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18.02.2013
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Französin in der Türkei

Studentin zu fünf Jahren Haft verurteilt

AFP

Sevil Sevimli und ihre Mutter: Im September begleitete ihre Mutter sie zum Prozess

Viel wurde über diesen Fall berichtet, jetzt ist ein Urteil gefallen: Die französische Erasmus-Studentin Sevil Sevimli soll fünf Jahre in Haft - wegen "terroristischer Propaganda". Immerhin darf sie vorerst gegen Kaution zurück nach Frankreich.

Sie saß in U-Haft, wurde freigelassen, musste warten - jetzt ist eine Entscheidung gefallen: Ein Gericht im türkischen Bursa hat die französische Studentin Sevil Sevimli am Freitag wegen "terroristischer Propaganda" zu fünf Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt.

Beendet ist der Prozess damit noch nicht, denn Sevimli werde in Berufung gehen, sagte ihr Anwalt Inayet Aksu der französischen Nachrichtenagenur AFP. Deswegen darf sie gegen eine Kaution von 10.000 türkische Lira, etwa 4250 Euro, vorerst nach Frankreich zurückkehren.

Die Vorgeschichte: Die 21-jährige Sevil Sevimli, Tochter kurdischer Einwanderer aus der Türkei, wuchs in Frankreich auf und studiert eigentlich in Lyon Kommunikationswissenschaft. Im Sommer 2011 ging sie als Erasmus-Studentin in die Heimat ihrer Eltern. Sie entschied sich für die anatolische Provinz Eskisehir, um das Land besser kennenzulernen.

Viel Unterstützung von Freunden und Politikern

Anfang Mai 2012 nahmen türkische Sicherheitskräfte die junge Frau mit der doppelten Staatsbürgerschaft dann fest, gemeinsam mit anderen Studenten. Der Vorwurf: Sie habe Verbindungen zu einer Terrororganisation. Sevimli hatte zuvor das Konzert einer linken Band besucht und war bei einer Demo mitmarschiert. Drei Monate lang saß sie in U-Haft, ihr drohten 32 Jahre Gefängnis, dann wurde sie bis zum Prozessbeginn freigelassen. Französische Medien haben intensiv über diesen Fall berichtet, er zeigte erneut, wie rabiat die Türkei mit politisch aktiven Studenten umgeht.

Sevil Sevimli bekommt viel Unterstützung: Der französische Generalkonsul in Istanbul, Hervé Magro, bekräftigte nach dem Urteil sein Vertrauen in die türkische Justiz. Er sagte der türkischen Nachrichtenagentur Dogan auch: "Die Aufhebung des Reiseverbots ist eine gute Nachricht. Aber wir werden das Urteil gemeinsam mit ihrer Familie auswerten." Ihre Freunde und der Präsident ihrer Hochschule in Frankreich haben schon für Sevimli demonstriert, Zehntausende unterzeichneten eine Petition für ihre Freilassung. All das gebe ihr Kraft, sagte sie im vergangenen Dezember im UniSPIEGEL-Interview.

vkl

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