04.07.2012
Rituale auf Festivals
Götter im Dixi, erhöret uns
Ritual Frauensuche: Diese Fans schreien, vielleicht sogar nach Helga
Dieser Begriff ist gerechtfertigt, denn im Kern ist das Rufen nach Helga ein transzendentaler Vorgang, der verschüttete religiöse Sehnsüchte anspricht. Schließlich weiß jeder, der in den Ruf einstimmt: Helga ist weg, und doch ruft man nach ihr, in der Hoffnung, die Erlöserin kehre zurück.
Die Ketzer beantworten den Ruf nicht mit einem erneuten "Helga!", sondern mit: "Helga ist tot!" Die gläubigen Helga-Rufer sehnen sich nach Gott, die Ketzer spielen Nietzsche und antworten: "Gott ist tot." Die Skeptiker sitzen dazwischen und warten einfach nur, dass es aufhört. Ein komplett gottloser Rest bastelt Gummipuppen mit der Aufschrift "Helga". Diese Leute kommen ganz sicher in die Hölle.
"Egal was du schreist, ob Helga oder Hitler..."
Es gibt den Ruf nach Helga schon ewig. Gleichzeitig glaubt jeder, er sei erst auf dem Festival entstanden, das er als Erstes in seinem Leben besucht hat. Ein Blogger im MusikerWiki behauptet, der Ruf gehe auf das Open Air St. Gallen Ende der achtziger Jahre zurück, da sich dort viele aus dem Schlaf gerissene Besucher an der Suche nach der verlorenen Helga beteiligten.
Ein Programmierer aus Bremen behauptete gegenüber der "taz", er habe den Ruf 1999 auf dem Hurricane erfunden. Er habe damit die Verführbarkeit der Menschheit testen wollen. Zitat: "Egal was du schreist, ob Helga oder Hitler - die Leute machen es nach." Helga, so der Programmierer, sei im echten Leben die Freundin seiner Mutter, eine ganz normale Hausfrau. Kurz darauf sah sich die "taz" genötigt, die Gegendarstellung eines "Anwalts" zu drucken, dessen Mandantin Helga Horstmann beim Bizarre 1992 mit einem Roadie hinter der Bühne verschwunden sein soll und den ganzen Tag lang von ihrem Mann gesucht wurde.
Die Firma Helgaa-Festivalservice hat aus dem Mythos sogar ein Geschäft gemacht. Bei Helgaa kann man das gesamte nötige Non-Food-Equipment vor dem Festival bestellen und dann vor Ort abholen. So spart man sich die vielen Shuttlebus-Fahrten und den Bandscheibenvorfall. "Helgaa besorgt es dir" und "Helgaa schleppt für dich" lauten die Slogans, das Logo der Firma ist das Konterfei einer Frau, also Helgas, und somit theologisch gesehen eine Todsünde, da man sich von der Göttin kein Bild machen soll.