Lade Daten...
14.12.2012
Schrift:
-
+

Party-Logbuch Leipzig

Wie Berlin, nur besser

Lass die Hipster nach Berlin ziehen, die Lebenskünstler kommen nach Leipzig: Maximilian Popp hat sich durch das Nachtleben der Stadt gefeiert, in einem alten Fahrradladen Drinks bestellt und ist zu Rockmusik in einem uralten Kino abgegangen. Eine gute Pointe ist hier wichtiger als ein gutes Einkommen.

18.00 Uhr Die Nacht beginnt mit einem Anruf. Mein Kumpel Emin hält sich das Handy ans Ohr und nickt. "Folgt mir. Ich kenne den Ort", sagt er. "Die Party wird wild." Wir fahren mit dem Rad durch Leipzig, vorbei an eckigen Mietskasernen, Plattenbauten und Industriebrachen; über Kanäle, durch einen Wald, bis zu einer Lichtung.

Bunte Lampions hängen an den Bäumen, Boxen stehen im Gras, der DJ wippt im Takt der Musik. Ein paar Dutzend Menschen tanzen ausgelassen zu weichem Techno, Club-Mate-Flasche in der Hand, Lucky-Strike-Zigarette im Mund, Lebensgier in den Augen.

Eine Zeitlang feierten Studenten in vielen deutschen Großstädten illegale Partys im Freien. Es war der Versuch, den ewigen Wiederholungen immergleicher Clubnächte zu entkommen. Doch in Berlin und Hamburg besetzen Investoren Zug um Zug die freien Räume. In Leipzig dagegen tun sich noch neue Lücken auf - die Stadt verändert sich in atemberaubender Geschwindigkeit. In der Künstler-Studenten-Hipster-Karawane hört man es jetzt raunen - "Karl-Heine-Straße", "Georg-Schwarz-Straße", "Clara-Zetkin-Park".

Fotostrecke

Studentenstädte im Nachttest: Abfeiern von Passau bis St. Pauli
Emin kam aus Istanbul zum BWL-Studium nach Leipzig. Er hätte auch nach München gehen können oder nach Köln. Doch die spannendste deutsche Stadt, behaupteten Freunde, sei Leipzig. Außerdem seien die Mieten dort unvorstellbar niedrig. "Better Berlin" nannte die "New York Times" die Stadt. "Ich fand das überzeugend", sagt Emin.

21.30 Uhr Zurück in der Innenstadt, in Connewitz, einem angesagten Leipziger Bezirk. Eigentlich dürfte es Connewitz gar nicht geben. In der DDR sollte das Viertel abgerissen werden und Plattenbauten weichen, das erzählen die wenigen, die damals schon hier lebten. Das Projekt ist gescheitert. Jetzt wohnen Studenten, Musiker und junge Familien in den Altbauten.

Im UT Connewitz, dem ältesten Lichtspieltheater Leipzigs, tanzen Mädchen in Röhrenjeans und Jungs in Retrojacken in einem Saal, der mit den breiten Trägern und der hohen Decke etwas Sakrales ausstrahlt. Eine Band spielt lauten Rock. Das UT Connewitz wird im Dezember 100 Jahre alt, seine Anhänger feiern den Geburtstag mit Konzerten, Lesungen, einem Filmfestival. "Leipzig ist frei von Zynismus", sagt Julia, eine Kunststudentin. Die Allerwenigsten ziehen hierher, um reich zu werden. Die guten Jobs gibt es anderswo. Die Menschen in Leipzig suchen nach einer Alternative, nach anderen Wegen des Arbeitens, des Zusammenlebens, des Feierns. Ein gelungener Auftritt, eine gute Pointe sind manchmal wichtiger als ein hohes Einkommen.

23.15 Uhr Es gibt in Leipzig eine Menge sonderbarer Orte: ein Kino unter Brücken, eine Schule für Schriftsteller. Und es gibt das Dr. Seltsam, einen Fahrradladen im Stadtteil Plagwitz, der nachts als Bar genutzt wird. An der Wand hängen Schläuche, Rahmen, Schraubendreher. Die Luft ist vom Zigarettenqualm vernebelt, die Fenster sind beschlagen. "Könntest du dir einen Laden wie diesen in einer anderen Stadt vorstellen?", fragt Jan, ein Grafiker, der vor einem Jahr aus München nach Leipzig gezogen ist. In München, klagt er, sei kein Platz für verrückte Ideen. Dort verändere sich nichts mehr. In Leipzig hingegen öffnen Clubs für ein halbes Jahr in Ruinen, Unternehmen entstehen in Fabrikhallen. Und Gerd Harry Lybke, der Besitzer der Galerie Eigen + Art, sagte einmal in einem Interview: "In Leipzig kannst du eines Morgens aufwachen und entscheiden 'Ich bin ein Künstler', oder am nächsten Tag sagen 'Ich glaube, ich will Journalist sein'."

