02.02.2013
Schummel-Vorwurf an Elite-Uni
Harvard suspendiert 60 Studenten
Harvard-Absolventen (Symbolbild): Mehr als 60 Studenten müssen die Uni verlassen
Die amerikanische Harvard Uni, Hort der Exzellenz, hat im größten Schwindel-Skandal der jüngeren Geschichte ihr Urteil gesprochen: Mehr als 60 Studenten müssen vorübergehend die Uni verlassen, berichtet die Studentenzeitung "The Harvard Crimson".
"Beispiellos in Umfang und Ausmaß" und "völlig inakzeptabel" - das sagten Dozenten im vergangenen Sommer, als der Skandal bekannt wurde. 279 Studenten des Politik-Seminars "Einführung in den Kongress" hatten Ende April ihre Prüfungsaufgabe bekommen, die sie binnen einer Woche zu Hause bearbeiten sollten. Die Auflage: "Studenten dürfen die Prüfung nicht mit anderen diskutieren." 125 von ihnen sollen das allerdings missachtet haben. Sie sollen zumindest in Teilen das "take-home exam" gemeinsam bearbeitet haben.
Anfang Mai wurde der zuständige Dozent dann stutzig: Beim Korrigieren fielen ihm immer wieder ähnliche Antworten auf, das meldete er der Uni-Verwaltung. Studenten haben bei dieser Art Prüfung sicher nicht zum ersten Mal zusammengearbeitet, nur war es zuvor nicht in der Form aufgefallen. Dementsprechend groß war damals die Aufregung.
Studenten kritisieren das Verfahren
Der Dekan der zuständigen geistes- und naturwissenschaftlichen Fakultät, Michael Smith, schickte am Freitag nun eine E-Mail an die Harvard Community, aus der amerikanische Zeitungen wie "The Boston Globe" zitieren: Von den 125 Studenten müssen mehr als die Hälfte zeitweilig die Uni verlassen. Das gelte rückwirkend für den Beginn des Semesters, berichtet die "New York Times", die Studenten erhielten ihre Gebühren zurückerstattet. Damit gehe dieser Fall weit über das übliche Maß an universitärem Betrug hinaus: Denn durchschnittlich müssten sonst jährlich 17 Studenten die Uni verlassen, berichtet die Zeitung. Eine Suspendierung gelte in der Regel für zwei bis maximal vier Semester.
Vom verbleibenden Rest bekam etwa die Hälfte Bewährung, die andere Hälfte sprach die Uni komplett frei. Der Dekan Smith schrieb, die Fakultät müsse sich noch mehr anstrengen als bisher, ihre Studenten akademische Standards zu lehren. "Während der Fall abgeschlossen ist, ist unsere Arbeit an der akademischen Integrität noch längst nicht erledigt", schrieb Smith.
Seit Monaten hätten Studenten auf dem Campus über den Schummel-Skandal gesprochen, sagte die Studentenvertreterin Tara Raghuveer der Zeitung "The Windsor Star". Sie kritisierte, dass die Uni so lang gebraucht habe, um die Fälle zu beurteilen - selbst der Dekan Smith sagte, die Untersuchung habe länger gedauert als erwartet. Andere Studenten beschwerten sich über vage ethische Standards, der Dozent des Seminars habe nicht deutlich gesagt, dass die Studenten nicht zusammenarbeiten dürfen. Wieder andere monierten, die Strafe sei zu hart. Der 19-jährige Michael Constant sagte "The Boston Globe": Die Uni habe ein klares Signal senden wollen. Hätte sie die Studenten nicht bestraft, hätte sie das Verhalten geduldet.
fln