01.06.2012
Typologie der Festivalgäste
Vandalen, Jünger und Choleriker
Vorfreude ist die schönste Freude - und das gilt ganz besonders für Festivals, findet Oliver Uschmann. Der Musikfanatiker und Autor pilgerte Ende der Neunziger mit 19 Jahren zu seinem ersten Festival. "Ich war der Typ Weltverbesserer und durchaus anstrengend für meine Mitmenschen", sagt er.
Inzwischen ist Uschmann 34 und nicht mehr nur als Fan, sondern auch als Berichterstatter auf Festivals unterwegs. In seinem Buch "Überleben auf Festivals - Expeditionen ins Rockreich" hat er für die Saison 2012 aufgeschrieben, was Novizen über die musikalische Großveranstaltung Festival wissen sollten.
Denn Festivalbesucher sind, sobald sie das Auto abgestellt und die erste Palette Dosenbier ausgeladen haben, nicht mehr sie selbst. Sie mutieren zu ganz bestimmten Typen, denen man auf einem langen Musikwochenende irgendwo im nirgendwo (Wacken, Neuhausen ob Eck, Haldern, Scheeßel und viele mehr) immer wieder begegnet:
Einer kümmert sich rührend um seine Mitzelter. Ein anderer sitzt wie eine Sphinx inmitten des Chaos und man weiß nicht, was er hier eigentlich will. Und der Fahrer des alten VW-Busses ist zwar bald Mitte-Dreißig, hat aber trotzdem seinen Punkrockgeschmack aus den Neunzigern beibehalten.
Ihnen allen hat Uschmann je ein liebevolles Kapitel in seinem Buch gewidmet. Teil 1 aus "Überleben auf Festivals" - die Typologie der anstrengendsten Festivalbesucher, vom Neunziger-Jahre-Kinnbart bis zum Vandalen:
Die Vandalen: Nachts wird es gefährlich
Der Jünger: Es gibt nur diese eine Band
Der Neunziger-Jahre-Kinnbart: Es sollte immer NOFX da sein
Der Kümmerer: Immer helfen, weil es sonst niemand tut
Der Flirter: Hauptsache er riecht gut
Die Statue: Wann steht der Mann vom Stuhl auf?
Der Choleriker: Endlich ein Grund zu zetern