2.00 Uhr Wir ziehen weiter ins "Noch besser leben". Ich bestelle Bier bei einem Barkeeper, der aussieht wie Charles Bukowski. In der Kneipe spielen an den Wochenenden oft Bands, die Gäste sitzen auf dem Boden, Studenten, Abenteurer, Hedonisten, Unternehmer, Hipster, Punks. Leipzig ist nicht reich. Aber die Stadt erlaubt den Menschen, das zu tun, was sie wirklich wollen. "Leipzig ist voller Versprechen", sagt Emin.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 43 Beiträge
1. optional
spmc-1204130235 14.12.2012
boorrrrr....ich kanns nich mehr lesen.
boorrrrr....ich kanns nich mehr lesen.
2. Einfach gestrickt...
meistereckhart 14.12.2012
Ging es im letzten Bericht nicht über - oder besser gesagt: gegen - Hannover? Das gab im Forum einen mittelgroßen Aufschrei. Wohl zu Recht. Denn was kann die Stadt dafür, wenn der Schreiberling mit den falschen Leuten an den [...]
Ging es im letzten Bericht nicht über - oder besser gesagt: gegen - Hannover? Das gab im Forum einen mittelgroßen Aufschrei. Wohl zu Recht. Denn was kann die Stadt dafür, wenn der Schreiberling mit den falschen Leuten an den falschen Orten Party machen will? Aber der hippe Autor ist nach Hannover wohl mit der Einstellung "Die Stadt stinkt eh" gefahren und hat dann einen schönen Verriss über das dortige Nachtleben geschrieben. Hannover-Bashing geht ja immer und steigert den Hippness-Faktor. Nun also das gehypte ("das bessere Berlin") Leipzig. Wieder hängt der Schreiber mit den falschen Menschen an den falschen Orten ab - und langweilt sich. Das kann er nur mühsam in seinem Bericht verbergen, aber einen Verriss traut er sich nicht zu schreiben - das wäre ja (weil Leipzig!) sehr uncool und der Hippness abträglich. So einfach gestrickt geht das hier zu! Vielleicht sollte das SPON-Team mal eine echte Partysau losschicken?
3.
HeisseLuft 14.12.2012
Mir ist der Passus entgangen, in dem der Autor mühsam versucht seine Langeweile zu verbergen. Hannoveraner? :-)
Zitat von meistereckhartGing es im letzten Bericht nicht über - oder besser gesagt: gegen - Hannover? Das gab im Forum einen mittelgroßen Aufschrei. Wohl zu Recht. Denn was kann die Stadt dafür, wenn der Schreiberling mit den falschen Leuten an den falschen Orten Party machen will? Aber der hippe Autor ist nach Hannover wohl mit der Einstellung "Die Stadt stinkt eh" gefahren und hat dann einen schönen Verriss über das dortige Nachtleben geschrieben. Hannover-Bashing geht ja immer und steigert den Hippness-Faktor. Nun also das gehypte ("das bessere Berlin") Leipzig. Wieder hängt der Schreiber mit den falschen Menschen an den falschen Orten ab - und langweilt sich. Das kann er nur mühsam in seinem Bericht verbergen, aber einen Verriss traut er sich nicht zu schreiben - das wäre ja (weil Leipzig!) sehr uncool und der Hippness abträglich. So einfach gestrickt geht das hier zu! Vielleicht sollte das SPON-Team mal eine echte Partysau losschicken?
Mir ist der Passus entgangen, in dem der Autor mühsam versucht seine Langeweile zu verbergen. Hannoveraner? :-)
4. Nö...
meistereckhart 14.12.2012
... Berliner. Man kann sich ja trotzdem in anderen Städten auskennen. Berlin ist - entgegen anders lautender Meinungen - nicht der Nabel der Welt. Den Passus, wo die Langweile verborgen wird, findet man nicht - es ist der [...]
Zitat von HeisseLuftMir ist der Passus entgangen, in dem der Autor mühsam versucht seine Langeweile zu verbergen. Hannoveraner? :-)
... Berliner. Man kann sich ja trotzdem in anderen Städten auskennen. Berlin ist - entgegen anders lautender Meinungen - nicht der Nabel der Welt. Den Passus, wo die Langweile verborgen wird, findet man nicht - es ist der ganze Text, der an vielen Stellen von allen möglichen Dingen und Umständen berichtet, aber nicht von Party.
5.
tanzschule 14.12.2012
darüber schreiben ist/klingt immer doof. wir haben es seinerzeit einfach gemacht , ob jemand darüber geschrieben hat? keine ahnung ,war uns auch egal , wir hatten besseres zu tun.
Zitat von sysopLass die Hipster nach Berlin ziehen, die Lebenskünstler kommen nach Leipzig: Maximilian Popp hat sich durch das Nachtleben der Stadt gefeiert, in einem alten Fahrradladen Drinks bestellt und ist zu Rockmusik in einem uralten Kino abgegangen. Eine gute Pointe ist hier wichtiger als ein gutes Einkommen. Party in Leipzig: Wie Berlin, nur besser - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/party-in-leipzig-wie-berlin-nur-besser-a-871973.html)
darüber schreiben ist/klingt immer doof. wir haben es seinerzeit einfach gemacht , ob jemand darüber geschrieben hat? keine ahnung ,war uns auch egal , wir hatten besseres zu tun.

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Fotostrecke

Verwandte Themen

Fotostrecke

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter RSS
alles zum Thema Studium in echt
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten