01.10.2008
Uni-Ranking
Wer hat die besten Tassen im Schrank?
Ein guter Uni-Becher ist wie ein guter Kommilitone, findet Jan Thiemann: "Er ist zuverlässig, hat keinen Sprung in der Schüssel, bietet Halt, wenn es heiß hergeht, und ist auch nach dem Studium für dich da", so der Redakteur des Hochschulmagazins "Unicum". Nur sollte man mit Mitstudenten besser nicht genau das machen, was ein paar junge Forscher den Werbetassen von 14 Hochschulen angetan haben.
Was den Uni-Bechern in einem Ranking der sonderbaren Art widerfuhr: Sie wurden herumgeworfen, über die Maßen erhitzt, unter Zuglast gesetzt und mit einer rotierenden Schleifscheibe malträtiert. Die Arbeit erledigten neun Studenten der Ruhr-Universität Bochum aus den Bereichen Maschinenbau, Physik und Astronomie.
Sinnvolle und weniger sinnvolle Hochschulrankings gibt es seit vielen Jahren. Mal ist es nur amüsantes Gesellschaftsspiel, mal knallharter Wettbewerb - so ließ die Exzellenzinitiative Milliarden auf die Forschung regnen. Diverse Zeitschriften oder Institute lassen Studenten über die Qualität der Lehre urteilen, fragen Arbeitgeber nach dem Ruf der Hochschulen und Studenten nach dem Ruf der Arbeitgeber, zählen Publikationen aus den Fachbereichen oder sie erkunden sich bei Professoren, welche Unis sie ihren eigenen Kindern empfehlen würden.
Der Ingenieur fürs Grobe
Hinzu kommt allerhand Unfug wie ein "Playboy"-Ranking der "Unis mit dem größten Sex-Appeal" oder, hübsch ausgedacht, ein Designer-Verdikt der "Zeit" über die Gestaltung von Uni-T-Shirts.
In die gleiche Richtung zielt jetzt das "Unicum"-Ranking der Kaffeetassen mit Uni-Logo. Optisch sind sie durchweg mäßig originell, aber das Design war auch nur eine von drei Kategorien. Bei den beiden anderen - Material und Alltagstauglichkeit - durften die Tester sich richtig austoben: Die Physiker steckten die in Uni-Shops handelsüblichen Tassen in einen Spezialofen und brachten sie auf haushaltsunübliche Temperaturen von mehreren hundert Grad. Auf einer schrägen Tischplatte testen sie auch, bei welcher Neigung welcher Becher abrutscht. Die Ingenieure waren zuständig fürs Grobe: Sie spannten die Tassen mit dem Henkel in eine Zugmaschine und sahen zu, wie die Keramik barst. Warum? Weil man's kann!
Heidelberger Humpen bei der Füllmenge vorn
Sieger in dieser Henkelprobe war die Tasse der RWTH Aachen. 1100 Newton vertrug der Pott, das entspricht immerhin 110 Kilogramm Zuglast - Platz eins. Optisch schaffte es die Aachener Tasse auf Rang drei in der Designwertung, den Spitzenplatz holte hier eine rosafarbene Tasse mit einem an US-Colleges angelehnten Logo der Uni Köln. Nun ja, muss man mögen.
Wichtig für eine Tasse ist für Puristen ja, was reinkommt. Bei der Füllmenge setzte sich klar ein gewölbtes, an ein Schoppenglas angelehntes Modell der Uni Heidelberg durch. Vorteil: Wer sich die knapp 385 Milliliter in diesen Humpen gefüllt hat, braucht nicht mehr so bald zur Fachschaftskaffeemaschine zu laufen. Nachteil: Wer so gierig einschenkt, bringt eventuell die Kommilitonen gegen sich auf.
Und wenn die Kaffeetasse der eigenen Uni richtig fies aussieht und beim Test völlig versagt hat? Untersuchungsleiter Jan Thiemann spendet tröstende Worte: "Ein Uni-Wechsel ist deshalb nicht zwingend erforderlich" - vielleicht werde das gute Stück ja in einigen Jahren wieder modern. Schlaghosen, Plateauschuhe oder orange-grüne Vorhänge aus den siebziger Jahren, diesem durch und durch geschmacksterroristischen Jahrzehnt, sind schließlich auch später zurückgekehrt.
Das Gesamtergebnis des bundesweiten Tassen-Rankings gibt es hier in der Fotostrecke
cht/jol