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16.01.2013
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RCDS-Wahlkampf um Gender-Debatte

Backpfeife für Studierende

Von
Stephan Thomas

Heißt es Studenten oder Studierende? Der Streit tobt seit langem und an Hochschulen besonders heftig: Der Bonner RCDS hat dieser Frage jetzt ein Wahlplakat gewidmet. Die Studierenden sind empört - und wahrscheinlich auch die Student_Innen.

Eine Ohrfeige von Batman hat Studenten an der Uni Bonn erzürnt. Oder Studenten und Studentinnen? Oder Student_Innen? Oder gar Studierende? Um diese Frage geht es in dem Streit, konservative Kräfte bezeichnen das als "Gender-Wahnsinn".

An der Uni Bonn dürfen Studenten in dieser Woche ihr neues Parlament wählen und die örtlichen Hochschulgruppen kämpfen um Stimmen: Die grüne Hochschulgruppe schreibt in einer Wahlzeitung, was sie bisher im Asta umgesetzt hat (unter anderem das Angebot einer Bio-Tüte mit nachhaltig produzierten, bevorzugt regionalen und saisonalen Nahrungsmitteln), die Jusos drucken auf Handzettel, was sie noch erreichen wollen (unter anderem die Anwesenheitspflicht abschaffen). Und der RCDS? Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten, ein der Jungen Union und der CDU nahestehender Verband, wählte als Motiv für seine Wahlplakate unter anderem ein Batman-Comic - und erntet dafür jetzt Häme und Kritik.

Unterdrückung durch das generische Maskulinum?

Auf dem Plakat sagt Robin: "Hochschulpolitik im Sinne der Studierenden…" Batman gibt seinem Partner daraufhin eine Backpfeife und sagt: "…Studenten!" Darunter der Slogan vom RCDS: "Mit uns gegen den Gender-Wahnsinn! Statt über Grammatik und gendergerechte Sprache reden wir über Inhalte." (Plakat als PDF)

Über diesen "Gender-Wahnsinn" wird schon lange diskutiert, nicht nur, aber gern an Unis. So stand zwischenzeitlich mal die Zukunft des Hamburger Studentenmagazins "Info-Parkour" auf der Kippe. Der Grund: Das Magazin schrieb immer über "Studenten", der Asta wollte aber, dass sie häufiger über "Studierende" berichten oder vielleicht jeden fünften Artikel in weiblicher Form verfassen. Und der Asta war derjenige, der das Magazin mit einigen tausend Euro jährlich finanzierte. Der Hamburger RCDS teilte damals dazu mit: "Dass dieses Wort schon grammatikalisch fragwürdig ist, ignoriert er genauso wie die im Grundgesetz verankerte Pressefreiheit."

Der Streit dreht sich um das generische Maskulinum. Damit bezieht sich ein männliches Nomen - wie beispielsweise Studenten - auf eine Personengruppe unbekannten Geschlechts. Sind mit Studenten tatsächlich nur Studenten gemeint? Oder auch Studentinnen? Wenn jemand von den deutschen Bundeskanzlern spricht, die das Land bisher regiert haben, meint er auch Angela Merkel? Auch die Mitglieder der Piratenpartei fragten sich schon: Heißt es der, die oder das Pirat?

Die einen sagen, das generische Maskulinum unterdrücke Frauen, weil es sie systematisch unsichtbar mache. Deswegen seien Wörter wie Lehrende und Studierende zu bevorzugen. Andere sagen, es sei politischer, wieder andere auch einfach grammatikalischer Unsinn (wie unter anderem die Redaktionen von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE). Max Goldt, Autor, Musiker und langjähriger "Titanic"-Kolumnist, schreibt in einem seiner Bücher: "Wie lächerlich der Begriff Studierende ist, wird deutlich, wenn man ihn mit einem Partizip Präsens verbindet. Man kann nicht sagen: In der Kneipe sitzen biertrinkende Studierende. Oder nach einem Massaker an einer Universität: Die Bevölkerung beweint die sterbenden Studierenden. Niemand kann gleichzeitig sterben und studieren." Andererseits: Biertrinkende RCDS-Vorsitzende sind durchaus vorstellbar und wohl nicht unüblich.

"Ich sehe die Kritikwelle als Bestätigung"

Und das Batman-Plakat an der Uni Bonn? Der RCDS sagt, sie haben die geschlechtergerechte Sprache schon länger mal aufgreifen wollen. "Wir verbringen in Gremien sehr viel Zeit damit, Texte richtig zu gendern, statt über die Inhalte der Texte zu reden", sagt der 26-jährige Martin Rademacher, Student der katholischen Theologie und stellvertretender Vorsitzender des Bonner RCDS. Das Batman-Bild habe ihnen gefallen, ironisch sei das Plakat, augenzwinkernd.

Nur kommt das nicht überall so an: "Billige Polemik", sagt der Spitzenkandidat der Piraten-Hochschulgruppe Lukas Nüse. "Der RCDS zieht durch dieses Plakat die Gender-Debatte ins Groteske", sagt Jan Bachmann von der Juso-Hochschulgruppe. "Wir finden es symptomatisch, dass dem RCDS bei Fragen der Geschlechtergerechtigkeit ausgerechnet die 'ausgerutschte' Hand vom starken Mann einfällt", sagt die Referentin für Frauen und Gleichstellung Jana Klein.

