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04.07.2012
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Rituale auf Festivals

Götter im Dixi, erhöret uns

6. Teil: Unflätige Schilder aufhängen: So war das alles nicht gemeint

Freizügigkeitsaufforderung auf Festivals: Bitte nicht zu wörtlich nehmen!
Jörg Everding

Freizügigkeitsaufforderung auf Festivals: Bitte nicht zu wörtlich nehmen!

In gutbürgerlichen Nachbarschaften gibt es Steuerhinterziehung, außerehelichen Beischlaf und manchmal sogar Mord, aber das hängt man nicht an die große Glocke. Auf dem Festivalzeltplatz ist es umgekehrt. Steuern kann hier niemand hinterziehen, weil keiner genug verdient. Der Beischlaf ist nicht außerehelich, da außer den Veteranen im Wohnmobil niemand verheiratet ist. Für Mord ist man zu besoffen oder zu gutmütig. Hier passiert hinter den Zeltwänden und Wohnwagenwänden also nichts, aber dafür stellt man unflätige Schilder in seinen Vorgarten, klebt sie an die Pavillons oder pappt sie ans Zelt.

FOTOSTRECKE

Typologie der Festivalbesucher: Flirter, Jünger, Vandale, Kinnbart
Besonders häufig rufen diese Schilder zu Sex auf, zu schnellen Nummern ohne Verpflichtung. "Nothing More Than A Casual Fuck" steht dann auf altem Pappkarton oder "Freifick hier!" mit schwarzem Edding auf weißem Papier. Diese Aufforderung meint allerdings keiner ernst. "Die regelmäßigen Besucher des Reservats teilen das gemeinsame Wissen darüber, dass jede Äußerung, die offen zu Sex oder Gewalt auffordert, grundsätzlich nicht wörtlich zu nehmen ist", sagt Prof. Dr. Emmanuel Klopotek vom Institut für elementare Ernsthaftigkeitsprüfung (IfeE) aus Jämlitz-Klein Düben.

Das Institut machte die Probe aufs Exempel und schickte ein paar Männer los, um die vielen angebotenen Freificks zu testen. Das Ergebnis: 100 Prozent der Schilder wurden von ironisch gebrochenen Männern aufgehängt, die nichts, was sie sagen, ernst meinen.

Opfertypen unerwünscht im Opferzelt

Auf Drängen der Tester gaben sie zu, mit dieser Maßnahme durch Übertreibung der notgeilen Wahrheit humorvolle Weibchen anlocken zu wollen, die sich am Ende vielleicht doch darauf einlassen, nachdem sie vorher gemeinsam mit ihnen über die alberne Idee gelacht haben.

Auch Schilder wie "Einmal auf die Fresse: 1 Euro!" oder "Opferzelt" nahmen die Tester ernst. Sie fragten höflich nach, ob es einen Euro koste, zu schlagen oder geschlagen zu werden, und pflückten aus der Menge kleine, bebrillte oder buckelige Opfertypen heraus, um sie unter lautem Geschrei zu den Campern zu tragen, die das "Opferzelt" beschriftet hatten. Dort warfen sie die zeternden Zwerge auf einen Haufen und hörten erst damit auf, als die Errichter des Opferzelts ihr Schild abnahmen, murmelten, das sei alles nicht so gemeint gewesen, und schimpften, dass die Tester sie wohl nicht mehr alle hätten.

Man lernt also: Weht zwischen den Einfamilienhäusern harmlos das Bambusgras in den Vorgärten, sind im Keller des Hauses wahrscheinlich SM-Studios und Swingerclubs verborgen. Stellt jemand ein "Freifick!"-Schild vor sein Zelt, dürfte er mit großer Wahrscheinlichkeit noch Jungfrau sein oder alle fünf Minuten seine daheimgebliebene Freundin anrufen und sie mit um drei Oktaven höher gelegter Stimme durch Kosenamen und ein gepiepstes "Buhilei, buhilei!" beruhigen.

