04.07.2012
Rituale auf Festivals
Götter im Dixi, erhöret uns
Freizügigkeitsaufforderung auf Festivals: Bitte nicht zu wörtlich nehmen!
Besonders häufig rufen diese Schilder zu Sex auf, zu schnellen Nummern ohne Verpflichtung. "Nothing More Than A Casual Fuck" steht dann auf altem Pappkarton oder "Freifick hier!" mit schwarzem Edding auf weißem Papier. Diese Aufforderung meint allerdings keiner ernst. "Die regelmäßigen Besucher des Reservats teilen das gemeinsame Wissen darüber, dass jede Äußerung, die offen zu Sex oder Gewalt auffordert, grundsätzlich nicht wörtlich zu nehmen ist", sagt Prof. Dr. Emmanuel Klopotek vom Institut für elementare Ernsthaftigkeitsprüfung (IfeE) aus Jämlitz-Klein Düben.
Das Institut machte die Probe aufs Exempel und schickte ein paar Männer los, um die vielen angebotenen Freificks zu testen. Das Ergebnis: 100 Prozent der Schilder wurden von ironisch gebrochenen Männern aufgehängt, die nichts, was sie sagen, ernst meinen.
Opfertypen unerwünscht im Opferzelt
Auf Drängen der Tester gaben sie zu, mit dieser Maßnahme durch Übertreibung der notgeilen Wahrheit humorvolle Weibchen anlocken zu wollen, die sich am Ende vielleicht doch darauf einlassen, nachdem sie vorher gemeinsam mit ihnen über die alberne Idee gelacht haben.
Auch Schilder wie "Einmal auf die Fresse: 1 Euro!" oder "Opferzelt" nahmen die Tester ernst. Sie fragten höflich nach, ob es einen Euro koste, zu schlagen oder geschlagen zu werden, und pflückten aus der Menge kleine, bebrillte oder buckelige Opfertypen heraus, um sie unter lautem Geschrei zu den Campern zu tragen, die das "Opferzelt" beschriftet hatten. Dort warfen sie die zeternden Zwerge auf einen Haufen und hörten erst damit auf, als die Errichter des Opferzelts ihr Schild abnahmen, murmelten, das sei alles nicht so gemeint gewesen, und schimpften, dass die Tester sie wohl nicht mehr alle hätten.
Man lernt also: Weht zwischen den Einfamilienhäusern harmlos das Bambusgras in den Vorgärten, sind im Keller des Hauses wahrscheinlich SM-Studios und Swingerclubs verborgen. Stellt jemand ein "Freifick!"-Schild vor sein Zelt, dürfte er mit großer Wahrscheinlichkeit noch Jungfrau sein oder alle fünf Minuten seine daheimgebliebene Freundin anrufen und sie mit um drei Oktaven höher gelegter Stimme durch Kosenamen und ein gepiepstes "Buhilei, buhilei!" beruhigen.
Der Beitrag ist ein gekürzter und redaktionell bearbeiteter Auszug aus Oliver Uschmanns Buch "Überleben auf Festivals - Expedition ins Rockreich", erschienen beim Wilhelm Heyne Verlag München.
son/cht