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16.02.2012
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Student gewinnt Programmier-Contest

Der Ameisenkönig

Von Sebastian Hofer
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Mathis Lichtenberger

Meister der Künstlichen Intelligenz: Student Mathis Lichtenberger, 21, hat den internationalen Programmierwettkampf AI Challenge gewonnen. Im Online-Ameisenkrieg setzte sich der Informatiker gegen Tausende Teinehmer durch. Seine Taktik: lokal denken und so alle anderen niedermachen.

Am Ende hatte ihm der Spieler GreenTea seinen Sieg fast noch streitig gemacht. Doch die programmierten Ameisen von Mathis Lichtenberger, Alias- und Programmname xathis, waren besser als die seines ukrainischen Konkurrenten. Lichtenberger, 21, ist ein Mathe-Ass und trat mit seinem Computerprogramm bei der AI Challenge, einem internationalen Programmierwettbewerb für Künstliche Intelligenz (KI), an - und gewann. Gegen mehr als 7000 Kontrahenten, manche gestandene Software-Entwickler, setzte sich der Informatikstudent der Uni Lübeck durch.

Die AI Challenge lockt mit ihren Strategiespielen seit vier Jahren Programmierverrückte aus der ganzen Welt an. Ausgerichtet wird sie vom Informatik-Club der kanadischen University of Waterloo, seit 2010 fördert der Suchmaschinenriese Google den Wettstreit.

Jeder Teilnehmer programmiert einen automatisierten Mitspieler für das Spiel. Der tritt dann gegen die anderen an und kämpft Spiel für Spiel um Punkte und damit um die besten Plätze auf der Rangliste.

Die Gegner diskutierten ehrfurchtsvoll xathis' Strategie

Diesmal hieß das Spiel "Ants". Ameisen schwärmen dabei von ihrem Bau aus in ein Labyrinth, sammeln Futter und müssen in Kämpfen gegen die gegnerischen Ameisenvölker bestehen. Aus einer Pixel-Ameise beim Start wird schnell ein Gewusel, fressen die Ameisen, schlüpfen immer mehr aus dem Bau. Ziel des Spiels: Den Ameisenbau der Gegner zu zerstören.

Frühere Spiele hießen "Schere, Stein, Papier" oder "Planet Wars", waren ebenfalls simpel gestrickt und ähnelten sich in einem Punkt: Es ging zu allererst um Taktik. "Das Ameisenspiel hat mich gleich begeistert", sagt Lichtenberger. Auf die AI Challenge wurde er zufällig aufmerksam, als er sich im Internet vom Klausurlernen ablenkte.

"Erst mal ging es darum, möglichst viele Ameisen zu bekommen, um die anderen Armeen bekämpfen zu können," sagt Lichtenberger. Sein programmierter Mitspieler xathis bestehe aus mehreren kombinierten Algorithmen für Bewegung, Fressen, Kämpfen. Die größte Herausforderung für ihn sei die Kampftaktik gewesen."Viele andere haben sich eine globale Strategie ausgedacht, ich habe mich auf die Vorausberechnung der Bewegungen in der lokalen Umgebung konzentriert."

Und das erwies sich als Erfolgsrezept: Beim Hochladen seines ersten Spielers im Juli war das Spiel noch in der Testphase und er hatte keine großen Erwartungen. "Dann dominierte mein Spieler über einen Monat lang alle anderen", sagt Lichtenberger. Jeden Tag hätten seine Konkurrenten im Chat ehrfurchtsvoll über seine Strategien diskutiert.

Ant the winner is...

Sein Talent für Programmierung und komplexe Zusammenhänge hat Lichtenberger früh entdeckt. Nach einem Computerkurs in der sechsten Klasse fing er an, kleine Spiele zu programmieren. "Das war ein unheimlich gutes Erlebnis, weil man da schnell Ergebnisse sehen konnte und die Spiele dann auch gleich mit seinen Freunden spielen konnte." Folgerichtig hießen seine Leistungskurse Mathe und Physik. Schon früh nahm er an Wettbewerben teil: Mit zwölf Jahren ein erster Platz bei "Jugend forscht", ein zweiter Platz bei der Mathematik-Olympiade mit 13. 2008, mit 17, gewann sein Team mit einem selbstgebauten Roboter beim bundesweiten RoboKing-Wettbewerb den zweiten Platz.

Doch die Konkurrenz bei der AI Challenge war härter. Nach den ersten Erfolgen überholten die Gegner Lichtenbergers Programm. Der Student schrieb eine verbesserte Version und lud sie eine Woche vor Ende des Wettbewerbs nach ausführlichen Tests auf den Server. xanthis schoss wieder an die Spitze.

Für das fünftägige Finale rechnete sich Lichtenberger gute Chancen aus, doch es wurde spannender als erwartet: Kurz vor Spielende am heiligen Abend um 3 Uhr morgens holte ein ukrainischer Programmierer mit seinem Spieler GreenTea auf, dann zog er vorbei. Lichtenberger konnte nur zusehen.

"Ich hatte die Hoffnung fast aufgegeben, aber dann ließ seine Glückssträhne nach." Die letzten Sekunden verstrichen - und xanthis stand auf Platz eins. Mathis Lichtenberger hatte sich im Finale gegen 500 Programmierer durchgesetzt.

Preisgeld gibt es für die AI Challenge keins, dafür jede Menge Anerkennung in Programmiererkreisen. Und vielleicht, so hofft Lichtenberger, geht es ihm wie dem Gewinner des vorletzten Wettbewerbs. Der arbeitet inzwischen beim Wettbewerbssponsor Google.

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