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09.06.2012
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Wohnetikette

"Jede WG braucht ein Not-Kondom"

Das WG-Lexikon: Von A wie Aufräumen bis Z wie Zahnbesen
Fotos
Corbis

Die Mitbewohner nerven mit sexuellen Eskapaden? Der Auflauf gammelt schon seit Monaten im Kühlschrank vor sich hin? Heute kann Markus Henrik über diese Dinge lachen. Der WG-Lexikon-Autor hat in 14 Wohngemeinschaften gelebt - und erklärt, wie man's macht.

SPIEGEL ONLINE: In den vergangenen Jahren haben Sie in sechs Städten in insgesamt 14 verschiedenen WGs gewohnt. Sie Armer.

Henrik: Wieso? Mir wäre ohne diese Erfahrung sehr, sehr viel entgangen. Damit meine ich nicht nur die krassen Erlebnisse. Wohngemeinschaften sind ein Mikrokosmos unserer Gesellschaft, wo Leute irgendwie lernen müssen, miteinander zurechtzukommen.

SPIEGEL ONLINE: Was war denn Ihr krassestes Erlebnis?

Henrik: Ach, da gibt es einiges. Ich habe einmal mein WG-Zimmer in Paderborn untervermietet. Der Untermieter schien nett und okay. Zum Abschied sagte ich ihm, dass ich ihm einen Nudelauflauf in den Kühlschrank gestellt habe. Als ich nach drei Monaten wiederkam, stand der Auflauf noch an der exakt selben Stelle. Andererseits habe ich selbst mal drei Jahre mit derselben Spülmittel-Flasche alles sauber gekriegt, indem ich immer wieder Wasser nachgefüllt habe.

SPIEGEL ONLINE: Wenn das schon alles war…

Henrik: Nein, die eigentlichen Erfahrungen kommen aus Manchester, das war extrem. Jeden Abend war irgendwo Party, einmal machte ich die Tür eines Mitbewohners auf, und da waren vier Leute nackt miteinander zugange.

SPIEGEL ONLINE: Was macht man in so einer Situation?

Henrik: Spazieren gehen zum Beispiel. Oder hinterher ein Buch schreiben, das hat ja auch immer einen therapeutischen Zweck.

SPIEGEL ONLINE: So schlimm?

Henrik: Naja, es gab auch ganz tolle Momente. Zum Beispiel in Liverpool, wo ich mit einem griechischen Musikstudenten zusammenwohnte. Einmal kam ich nachts um drei Uhr nach Hause und da standen in der Küche ein Cellist, zwei Geiger, ein Bratschist und ein DJ - mein Mitbewohner hat seine Abschlussarbeit aufgenommen.

SPIEGEL ONLINE: Die meisten Anekdoten in ihrem WG-Lexikon handeln von Partys, Müll oder Sex. Sie werden 30, haben gerade promoviert und schreiben Bücher. Wie viel wildes WG-Leben ist da noch drin?

Henrik: Zugegeben nicht mehr viel. Jetzt wohne ich mit zwei Mitbewohnern in einem Hinterhof-Altbau in Berlin-Schöneberg. Immerhin haben hier in der Gegend mal David Bowie und Iggy Pop gewohnt. Auch ist es wieder sehr international, unsere Nachbarn sind Künstler. Die perfekte WG braucht so eine Mischung. Mit einer Dreier-WG aus BWLern, die sich den ganzen Tag nur über iPhone-Apps unterhalten, kommt man nicht weit.

SPIEGEL ONLINE: Was sind die wichtigsten Regeln?

Henrik: Man sollte keine Lager bilden. Aber die wichtigste Regel: Nur Dinge in sein eigenes Kühlschrankfach legen, sonst verliert man den Besitzanspruch darauf. Und in jeder WG sollte an einem zentralen Ort ein Notkondom liegen. Wer es benutzt hat, muss für Nachschub sorgen.

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WG-Typen: Willst du mit mir wohn'?
SPIEGEL ONLINE: Wann beenden Sie das Leben in einer WG?

Henrik: Für eine WG ist man nie zu alt, und diese Lebensform ist auch kein reines Studentenphänomen mehr. Im Zuge des demografischen Wandels und explodierender Mieten müssen wir sogar auch an Alters-WGs denken. Es gibt mittlerweile piekfeine WGs mit Reinigungskräften. Da tut sich was.

