gegenwärtig laufenden Verfahren zu orientieren." Schavan hat die Vorwürfe stets bestritten und ein Gegengutachten anfertigen lassen, von dem bislang aber keine Details öffentlich bekannt wurden.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Uni Düsseldorf wiederum ein Rechtsgutachten veröffentlicht, in dem ihr ein externer Jura-Professor den Rücken stärkt: "Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass rechtlich relevante Verfahrensfehler nicht festzustellen sind", hieß er darin. Die Fakultät habe die nach geltendem Recht erforderlichen Prüfungen ordnungsgemäß vorgenommen. Die Uni hatte das Gutachten beauftragt, um den Verlauf der Untersuchung von Schavans Doktorarbeit verfahrensrechtlich zu prüfen.

Ein Hoffnungsschimmer für Schavan könnte sein, was die "Süddeutsche Zeitung" berichtet: Demnach soll die Promotionskommission der Ministerin nicht mehr absichtliche Täuschung vorwerfen. Stattdessen gehe die Kommission nun von bedingtem Vorsatz aus. Schavan habe lediglich in Kauf genommen, gegen gängige Regeln zu verstoßen.

Die Affäre zieht sich bereits seit einiger Zeit hin: Zunächst waren im Mai 2012 im Internet anonyme Plagiatsvorwürfe gegen Bildungsministerin Schavan aufgetaucht. Dann beauftragte die Uni Stefan Rohrbacher damit, die Arbeit zu begutachten. Rohrbachers Bericht war damals noch unter Verschluss, dann aber berichtete der SPIEGEL darüber. Schavan-Unterstützer aus Wissenschaft und Politik kritisierten in der Folge die Uni Düsseldorf und warfen ihr Verfahrensfehler vor.

otr

Forum

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insgesamt 277 Beiträge
1. Wem soll man da nun glauben ?
iffel1 18.01.2013
Wenn ich mir als durchschnittlicher Bundesbürger - nur mit Abi versehen - den Fundstellenvergleich durchlese, dann sind die Gleichheiten bemerkenswert. Eine eigenständige Doktorarbeit kann das nicht sein.
Wenn ich mir als durchschnittlicher Bundesbürger - nur mit Abi versehen - den Fundstellenvergleich durchlese, dann sind die Gleichheiten bemerkenswert. Eine eigenständige Doktorarbeit kann das nicht sein.
2.
parresia 18.01.2013
Die Einmischung der Wissenschaftsorganisationen ist skandalös u peinlich. Einem Judaisten die Kompetenz anzusprechen, eine vor allem philosophisch-theologische Arbeit zu beurteilen, zeugt von erschütternder, willentlicher [...]
Die Einmischung der Wissenschaftsorganisationen ist skandalös u peinlich. Einem Judaisten die Kompetenz anzusprechen, eine vor allem philosophisch-theologische Arbeit zu beurteilen, zeugt von erschütternder, willentlicher Unkenntnis. Das verbeamtete Spitzenfunktionäre derartige Speichellecker sind, ist einfach nur widerlich. Hier werden Grundprinzipien des Promotionsrecht einer Fakultät mit Füßen getreten. Einfach unglaublich.
3. Frau Schavan hat nach wie vor das
laotse8 18.01.2013
finanziell für die Wissenschaft in dieser Republik entscheidende Amt inne. Es ist daher wenig verwunderlich, wenn sie aus dem von ihren Entscheidungen in nicht geringem Maße abhängigen Wissenschaftsbetrieb Unterstützung [...]
finanziell für die Wissenschaft in dieser Republik entscheidende Amt inne. Es ist daher wenig verwunderlich, wenn sie aus dem von ihren Entscheidungen in nicht geringem Maße abhängigen Wissenschaftsbetrieb Unterstützung erfährt. Ihre Promotionsarbeit prüfen und ggf. nachträglich verwerfen zu müssen, erbringt mit Sicherheit in diesem Politbetrieb weniger Freude, Ruhm und Ehre, als eine auch kanzlerinnenhoffähige, vorauseilende Nibelungentreue der Frau Bundesmininisterin gegenüber. Wähler/innen sollten sich sehr genau anschauen, wer da jetzt den Schnabel für die Minnisterin aufreißt, ohne sich um den konkreten Fall Schavan im Geringsten bemühen zu wollen.
4.
gbk666 18.01.2013
Na in welchem Parteibuch die lieben Spitzenforscher wohl eingetragen sind. Und sind DEREN Doktorarbeiten vielleicht auch nicht so ganz okay?
Na in welchem Parteibuch die lieben Spitzenforscher wohl eingetragen sind. Und sind DEREN Doktorarbeiten vielleicht auch nicht so ganz okay?
5. Schavan's Kavallerie
temp1 18.01.2013
Die sich jetzt zu Wort melden, sind diejenigen, die direkt und indirekt von Schavans Mittelzuweisungen abhängig sind. Wie neutral die sein können, ist fraglich. Weiter stellt sich die Frage, warum dieselbigen sich nicht in [...]
Die sich jetzt zu Wort melden, sind diejenigen, die direkt und indirekt von Schavans Mittelzuweisungen abhängig sind. Wie neutral die sein können, ist fraglich. Weiter stellt sich die Frage, warum dieselbigen sich nicht in gleicher Weise ereifert haben, als es um den CSU Mann ging. Ich finde, die deutsche Forschungslandschaft präsentiert sich in einem recht faden Licht. Das übliche des Brot ich es des Lied ich sing ... hieß das Sprichwort nicht so ?

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