Die Bloggerin Helga Hansen fragt, warum von Inhalten auf dem Plakat nichts zu sehen sei, dafür aber von körperlicher Gewalt. Und bei Facebook schreiben die Nutzer neben einigen zustimmenden Kommentaren vor allem Sätze wie: "Ach, der RCDS... auch nach zehn Jahren immer noch voller reaktionärer Idioten." Und: "Wenn der RCDS keine Gewalt gutheißt, sollte er auch keine Gewalt auf Plakaten abbilden." Und: "Die botschaft ist klar: zurück in die vergangenheit."

Für Rademacher sind diese Kommentare ein Zeichen "grenzenloser Humorlosigkeit" der Linken. "Ich sehe die Kritikwelle eher als Bestätigung", sagt er. "Ich fühle mich dadurch geehrt." Das Plakat würden sie genauso noch mal aufhängen. Und ihre Hochschulpolitik wird auch weiterhin im Sinne der Studenten sein, nicht der Studierenden.

Forum

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insgesamt 137 Beiträge
1.
mm71 16.01.2013
Es heisst natürlich "Studenten" oder meinetwegen "Studenten und Studentinnen". Es heisst ja auch Läufer und nicht Laufende.
Zitat von sysopStephan Thomas Heißt es Studenten oder Studierende? Der Streit tobt seit langem, und an Hochschulen besonders heftig: Der Bonner RCDS hat dieser Frage jetzt ein Wahlplakat gewidmet. Die Studierenden sind empört - und wahrscheinlich auch die Student_Innen. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/generische-maskulinum-uni-bonn-streitet-ueber-rcds-wahlplakat-a-877589.html
Es heisst natürlich "Studenten" oder meinetwegen "Studenten und Studentinnen". Es heisst ja auch Läufer und nicht Laufende.
2. Sexismus gegen Sexismus
cthullhu 16.01.2013
""Wir finden es symptomatisch, dass dem RCDS bei Fragen der Geschlechtergerechtigkeit ausgerechnet die 'ausgerutschte' Hand vom starken Mann einfällt", sagt die Referentin für Frauen und Gleichstellung Jana [...]
""Wir finden es symptomatisch, dass dem RCDS bei Fragen der Geschlechtergerechtigkeit ausgerechnet die 'ausgerutschte' Hand vom starken Mann einfällt", sagt die Referentin für Frauen und Gleichstellung Jana Klein." Damit ist eigentlich so ziemlich alles gesagt, was man wissen muss. Die genannte Dame wertet grundsätzlich alle Männer als gewalttätige Brutalos ab. Das ist sexistisch und gehört noch weiter verboten als der "Genderwahnsinn".
3. innovative Endungen
sirisee 16.01.2013
... der Skandal liegt darin, dass durch "Studierende" sowohl ausländische, schwul/lesbische, arme wie auch sonst strukturell Benachteiligte immer noch gänzlich unter den Tisch fallen, sie sprachlich diskriminiert und [...]
... der Skandal liegt darin, dass durch "Studierende" sowohl ausländische, schwul/lesbische, arme wie auch sonst strukturell Benachteiligte immer noch gänzlich unter den Tisch fallen, sie sprachlich diskriminiert und nicht als solche anerkannt werden. Das muss sich ändern, z. B. durch die Endung Studie_InäbiEn. Dann ist klar, wer gemeint ist. Angesichts von 1000 Jahren Unterdrückungsgeschichte durch das weisse männliche Patriarchiat sind kleine Umstellungsschwierigkeiten hinnehmbar.
4. Alles falsch!
olli08 16.01.2013
Es muss natürlich heißen: Studierende und Studierenderinnen
Es muss natürlich heißen: Studierende und Studierenderinnen
5. optional
mwalz1986 16.01.2013
Ich finde diese Gender Debatten an Hochschulen teilweise zu ausgelutscht. Z.B. habe ich nur einmal während meines Studiums mitbekommen, dass es Befragungen zu Geschlechtergerechtigkeit gibt, als ich für ein Nebenfach eine [...]
Ich finde diese Gender Debatten an Hochschulen teilweise zu ausgelutscht. Z.B. habe ich nur einmal während meines Studiums mitbekommen, dass es Befragungen zu Geschlechtergerechtigkeit gibt, als ich für ein Nebenfach eine Vorlesung gehört hab, die von Frauen dominiert ist. Bei meinem Studiengang sind halt mehr Männer als Frauen. Mein erster Gedanke war auch bei dieser Befragung: "Soll ich jetzt reinschreiben, dass Frauen unterdrückt werden, damit die Uni mehr Forschungsgelder bekommen oder was soll diese Ungleichgeweicht in der Befragung?" Allgemein find ich es halt anstrengend von "Studierenden" zu reden und auch die Bescheibung "StudentenInnen" verstehen die meisten doch auch Studentinnen, also alle männlichen Komillitone werden ausgegrenzt. Und nicht zu vergessen, dass "Studenten und Studentinnen" einfach zu lang ist, und nur langweit und unnötig ist.

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