Der Beitrag ist ein gekürzter und redaktionell bearbeiteter Auszug aus Oliver Uschmanns Buch "Überleben auf Festivals - Expedition ins Rockreich", erschienen beim Wilhelm Heyne Verlag München.

son/cht

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insgesamt 15 Beiträge
1.
miruwa 04.07.2012
Man kann ja keinen zu seinem Glück zwingen. Festivals sollte man auf jeden Fall besucht haben, bevor der alternde Rücken den Campingspass trübt.
Zitat von hartholz365Solche Festivials haben mich deshalb nie gereizt. Für das ganze Pack drumherum das man ertragen muss, müsste man mir noch Geld bezahlen, dafür gebe ich keinen Cent aus.
Man kann ja keinen zu seinem Glück zwingen. Festivals sollte man auf jeden Fall besucht haben, bevor der alternde Rücken den Campingspass trübt.
2. kleine Anregung
walter_e._kurtz 04.07.2012
...zum Thema quer-durch-die-gegend-fliegen: Man nehme; einen ollen fuffi-scooter, schweiße ein ca. 4m langes Stahlrohr quer zur Fahrtrichtung an den Rahmen, auf der anderen Seite befestige man eine ausreichend große Öse, durch [...]
...zum Thema quer-durch-die-gegend-fliegen: Man nehme; einen ollen fuffi-scooter, schweiße ein ca. 4m langes Stahlrohr quer zur Fahrtrichtung an den Rahmen, auf der anderen Seite befestige man eine ausreichend große Öse, durch die man einen (ebenfalls ausreichend großen) Erdnagel in den Grund treibt. Den Umkreis am besten gut wässern! Ich weiß, ist für die Weicheier, aber der Streß mit den Besitzern der planierten Zelten ist geringer, und Knochenbrüche sind auch hier nicht ausgeschlossen!!
3.
Celegorm 04.07.2012
Crowdsurfing ist eigentlich nur in Kombination mit Stagediving vertretbar, sowohl aus Stilgründen wie auch durch den Umstand, dass die Person dann von vorne kommt. Zumal das ja auch der Ursprung des Ganzen ist. Blöderweise sind [...]
Crowdsurfing ist eigentlich nur in Kombination mit Stagediving vertretbar, sowohl aus Stilgründen wie auch durch den Umstand, dass die Person dann von vorne kommt. Zumal das ja auch der Ursprung des Ganzen ist. Blöderweise sind gerade Festivals mittlerweile ungeeignet dafür, da selbst kleinere Bühnen gefühlte 20 Meter-Gräben haben. Allerdings kein Grund, das mit einer grenzwertigen Light-Version fortleben zu lassen, bei der sich meist irgendein alkoholisierter Brocken hochheben lässt um den arglosen Leuten zwei Reihen weiter ins Genick zu fallen. Als Gegenwehr bleibt eigentlich nur noch, solche Gestalten absichtlich ins Leere fallen zu lassen. Sowieso sind eigentlich all diese "Rituale" so anachronistisch wie phantasielos. "Helga"-Rufer outen sich doch schon seit Langem als vorpubertäre Grünschnäbel oder Leute, die offenbar in den frühen 90ern mal die falschen Drogen erwischt haben. Gilt auch für die neuen "Trends". Ja, es sah witzig aus, als die Beatsteaks den Ring absitzen liessen, aber wenn manche das mittlerweile bei jeder Schnarchnasen-Band dreimal pro Auftritt anzetteln wollen ist es nur noch peinlich. Sowieso scheint man oft den Eindruck zu haben, dass viele so krampfhaft "Spass haben" wollen, dass sie diesen zielsicher nicht erreichen..
4.
kaninchenfurz 04.07.2012
sowas passiert immer nur im Suff ....
sowas passiert immer nur im Suff ....
5. Helga ...
kranewasser57 04.07.2012
.. wurde das erste Mal Mitte der 80er auf dem damaligen Passauer Open Air auf dem Thingplatz am Oberhaus gesucht. Und zwar während einer Musikpause am hellichten Tag. Als Mitorganisator des Festivals in den ersten Jahren (1980 war [...]
.. wurde das erste Mal Mitte der 80er auf dem damaligen Passauer Open Air auf dem Thingplatz am Oberhaus gesucht. Und zwar während einer Musikpause am hellichten Tag. Als Mitorganisator des Festivals in den ersten Jahren (1980 war das erste, 1998 m.W. das letzte) habe ich das als riesengroßen Spass empfunden, mit dem sich die Besucher in den musiklosen Umbaupausen die Zeit vertrieben haben. In den folgenden Jahren war das dann der "Schlachtruf der Eingeweihten". Ob nun der Erfinder das aus St. Gallen mitgebracht oder von Passau nach St. Gallen exportiert hat - darüber mögen sich andere streiten. Vielleicht gibt es im Netz ja noch jemand, der sich als Teilnehmer in Passau daran erinnert.

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