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21.02.2013
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Künstlerinnen-Aktion

Rumalbern mit Gummis

Dirk Fellenberg

Grenzerfahrung: 4000 Kinder-Kaugummis gekaut und an die Wand geklebt

Mit Kieferschmerzen zum Abschluss: Für ihre Masterarbeit kauten und kauten zwei Hamburger Kunststudentinnen und bestickerten ihre Arme mit hunderten Klebetatoos - mit 4000 Kaugummis wohnten sie fünf Tage hinter einer Schaufensterscheibe. Verrückt oder genial?

Ist das Kunst, wenn sich zwei Frauen in einem leerstehenden Hamburger Ladenlokal einquartieren, dort 4000 Kinder-Kaugummis kurz ankauen und dann an die Wand kleben? Das soll hier nicht weiter diskutiert werden.

Stattdessen folgt eine Würdigung dessen, was die beiden 26-jährigen Kunst-Studentinnen Maria Wende und Damaris Schmidetzki von der Fachhochschule Ottersberg auf sich genommen haben für ihre Masterarbeit: Fünf Tage verbrachten sie hinter einer Schaufensterscheibe.

Fast ständig unter der Beobachtung vorbeiflanierender Passanten. Kein TV, kein Internet, keine Dusche. Nur kauen, kauen, kauen. Kieferklemme und kaputter Gaumen. Juckende Arme, weil sie sich die Klebetattoos aus den Kaugummipäckchen gleich in mehreren Schichten auf die Haut pappten.

Die Freundinnen ertrugen die Grenzerfahrung tapfer, genauso wie bei ihrer letzten Performance. Da hatten sie sich 17 Stunden lang in einem Raum eingeschlossen, kein Wort geredet und einen Teleshopping-Kanal geschaut, auf dem in Dauerschleife Gurkenhobel und Miederwäsche angepriesen wurden. Könnte noch schlimmer gewesen sein.

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Heft 1/2013
Status: Süchtig
Wie Tablets und Smartphones vom Studium ablenken

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insgesamt 11 Beiträge
1. Schwachfug
gekreuzigt 21.02.2013
Verrückt oder genial? Die Frage stellt sich nicht.
Verrückt oder genial? Die Frage stellt sich nicht.
2. kunst ist...
jetlag chinaski 21.02.2013
...wenn man/frau trotzdem lacht! klingt ein bischen nach tracy emin, die ähnliches in den 90er jahren performte. aber in der kunst fällt plagiat ja eher unter das genre postmodernismus.
...wenn man/frau trotzdem lacht! klingt ein bischen nach tracy emin, die ähnliches in den 90er jahren performte. aber in der kunst fällt plagiat ja eher unter das genre postmodernismus.
3. Phantasielos
muunoy 21.02.2013
Ja, da waren die Damen wohl mal in Seattle. Dort gibt es auch eine Wand mit lauter gekauten Kaugummis an der Wand. Nennt sich Kunst, ist aber ekelig.
Ja, da waren die Damen wohl mal in Seattle. Dort gibt es auch eine Wand mit lauter gekauten Kaugummis an der Wand. Nennt sich Kunst, ist aber ekelig.
4.
acmf 21.02.2013
Das Problem stellt sich doch nicht bei den Studentinnen sondern bei den Medien und dem Journalisten der diesen unreflektierten Artikel verfasst hat und der Öffentlichkeit präsentiert. Bei dieser Arbeit steckt soviel Naivität [...]
Das Problem stellt sich doch nicht bei den Studentinnen sondern bei den Medien und dem Journalisten der diesen unreflektierten Artikel verfasst hat und der Öffentlichkeit präsentiert. Bei dieser Arbeit steckt soviel Naivität drin und die notwendige Bereitschaft Fehler zu machen, wie es nunmal zu diesem Zeitpunkt des Studiums notwendig ist. Vor allem bereits da gewesenes zu imitieren ist, wenn auch unbewusst, ein wichtiger Bestandteil im Kunststudium. Durch die mediale Aufmerksamkeit eines so harmlosen Projektes geht der Schuss allerdings nach hinten los und das was bleibt ist die Erkenntnis sich nicht den Fragen der Kunst sondern des eigenen Narzissmus zu widmen. Hier von einer Grenzerfahrung im Bereich Performance zu reden ist wirklich erschreckend, diese Aktion ist der Weichspülgang vieler Arbeiten die beinahe 40 Jahre zurückliegen. Wer hier das Wort genial aber auch verrückt anwendet liegt offensichtlich falsch, harmlos und nett sind da wohl eher angebracht. Das ist pure Fleißarbeit mehr aber auch nicht.
5. oh...mein...Gott...
glass88 21.02.2013
Geschlagene F Ü N F Tage "Kein TV, kein Internet, keine Dusche." Schrecklich, das sind ja die reinsten Märtyrerinnen. Das hat meiner Ansicht nahc mehr mit Kunst zu tun als 17 Stunden Teleshopping zu sehen. Zumal [...]
Geschlagene F Ü N F Tage "Kein TV, kein Internet, keine Dusche." Schrecklich, das sind ja die reinsten Märtyrerinnen. Das hat meiner Ansicht nahc mehr mit Kunst zu tun als 17 Stunden Teleshopping zu sehen. Zumal sie da nicht dei einzigen sein dürften. Da gibt es sicher einige fleißige RTL2 Seher die das auch hinbekommen. Mein nächstes Kunstprojekt: ein Puzzle bei dem jedes Teil aus einem Pixel besteht. Das Bild ist natürlich HD.

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