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26.01.2013
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Betrug in der Wissenschaft

Schämen Sie sich, Mann

DPA

Eizelle im Labor: Frauen forschen ehrlicher, sagt ein amerikanisches Forscherteam

Auf Nachwuchsforschern lastet oft ein großer Druck, je mehr sie veröffentlichen, desto besser. Vielleicht betrügen sie deswegen häufiger, dachten drei US-Wissenschaftler. Ihr überraschendes Ergebnis: Frauen forschen ehrlicher.

Männer sitzen häufiger im Gefängnis, sie lieben das Risiko - und sie scheinen im Uni-Labor häufiger zu betrügen als Frauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine amerikanische Studie, die das Wissenschaftsmagazin "mBio" am Dienstag veröffentlicht hat (Studie als PDF) .

Dabei wollten die drei US-Professoren Arturo Casadevall (Yeshiva University), Ferric Fang (University of Washington School of Medicine) und Joan W. Bennett (Rutgers University) das gar nicht unbedingt herausfinden. Ihre These war: Der Nachwuchs täuscht in der Wissenschaft häufiger, schließlich stehen Nachwuchswissenschaftler unter enormem Publikationsdruck.

Die drei untersuchten dafür die Jahresberichte der amerikanischen Stelle für Integrität in der Forschung (Office of Research Integrity, kurz ORI). Von 1994 bis jetzt listet das ORI 228 Forscher und Studenten auf, die durch Fehlverhalten in der Wissenschaft aufgefallen sind. 215 davon (94 Prozent) hatten betrogen, die meisten kamen aus den Biowissenschaften.

Studenten betrogen in 16 Prozent der Fälle

Die drei Wissenschaftler analysierten nun: Wer genau hat getäuscht? Das Ergebnis: In 25 Prozent der Fälle waren es Postdocs und in 16 Prozent der Fälle Studenten. Aber auch Mitglieder des Lehrkörpers (32 Prozent) und Forschungspersonals (28 Prozent) hatten betrogen.

Auch das Geschlecht interessierte die drei - und das Ergebnis überraschte sie letztlich am meisten. Denn: Zwei Drittel der Täuschungen hatten Männer begangen, damit waren sie überrepräsentiert. Unter den 72 Mitgliedern des Lehrkörpers, die getäuscht hatten, waren beispielsweise nur neun Frauen. Hätten diese Frauen so oft betrogen wie Männer, wären es 27 gewesen. Wobei die Wissenschaftler ausdrücklich schreiben: "Wir können die Möglichkeit nicht ausschließen, dass Frauen genauso häufig wissenschaftliches Fehlverhalten begehen wie Männer, es aber unwahrscheinlicher ist, dass ihnen das auch nachgewiesen wird."

Die Frage ist nun: Warum ist das so? Studien hätten gezeigt, dass Männer eher ein Risiko in Kauf nehmen, sagt Arturo Casadevall. "Und einen Betrug zu begehen, bringt ein Risiko mit sich." Vielleicht suchten auch Männer eher den Wettbewerb, vielleicht schreckten Frauen eher vor Sanktionen zurück. "Ich denke, die beste Antwort ist die, dass wir es nicht wissen." Aber jetzt, wo das Problem bekannt sei, könne man beginnen, darüber zu diskutieren.

