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26.02.2013
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Eklat in Oxford

"Ich debattiere nicht mit Israelis"

Von
REUTERS

Die einen wollen das Land boykottieren, die anderen sind über diesen Antrag entsetzt: Studenten an der renommierten Oxford University in England streiten über den richtigen Umgang mit Israel. Angeheizt wird die Debatte durch den Eklat um einen Gastredner.

An englischen Spitzenuniversitäten gehört es seit Jahrzehnten zur Tradition, umstrittene Prominente als Gastredner einzuladen. Sie sollen provozieren - und die Veranstalter in die Schlagzeilen bringen. Der jüngste Coup gelang einigen Studenten der Universität Oxford: Sie hatten vergangene Woche den britischen Unterhausabgeordneten George Galloway eingeladen. Er sollte zum Debattenthema "Sofortiger Abzug Israels aus dem Westjordanland" Stellung nehmen.

Galloway ist eine Galionsfigur der Linken, berüchtigt für seine radikalen Ansichten. 2003 wurde der damalige Labour-Abgeordnete wegen parteischädigenden Verhaltens aus der Partei ausgeschlossen. Vor dem Irak-Krieg hatte er die eigene Regierung als "Tony Blairs Lügenmaschine" bezeichnet. Mehrfach hatte er auch Iraks damaligen Diktator Saddam Hussein und Terrororganisationen wie die Hisbollah verteidigt.

Inzwischen sitzt er für die von ihm selbst gegründete Partei Respect im Parlament. Die Wahl hatte er vor allem der starken Unterstützung der Muslime in seinem Wahlkreis in Bradford zu verdanken.

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Galloway sollte in Oxford nun für den sofortigen Abzug Israels aus dem Westjordanland plädieren. Den Gegenstandpunkt vertrat der 23-jährige Student Eylon Aslan-Levy. Der Politikstudent vom Brasenose College hatte gerade erst mit seinem Auftakt-Statement begonnen, da wurde er von Galloway unterbrochen. "Sind Sie Israeli?", fragte der Parlamentarier. Als Aslan-Levy bejahte, stand Galloway auf und nahm seinen Mantel.

"Ich wurde falsch informiert, sorry"

"Ich debattiere nicht mit Israelis", sagte Galloway. "Ich wurde falsch informiert, sorry." Das Video von dem Eklat machte umgehend die Runde im Internet. Später schob Galloway auf Facebook noch eine Erklärung nach: "Ich habe mich heute Abend geweigert, in Oxford mit einem Israeli, einem Anhänger des Apartheid-Staats Israel, zu debattieren. Der Grund ist einfach: keine Anerkennung, keine Normalisierung. Nur Boykott, Kapitalabzug und Sanktionen, bis der Apartheid-Staat niedergeschlagen ist. Ich debattiere nie mit Israelis und spreche auch nicht mit ihren Medien."

Als er den Raum verließ, buhten die Studenten, einige lachten ungläubig. Die Veranstalter gingen auf Distanz zu ihrem Gast und Aslan-Levy forderte, dem Politiker sein Unterhausmandat zu entziehen: Aufgrund seiner Nationalität nicht mit jemandem zu reden, sei "reiner Rassismus" und "inakzeptabel" für einen Parlamentarier.

Studenten sollen über Antrag zu Israel-Boykott abstimmen

Der Auftritt wäre vielleicht bald in Vergessenheit geraten - wenn es nicht auch noch diesen Antrag eines Studenten geben würde: Darin wird ein Beitritt zur internationalen Anti-Israel-Kampagne "Boykott, Kapitalabzug, Sanktionen" (BDS) gefordert. Alle Kommilitonen an den verschiedenen Colleges der Universität sind aufgerufen, über den Antrag abzustimmen. Wenn er angenommen wird, soll er beim nächsten nationalen Studententreffen im April eingebracht werden.

Die BDS-Kampagne wurde 2005 von palästinensischen Nichtregierungsorganisationen gegründet, sie ruft zum Boykott israelischer Produkte und sämtlicher Firmen auf, die mit Israel Geschäfte machen. Der Boykott erstrecke sich ausdrücklich nicht auf Personen, teilte die Organisation nach Galloways Auftritt mit.

Laut "Observer" wird die Studentenvertretung, die Oxford University Students Union (OUSU), am Mittwoch darüber entscheiden, ob der Antrag eingebracht wird oder nicht. Bislang haben die meisten Colleges dem Bericht zufolge noch nicht abgestimmt. In zwei Colleges, Magdalen und Brasenose, sei der Antrag deutlich abgeschmettert worden. Viele Studenten seien besorgt, dass die Studentenvertretung Außenpolitik machen wolle, sagte Aslan-Levy dem "Observer".

Korrektur: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Oxford University Students Union habe Galloway eingeladen. Das ist falsch. Er wurde auf Initiative anderer Studenten eingeladen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Forum

Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
1. Mit Hass, Krawall und Konfrontation Probleme lösen ..
maximilianeberl 26.02.2013
.. klappt schon seit Anbeginn der Welt nicht. Richtig ist, dass beide Seiten nicht bereit sind zu einem Frieden, der ihren Kindern ein Leben in Frieden und Würde ermöglicht. Deshalb aber das Gespräch zu verweigern ist [...]
.. klappt schon seit Anbeginn der Welt nicht. Richtig ist, dass beide Seiten nicht bereit sind zu einem Frieden, der ihren Kindern ein Leben in Frieden und Würde ermöglicht. Deshalb aber das Gespräch zu verweigern ist ein Zeichen völliger Dummheit.
2. Linker Antisemitismus pur...,
spmc-122226439819235 26.02.2013
die Fratze des Judenhasses der Linken kommt immer wieder klar zum Vorschein und diese Genossen nehmen sich aber auch nicht einen Kommastrich mit der gleichen Klientel von Rechts ,dies ist über viele Jahrzehnte eine Suppe.Der [...]
die Fratze des Judenhasses der Linken kommt immer wieder klar zum Vorschein und diese Genossen nehmen sich aber auch nicht einen Kommastrich mit der gleichen Klientel von Rechts ,dies ist über viele Jahrzehnte eine Suppe.Der Kampf muß gegen Rechts und Links erfolgen,denn diese Entgleisung könnet auch in Deutschland mit Menschen dieser Denkrichtung passieren.Beispiele wie die RAF u.ä. gibt es in einer Vielzahl.
3. wer behauptet das?
hashemliveloirah 26.02.2013
Es ist faszinierend: weder der spon-Artikel noch irgend ein Blatt noch die WIKI unter "Kontroverses" beschuldigen Galloway des Antisemitismus'. Aber bereits der erste post hier.... Die Briten scheinen weniger [...]
Es ist faszinierend: weder der spon-Artikel noch irgend ein Blatt noch die WIKI unter "Kontroverses" beschuldigen Galloway des Antisemitismus'. Aber bereits der erste post hier.... Die Briten scheinen weniger "herzerfrischend auszuleben" als vielmehr objektiv zu differenzieren. Aber keine Sorge - natürlich wird G. nächstes Jahr seinen Platz in den Charts bekommen.
4. Kein Antisemitismus
Madouc 26.02.2013
Das Problem ist doch, dass man bei Kritik an Israel sofort als "Antisemit" da steht. Dabei geht es weder um das Volk, noch um die jüdische Glaubensgemeinschaft, sonder einzig und allein um die Politik der Regierung des [...]
Das Problem ist doch, dass man bei Kritik an Israel sofort als "Antisemit" da steht. Dabei geht es weder um das Volk, noch um die jüdische Glaubensgemeinschaft, sonder einzig und allein um die Politik der Regierung des Staates Israel. Solange sich aber die Gegner dieser Politik immer wieder in die Antisemitsche Ecke drängen lassen kann es zu keiner vernünftigen politischen Diskussion kommen. Ich finde den Ansatz einer "Anti-Apartheit-Bewegung" in diesem Falle sehr interessant, vielleicht ist das die Basis auf der man endlich Kritik üben darf ohne gleich wieder mit völkermordenen Regimen gleichgestellt zu werden.
5. Israel, Staat mit unterschiedlichen Ethnien
mantrid 26.02.2013
Die Haltung von Gallway teile ich ausdrücklich nicht. Die Ablehung einer Nationalität als Rassismus zu bezeichnen, ist allerdings Unfug. Wenn ich z.B. gegen US-Amerikaner wäre, wäre ich dann rassistisch in Bezug auf Schwarze, [...]
Die Haltung von Gallway teile ich ausdrücklich nicht. Die Ablehung einer Nationalität als Rassismus zu bezeichnen, ist allerdings Unfug. Wenn ich z.B. gegen US-Amerikaner wäre, wäre ich dann rassistisch in Bezug auf Schwarze, Latinos, Indianer usw.? Im Staat Israel leben Menschen unterschiedlichster Ethnien, zwar überwiegend jüdischen Glaubens, aber auch Christen, Muslime usw. Von daher ist der Rassismus-Vorwurf einfach dümmlich.
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