Das Interview führte Lena Greiner

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
1.
manta 09.06.2012
---Zitat--- Die Badewanne ist ein umkämpfter Platz in jeder WG. Bierflaschen und Schmutzwäsche konkurrieren mit Rosenblättern und Duftkerzen um die Vorherrschaft ---Zitatende--- Erm....Nein Lieber Spiegel, das ist weder ein [...]
---Zitat--- Die Badewanne ist ein umkämpfter Platz in jeder WG. Bierflaschen und Schmutzwäsche konkurrieren mit Rosenblättern und Duftkerzen um die Vorherrschaft ---Zitatende--- Erm....Nein Lieber Spiegel, das ist weder ein Hartzer-Pennerheim noch ein Softporno Drehort. Auch in einer WG haben Leute was zu tun. Wann hört endlich dieses dämliche "Studentenzeit" Geschwafel auf. Die Zeiten von Langzeitstudenten sind vorbei. Wen die heutige Situation interessiert, der soll einfach mal zu einer Uni gehen und sich reinhocken und mal ein bisschen reden mit den Leuten. Da hat man mehr davon als sich eine SPON Kolumne reinzuziehen. Ich bin jedenfalls froh dass ich keine WG bewohne. Ich kann meine Tür zumachen und dann können mich ALLE mal, ausnahmslos. Irgendwann lernt man genau das nämlich mal zu schätzen.
2.
vogel0815 09.06.2012
Ich sehe WGs nur als absolute Notlösung. Klamm wie eine Kirchenmaus oder Wohnung abgebrannt. Dann gebe ich mich für eine WG her. en Raum einer eigenen Wohnung, wo man sein Herr ist und die Türe abschließt, ist durch [...]
Zitat von sysopDie Mitbewohner nerven mit sexuellen Eskapaden? Der Auflauf gammelt schon seit Monaten im Kühlschrank vor sich hin? Heute kann Markus Henrik über diese Dinge lachen. Der WG-Lexikon-Autor hat in 14 Wohngemeinschaften gelebt - und erklärt, wie man's macht. WG: Nützliche Tipps fürs Zusammenleben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,835348,00.html)
Ich sehe WGs nur als absolute Notlösung. Klamm wie eine Kirchenmaus oder Wohnung abgebrannt. Dann gebe ich mich für eine WG her. en Raum einer eigenen Wohnung, wo man sein Herr ist und die Türe abschließt, ist durch nichts zu ersetzen. Man kann seinen "Ticks" ungestört nachgehen, ohne besondere Rücksicht auf etwaige Mitbewohner nehmen zu müssen.
3.
sagichned 09.06.2012
Ganz genau. Man braucht kein dämliches WG lexikon sondern eine einraumwohnung!
Zitat von mantaIch bin jedenfalls froh dass ich keine WG bewohne. Ich kann meine Tür zumachen und dann können mich ALLE mal, ausnahmslos.
Ganz genau. Man braucht kein dämliches WG lexikon sondern eine einraumwohnung!
4. Gehts noch
ritotschka 09.06.2012
Themen unterhalb der Gürtellinie sind einfach nur peinlich. Passt das zum "Spiegel"?
Themen unterhalb der Gürtellinie sind einfach nur peinlich. Passt das zum "Spiegel"?
5.
Kaygeebee 09.06.2012
---Zitat--- Für eine WG ist man nie zu alt, und diese Lebensform ist auch kein reines Studentenphänomen mehr. Im Zuge des demographischen Wandels und explodierender Mieten müssen wir sogar auch an Alters-WGs denken. [...]
---Zitat--- Für eine WG ist man nie zu alt, und diese Lebensform ist auch kein reines Studentenphänomen mehr. Im Zuge des demographischen Wandels und explodierender Mieten müssen wir sogar auch an Alters-WGs denken. ---Zitatende--- Sehe ich anders. Das Leben in der WG ist eine Zwischenlösung zwischen der ersten eigenen Wohnung und dem Elternhaus, welches man während des Studiums oder der Ausbildung führt. Da die Regelstudienzeiten durch den Bachelor und Master immer weiter reduziert werden ist es auch mit dem ewigen WG-Leben vorbei. Ausnahmen gibt es immer, aber das ewige Studentenleben (lange schlafen, feiern, ab und zu mal in die Uni, ernähren tut man sich in der Mensa, hauptsächlich jobbt man irgendwo, da das Bafög schon lange ausgelaufen ist und die Eltern die Geduld verloren haben) geht langsam dem Ende zu. Ich sehe zu, dass ich mein Studium in den besagten 3,5 bis 4 Jahren hinbekomme und dann ausziehe. Wie sich eine übermäßig lange Zeit in einer WG auf einen auswirken kann sehe ich an meinen Mitbewohnern... Langzeitstudenten erster Klasse.

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