fln

Forum

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insgesamt 34 Beiträge
1. Wie ?
quark@mailinator.com 26.01.2013
Wie stellen denn die US-Unis im Moment Profs ein ? Wenn da auch die Quote verschoben werden muß, ist der Druck halt groß ... mal abgesehen vom Anspruch.
Wie stellen denn die US-Unis im Moment Profs ein ? Wenn da auch die Quote verschoben werden muß, ist der Druck halt groß ... mal abgesehen vom Anspruch.
2. Das ist doch
TheBear 26.01.2013
Das zeigt doch wie krank und wissenschaftsfeindlich das ganze System der Beurteilung von Wissenschaftlern ist. Es zeigt, dass dafür eben keine Wissenschaftler verantwortlich sind, sondern Leute, die lediglich zählen können. [...]
Zitat von sysopInstitut FreseniusAuf Nachwuchsforschern lastet oft ein großer Druck, je mehr sie veröffentlichen, desto besser. Vielleicht betrügen sie deswegen häufiger, dachten drei US-Wissenschaftler. Ihr überraschendes Ergebnis: Frauen forschen ehrlicher. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/neue-us-studie-maenner-scheinen-haeufiger-zu-betruegen-als-frauen-a-879100.html
Das zeigt doch wie krank und wissenschaftsfeindlich das ganze System der Beurteilung von Wissenschaftlern ist. Es zeigt, dass dafür eben keine Wissenschaftler verantwortlich sind, sondern Leute, die lediglich zählen können. Das einzig akzeptable Prinzip wäre doch: Man setzt eine sehr geringe Anzahl als Grenze, und wenn ein Wissenschaftler bewertet werden will, muss er die n Veröffentlichungen angeben, die die Basis für die Beurteilung sein sollen. Alle anderen Veröffentlichungen, ab Nr. n+1 werden ignoriert. Der Nachteil: Die Beurteiler müssten die Veröffentlichungen verstehen, und sich nicht einfach aufs Zählen beschränken.
3. These widerlegt
IchWarDeutschland 26.01.2013
Aus dem Artikel geht interessanterweise hervor, dass die ursprünchliche These abgelehnt werden muss: Die Betrugsrate mit dem Aufstieg auf der akademischen Karriereleiter nimmt eher zu als ab, obgleich sich die Zahl der [...]
Aus dem Artikel geht interessanterweise hervor, dass die ursprünchliche These abgelehnt werden muss: Die Betrugsrate mit dem Aufstieg auf der akademischen Karriereleiter nimmt eher zu als ab, obgleich sich die Zahl der Wissenschaftler auf den entsprechenden Karrierestufen nach oben deutlich verjüngt. Das ist auch genau meine eigene Beobachtung aus neun Jahren wissenschaftlicher Tätigkeit: Während junge Wissenschaftler oft noch mit Idealen, Kreativität und Motivation in ihre Karriere starten werden sie über Jahre mit den Erwartung der manchmal realitätsfremden Vorgesetzten konfrontiert. Diese schrecken in ihrem Kampf um die verknappten Geldmittel und das Ansehen im Kollegenkreis auch vor institutionellen Lügen als "legitimes" Mittel nicht zurück. Traurig aber wahr. Auch wenn es vielleicht noch viele ehrliche und hochmotivierte Wissenschaftler gibt - der Wettbewerb zwingt die ehrlichen oft zu Entscheidungen die nichts mit wissenschaftlichem Verhalten und Praktiken zu tun haben und eher aus politischen Kreisen oder dem Süden Italiens bekannt sind, was sie auf kurz oder lang selbst zu Lügneren macht.
4. ...
Newspeak 26.01.2013
Ihre These war: Der Nachwuchs täuscht in der Wissenschaft häufiger, schließlich stehen Nachwuchswissenschaftler unter enormem Publikationsdruck. Aus eigener Erfahrung als Nachwuchswissenschaftler kann ich nur sagen, daß [...]
Ihre These war: Der Nachwuchs täuscht in der Wissenschaft häufiger, schließlich stehen Nachwuchswissenschaftler unter enormem Publikationsdruck. Aus eigener Erfahrung als Nachwuchswissenschaftler kann ich nur sagen, daß Doktoranden und Postdocs vielleicht mehr vortäuschen, als es die Daten hergeben, daß aber etablierte Wissenschaftler teilweise die wesentlich "schlechtere" Forschung machen, eben weil sie es sich leisten können. Schlechter bedeutet hierbei, daß fachlich alles korrekt sein mag, der eigentliche Forschungsgegenstand aber praktisch keine Bedeutung hat, langweilig und unkreative Resultate produziert und sich eigentlich alles nur noch wiederholt. Der Feind der Wissenschaft ist daher aus meiner Sicht weniger die Ungenauigkeit, sondern die nicht vorhandene Kreativität.
5.
_muskote 26.01.2013
der feldzug gegen den mann -- er nimmt nun so richtig fahrt auf.
der feldzug gegen den mann -- er nimmt nun so richtig fahrt auf.

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